Massiver Stellenabbau bei Washington Post

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di bewertet den angekündigten Abbau von mehr als 300 journalistischen Stellen bei der Washington Post sowie die Schließung des Berliner Büros als schweren Einschnitt und fatales Signal für die demokratische Öffentlichkeit.

Mit dem Rückzug aus der Auslandsberichterstattung verliere nicht nur die Washington Post an journalistischer Substanz: „Die Welt wird kleiner, wenn Korrespondent*innen fehlen – und das hat direkte Folgen für die US-amerikanische Öffentlichkeit ebenso wie für das transatlantische Verhältnis“, betont Peter Freitag, dju-Co-Vorsitzender. Gerade in Zeiten globaler Krisen, geopolitischer Verschiebungen und wachsender autoritärer Tendenzen ist internationale Berichterstattung unverzichtbar.

Fehlentwicklung bei der Washington Post

Der aktuelle Stellenabbau ist aus Sicht der dju kein organischer Strukturwandel eines klassisch geführten Verlagshauses, sondern Ausdruck einer grundsätzlichen Fehlentwicklung: Medien im Eigentum von Big-Tech-Milliardären würden zunehmend nicht nach publizistischen Kriterien geführt, sondern nach machtpolitischen und ideologischen Interessen, so Freitag.

„Wenn ein Verlag im Eigentum eines der reichsten Männer der Welt Redaktionen schrumpft und Auslandsberichterstattung kappt, ist das kein ökonomischer Zwang, sondern eine bewusste Entscheidung gegen Journalismus“, sagt der dju-Co-Vorsitzende. „Big Tech zeigt damit einmal mehr, dass enorme Vermögen keine Verantwortung für demokratische Öffentlichkeit garantieren.“

Die dju sieht in den aktuellen Entwicklungen ein Warnsignal weit über die Washington Post hinaus. Unabhängiger Journalismus braucht verlässliche Strukturen und klare Schutzmechanismen gegen politische und wirtschaftliche Einflussnahme.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

„brandmelder“: Klima braucht Kontext

Am 16. März 2026 startet das Netzwerk Klimajournalismus mit „brandmelder“ ein neues Analyse- und Monitoringformat. Unter der Leitung von Klimajournalismus-Gründer Jürgen Döschner soll die derzeitige Klimaberichterstattung qualitativ beobachtet und Lücken geschlossen werden.
mehr »

Wenn Redakteurinnen streiken

Am 10. März blieben bei den Tageszeitungen Taz und nd – der Tag einige Seiten weiß. In beiden Redaktionen hatten sich Journalistinnen aber auch Lektorinnen und andere Mitarbeiterinnen am 9. März am  FLINTA* -Streik beteiligt und die Arbeit niedergelegt.
mehr »

ver.di fordert Schutzkodex im ÖRR

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert von ARD, ZDF und Deutschlandradio den Schutz von Journalist*innen einen entscheidenden Schritt voranzubringen: Bisher hat sich noch keine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt dem Schutzkodex angeschlossen. In vielen anderen Medienhäusern gelten die Regelungen des „Schutzkodex“ für Medienschaffende allerdings längst.
mehr »

Journalistinnen vor Online-Hass schützen

Zum Internationalen Frauentag warnt die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di vor zunehmender digitaler Gewalt gegen Journalistinnen. Die Gewerkschaft fordert verbindliche Schutzstandards für Medienschaffende und mehr Verantwortung der Medienhäuser beim Schutz ihrer Beschäftigten.
mehr »