Heimliche Verführung

Meinungsmacher: Intermediäre bedrohen die Medienvielfalt

Suchmaschinen, Apps, soziale Online-Netzwerke oder andere virtuelle Plattformen entscheiden zunehmend darüber, welcher Nutzer im Internetzeitalter welche Informationen erhält. Ganz gleich ob Smartphone oder Smart-TV-Gerät: Digitale Instanzen regeln mit Hilfe von Algorithmen, was uns an Neuigkeiten aus dem Internet erreicht. Die sogenannten Informationsintermediäre gewinnen an Markt- und Meinungsmacht. Sie avancieren zu heimlichen Gatekeepern, von denen abhängt, welche Abbilder von Wirklichkeit auf unseren Flachbildschirmen und Touchscreens flimmern. Die Folge: eine Gefahr für Medien- und Meinungsvielfalt.

Die Bezeichnung Intermediär ist abgeleitet vom lateinischen Wort intermedius, was so viel bedeutet wie „der Dazwischenliegende”. Im wirtschaftlichen Sinn vermitteln Intermediäre Leistungen zwischen zwei Marktteilnehmern, also etwa zwischen Inhalteanbietern und Werbekunden oder zwischen einem Medienunternehmen und Leser_innen oder Zuschauer_innen. Insofern ist auch jeder Zeitungskiosk im ökonomischen Sinn ein Intermediär. Die digitalen Kioske der Online-Welt heißen Google oder Facebook, aber auch Samsung oder Apple. Sie bestimmen, welche Suchergebnisse wir in welcher Reihenfolge von Google offeriert bekommen oder welche Nachrichten es auf die Timeline von Facebook oder in die News-App unseres Smartphones schaffen. Intermediäre tauchen nicht nur im World Wide Web auf, sondern prägen längst auch den Smart-TV-Kosmos. Dort entscheiden virtuelle Plattformen darüber, welche Inhalte außer den klassischen Fernsehprogrammen via Internet auf dem Monitor erscheinen – ganz gleich ob Online-Werbung oder Streaming-Portal, ob Video-on-Demand oder Pay-TV-Paket.

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Streichkonzert bei Stuttgarter Zeitungen

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Eine Black Box voller Gefahren und Nutzen

Künstliche Intelligenz (KI), auch als maschinelles Lernen (ML) oder artifizielle Intelligenz (AI) bekannt, dringt in den (Online-)Journalismus vor. Vor allem mit der Frage, wie KI als Werkzeug für qualitativ hochwertigen Journalismus genutzt werden kann, befasste sich eine Online-Veranstaltung vom „Cyber Valley“ des Max-Planck-Instituts for Intelligent Systems Stuttgart. Deutlich wurde: Die vielzitierten Fußballspiele und der Wetterbericht sind beileibe nicht die einzigen Textgestaltungs-Anwendungen für eine KI.
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Einnahmen von Plattformen sprudeln

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Wenn Internetwerbung Demokratie gefährdet

Fünf Prozent aller Werbegelder deutscher Unternehmen landen auf Websites wie dem rechtsextremistischen „Breitbart“-Portal. Damit gefährden sie den guten Ruf der Marke – und die Demokratie, kritisierte der Werbeexperte Thomas Koch gestern auf der digitalen „Konferenz zur Medienzukunft“ am Dortmunder Journalistik-Institut. Neben Analysen standen Gegenstrategien zur Debatte.
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