Weimer macht schräge Vorschläge

Foto: shutterstock

Ver.di weist die Vorschläge von Wolfram Weimer vehement zurück, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten zu privatisieren oder zusammenzulegen. Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Staatsminister im Bundeskanzleramt für Kultur und Medien entsprechende Vorschläge kürzlich bei einer Tagung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung unterbreitet hatte.

Laut Berichten schlug Weimer vor, das ZDF zu privatisieren und die öffentlich-rechtlichen Medienhäuser auf maximal fünf Anstalten zusammenzukürzen – mit dem Ziel, RTL und andere private Medien finanziell besserzustellen.

Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständiges Mitglied im Bundesvorstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), hält die Vorschläge für sachfremd und fehlgeleitet: „Rundfunkpolitik ist Ländersache. Inhaltlich schießt Herr Weimer weit über sämtliche Reformvorschläge der dazu berufenen Kommissionen und zuständigen Medienpolitiker*innen und über seine Kompetenz hinaus. Er redet denjenigen das Wort, die Landessender der ARD und das ZDF zerschlagen wollen. Statt die Säulen eines verfassungsrechtlich begründeten dualen Mediensystems zu festigen, versteht Herr Weimer nach diesen Berichten seine Rolle darin, in Hinterzimmern für Abbaupläne und damit weniger Medienpluralität zu lobbyieren. Damit verfehlt er seine Aufgaben und stößt Medienschaffenden und der gesamten Branche vor den Kopf.“

Schmitz-Dethlefsen erinnert an die Ankündigung des Kulturstaatsministers zu Beginn seiner Amtszeit, die Online-Plattformen besteuern zu wollen: „Angesichts der immensen Markt- und Meinungsmacht der demokratiefeindlichen Big-Tech-Plattformen, auf denen sich längst ein großer Teil der öffentlichen Meinungsbildung abspielt, ausgerechnet dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk an den Kragen zu gehen, ist der größtmögliche Bärendienst an der offenen Gesellschaft. Seit seinem Amtsantritt hatte Herr Weimer für die Regulierung der Tech-Monopole geworben. Bis heute hat er für seinen ‚Plattform-Soli‘ noch nicht einmal Eckpunkte vorgelegt. Hierfür braucht es dringend politische Konzepte, statt sich über Kompetenzen hinwegzusetzen und für eine vermeintliche Finanznot privater Medien die öffentlich-rechtlichen verantwortlich zu machen.“

Dem Gewerkschafter zufolge sind die Äußerungen auch im Lichte der Landtagswahlen im September kritisch zu reflektieren. Welche Konsequenzen die Wahlausgänge für den Journalismus und die Mediennutzer*innen zeitigen werden, aber auch welche Spielräume einzelne Landesregierungen nutzen können, um das Mediensystem zu prägen, steht im Fokus der diesjährigen Medienpolitischen Tagung von ver.di und DGB. Diese findet am 30. September ab 16 Uhr beim ver.di-Bundesvorstand in Berlin statt.

Programm und Anmeldung unter Medienpolitische Tagung | ver.di

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Recherchematerial der „Zeit“ beschlagnahmt

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Beschlagnahme von Recherchematerial der Wochenzeitung „Die Zeit“ aufs Schärfste und fordert dessen sofortige Rückgabe. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hatten am Montag auf Beschluss des Landgerichts Hamburg mit der Durchsuchung der Redaktion und der Wohnung einer Autorin gedroht.
mehr »

Filmtipp: Heimsuchung

Volker Schlöndorffs prominent besetzte Verfilmung von Jenny Erpenbecks Bestseller „Heimsuchung“ ist ein mit großer Gelassenheit inszeniertes Alterswerk über ein Seegrundstück, auf dem die Menschen kommen und gehen. Der Autor und Regisseur hat den Roman in Absprache mit der Autorin klug verdichtet. Der Film erzählt wie die Vorlage die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts im Zeitraffer.
mehr »

dju will verlässlichen Quellenschutz

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert, dass Journalist*innen nach der geplanten Reform des Nachrichtendienstrechts schlechter vor Überwachung geschützt sein sollen als Anwält*innen, Geistliche und Abgeordnete. Anders als bei diesen Berufsgeheimnisträger*innen wird das verfassungsrechtlich geschützte Redaktionsgeheimnis gegen Sicherheitsinteressen abgewogen.
mehr »

Programmreform mit der Brechstange

Die Programmstruktur des Deutschlandfunks soll sich ab Dezember 2027 tiefgreifend verändern. Dagegen regt sich Widerstand. Der Verein „Informationsqualität“ klagt nun dagegen. Man kann nur hoffen, dass das Verwaltungsgericht Köln im Sinne der Kläger eine einstweilige Verfügung erlässt und damit die für den 30. November angekündigte Programmrefom des Deutschlandfunks stoppt.
mehr »