Heimliche Verführung

Meinungsmacher: Intermediäre bedrohen die Medienvielfalt

Suchmaschinen, Apps, soziale Online-Netzwerke oder andere virtuelle Plattformen entscheiden zunehmend darüber, welcher Nutzer im Internetzeitalter welche Informationen erhält. Ganz gleich ob Smartphone oder Smart-TV-Gerät: Digitale Instanzen regeln mit Hilfe von Algorithmen, was uns an Neuigkeiten aus dem Internet erreicht. Die sogenannten Informationsintermediäre gewinnen an Markt- und Meinungsmacht. Sie avancieren zu heimlichen Gatekeepern, von denen abhängt, welche Abbilder von Wirklichkeit auf unseren Flachbildschirmen und Touchscreens flimmern. Die Folge: eine Gefahr für Medien- und Meinungsvielfalt.

Die Bezeichnung Intermediär ist abgeleitet vom lateinischen Wort intermedius, was so viel bedeutet wie „der Dazwischenliegende”. Im wirtschaftlichen Sinn vermitteln Intermediäre Leistungen zwischen zwei Marktteilnehmern, also etwa zwischen Inhalteanbietern und Werbekunden oder zwischen einem Medienunternehmen und Leser_innen oder Zuschauer_innen. Insofern ist auch jeder Zeitungskiosk im ökonomischen Sinn ein Intermediär. Die digitalen Kioske der Online-Welt heißen Google oder Facebook, aber auch Samsung oder Apple. Sie bestimmen, welche Suchergebnisse wir in welcher Reihenfolge von Google offeriert bekommen oder welche Nachrichten es auf die Timeline von Facebook oder in die News-App unseres Smartphones schaffen. Intermediäre tauchen nicht nur im World Wide Web auf, sondern prägen längst auch den Smart-TV-Kosmos. Dort entscheiden virtuelle Plattformen darüber, welche Inhalte außer den klassischen Fernsehprogrammen via Internet auf dem Monitor erscheinen – ganz gleich ob Online-Werbung oder Streaming-Portal, ob Video-on-Demand oder Pay-TV-Paket.

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Staatliche Einheit und mediale Spaltung

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nd: Genossenschaft – eine gute Idee?

Das „neue deutschland“, vor Jahren noch stolz als „die Linke unter den Großen“ beworben, wird Ende April 75 Jahre alt. Feierstimmung wird bei den etwa 100 Machern der „Sozialistischen Tageszeitung“ kaum aufkommen. Sie haben andere Sorgen: Am 22. Februar hat die Geschäftsführung informiert, dass die Gesellschafter die ND Druckerei und Verlag GmbH zum Jahresende auflösen wollen. Stattdessen könne eine Genossenschaft gegründet werden. Fragen an Redaktionssprecherin Haidy Damm.
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Streamingdienste könnten Kinos verdrängen

Als ob die Corona-Krise den Kinobetreiber*innen nicht schon genügend Schwierigkeiten bereitet, gibt es nun ein weiteres, umfassendes Problem: Große US-Filmstudios setzen auf eigene Streamingdienste und wollen dieses Jahr ihre Blockbuster nicht mehr zuerst im Kino zeigen. Damit schwindet der exklusive Vorsprung des Kinos. Ist das Gemeinschaftserlebnis vor großer Leinwand in Gefahr?
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