Zu wenig zum leben

Krasse Unterschiede bei Ausbildungs­vergütungen für Volos und Azubis

Es gibt tarifliche Regelungen für Ausbildungsvergütungen, es gibt Empfehlungen und es gibt die Realität. Die prallen in der Medienbranche oft ziemlich krass aufeinander. Für Volontär_innen in Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen gibt es Tariflöhne – aber nicht alle Zeitungen und Zeitschriften folgen dem Tarif, sind entweder gar nicht in den Arbeitgeberverbänden Mitglied oder „OT”, also ohne Tarifbindung. In anderen Medienausbildungen sieht es ähnlich aus. Die Axel-Springer-Akademie formuliert es für künftige Journalisten­schü­ler_innen so: „Bei der Entscheidung sollten finanzielle Interessen nicht entscheidend sein.”

Hörfunkstudio Foto: ifp/Steffen Leiprecht

Die Axel-Springer-Akademie zahlt seit Jahren eine Ausbildungsvergütung von 1.200 Euro. Damit liege sie, wie sie auf ihrer Website suggeriert, ohne je eine konkrete Zahl zu nennen, durchaus im Rahmen des Üblichen. Die Springer-Nachwuchsjournalist_innen sollten gegenüber denjenigen, die ein Volontariat absolvieren, „nicht benachteiligt werden”. Kommt wohl auf das Volontariat an, denn dort liegt das Tarifgehalt in Zeitschriften und Zeitungen bei über 1.800 Euro (siehe Marginalie).

Bei den Journalistenschulen ist die Spannbreite sehr groß: Die renommierte Deutsche Journalistenschule in München oder die Evangelische Journalistenschule in Berlin kennen keine Ausbildungsvergütung, bieten aber an, bei der Suche nach Stipendien zu helfen. Die Freie Journalistenschule oder die Kölner Journalistenschule verlangen Ausbildungsgebühren. In der Henri-Nannen-Journalistenschule, die für Gruner und Jahr, Die Zeit und den Spiegel ausbildet, gibt es 764 Euro im Monat. Das hat sogar die Potsdam-Babelsberger „Electronic Media School”, die unter anderem für den RBB Nachwuchs rekrutiert, mittlerweile überholt: Sie zahlt künftig 1.000 Euro Ausbildungsvergütung. Die Journalistenschule Ruhr (WAZ) hatte 2005 alle Volontär­_innen zu Angestellten gemacht, es gab 1.200 Euro im ersten Jahr und 1.400 Euro im zweiten Jahr. Inzwischen ist das Modell wieder geändert worden: In der „Medienakademie Ruhr” sind die Schüler_innen jetzt wieder Volontär_innen ihrer Heimatredaktionen, was bedeuten kann, dass sie unterschiedliche Ausbildungsvergütungen erhalten, wie die Schulleiterin Sabine Roschke gegenüber „M” erklärte.

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Angriffe auf Journalisten mehr als verdoppelt

Im vergangenen Jahr gab es bundesweit 252 Straftaten, die sich "gegen Medien" richteten. Darunter 22 Körperverletzungen, 33 Sachbeschädigungen, vier Brandstiftungen, mehr als 29 Fälle von Bedrohung und Nötigung, Volksverhetzung, Raub, Erpressung und diverse Propagandadelikte. Die Zahl der Vorfälle hat sich im Vergleich zu den Vorjahren mehr als verdoppelt, wie die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion bestätigte.
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In Bezug auf Trump an die eigene Nase fassen

Wenn die Präsidentschaft von Donald Trump am 20. Januar beendet ist, bleiben für Journalist*innen, Medienunternehmen und Social-Media-Plattformen einige Fragen offen: Warum hat man Trump so lange nicht ernst genug genommen, die Wirkung seiner Anschuldigungen und Lügen unterschätzt und ihn ungestraft Regeln brechen lassen? „Bei Trump müssen wir uns an die eigene Nase fassen“, meinte Dorothea Hahn beim Mediensalon.
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Zweite Runde: ver.di vs. Prinz von Preußen

In einer juristischen Auseinandersetzung mit Georg Friedrich Prinz von Preußen hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Berufung beim Kammergericht Berlin eingelegt. Damit wehrt sich ver.di gegen eine auf Antrag des Prinzen von Preußen erlassene Einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin. Gegenstand ist eine Äußerung in einem Artikel des ver.di-Medienmagazins „Menschen Machen Medien“ vom Juli 2020.
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Endlich Novemberhilfe, leider nicht für alle

Endlich: Seit 12. Januar, so informiert die Bundesregierung, seien die technischen Voraussetzungen für die reguläre Auszahlung der „außerordentlichen Wirtschaftshilfe“ für den Monat November geschaffen. Die Länder starten mit der Überweisung der seit 25. November beantragten Gelder. Soloselbstständige konnten bis zu 5000 Euro Hilfen direkt beantragen. Doch bislang wurden bestenfalls Abschläge ausgezahlt. Was das für sie bedeutet und warum viele ganz durch Raster fielen, beleuchtet ein Projekt von Selbstständigen bei ver.di Niedersachsen-Bremen.
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