Mogelpackung

Stephan Russ-Mohl, emeritierter Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Lugano und Berater des Europäischen Journalismus-Observatoriums (ejo) Foto: Privat

Glaubwürdigkeit von Journalismus gefährdet, sagt Stephan Russ-Mohl

M | Dass die Werbewirtschaft ihre Methoden fortentwickelt und dabei auch in den journalistischen Werkzeugkasten greift, müsste noch keine Bedrohung des (Qualitäts)journalismus bedeuten. Warum ist es doch eine?

Stephan Russ-Mohl | Es ist sogar eine doppelte Bedrohung: Zum einen entziehen die neuen Methoden der Werbewirtschaft dem unabhängigen Journalismus Ressourcen – sei das Content Marketing, die zielgruppen-präzise „Direktwerbung” über Facebook oder Google anstatt in herkömmlichen journalistischen Medien.

Zum anderen erwächst dem Journalismus beim Content Marketing eine Konkurrenz, die „richtigem” Journalismus für die Publika oft zum Verwechseln ähnlich sieht, aber eben de facto Öffentlichkeitsarbeit ist und somit die ohnehin schon lädierte Glaubwürdigkeit des Journalismus weiter reduziert.

Aus Marketingsicht werden für die Rezipienten nutzwertige Angebote geliefert. Eher schlecht bezahlte Journalisten können zeitweise als gut dotierte Verkaufsassistenten arbeiten. Warum sollten sich die einen wie die anderen Content Marketing verschließen?

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