Schon entdeckt? Rubikon

Screenshot Rubikon

Schon entdeckt?

Engagierte Medien abseits des Mainstreams gibt es zunehmend mehr. Sie sind hochinteressant, aber oft wenig bekannt. Deshalb stellt M in jeder gedruckten Ausgabe und monatlich auf M Online eines davon vor

Es ist eine neue Internet-Adresse für „kritischen Journalismus“: „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“. Jens Wernicke, Chefredakteur und Geschäftsführer der neuen Publikation, erklärte gegenüber M, man wolle „Milieu-übergreifend“ und „unabhängig von Lobbys und dem großen Geld, allein durch private Spenden finanziert“ über „Medienmanipulationen“ aufklären und für den Frieden arbeiten.

Der Name der Publikation leitet sich von dem berühmten Spruch „Alea iacta est“  (meist übersetzt mit „Die Würfel sind gefallen“) des Kriegsherrn Julius Caesar beim Überschreiten des Grenzflusses Rubikon auf seinem Weg in den römischen Bürgerkrieg ab. Doch die Gründer_innen wollen mit ihren Artikeln das Zeitalter der Kriege beenden. Von diesem Ziel führe für sie eben auch kein Weg zurück.

Herausgeber ist die „Initiative zur Demokratisierung der Meinungsbildung“, die als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Mainz am 23. Februar 2017 ins Handelsregister mit einem Startkapital von 30.000 Euro eingetragen wurde. Zu den 80 vorgestellten Autor_innen von „Rubikon“ zählen der Kabarettist Arnulf Rating, die Schriftstellerin Daniela Dahn oder der Journalist Werner Rügemer. Im Beirat, in dem auch manche der Autor_innen sind, finden sich bekannte Namen wie der Liedermacher Konstantin Wecker oder der Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler.

„Unsere Autoren sind frecher und mutiger als viele andere“, meint Wernicke. Durch Analyse und Kritik wolle der „Rubikon“ die Weltverhältnisse verbessern und dem Mainstream  Antithesen gegenüberstellen, etwa gegen das zu positive Bild des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron als „sozialliberalem Politiker“. Ebenso greift „Rubikon“ die unkritische Verteidigung der Europäischen Universität in Budapest an, die überwiegend dem Einfluss des global agierenden Kapitalisten George Soros diene, gegen die sich Viktor Orbàn zu wehren versuche. Auch eine kritische Analyse der Medienberichte über das „Twittermädchen aus Syrien“ findet sich auf „Rubikon“. Ein Fall, in dem gerade ein Urteil gegen den Autoren ergangen ist. Kläger und derzeitiger Sieger vor Gericht ist der Stern. Auf „Rubikon“ wird die Entscheidung nun scharf unter die Lupe genommen.

Wernicke berichtet, dass schon wenige Wochen nach dem Start um die 15.000 Leser_innen täglich auf der Seite waren. Der Facebook-Auftritt zählt über 12.000 „Likes“,   Rubikon twittert auch. Das Kernteam besteht aus 20 Ehrenamtlichen. „Selbst die Programmierer unserer Website arbeiten – da sie die Idee so gute finden – unentgeltlich für unser Projekt“, so der Chefredakteur. „Das zeigt, dass unser Anliegen, jenseits des Mainstreams ‚den normalen Menschen‘ eine Stimme sowie vor allem Mittel zur intellektuellen Selbstverteidigung gegen Sozialabbau und Militarisierung an die Hand zu geben, dem Wunsch und Bedarf von Vielen im Lande entspricht.“

„Rubikon“ befindet sich im Aufbau: Seit kurzem gibt es eine Jugendredaktion und internationale Artikel auf Deutsch wie der „Kommentar zum Weltsystem“ des US-Soziologen Immanuel Wallerstein. Ein Newsletter ist in Vorbereitung.

 

 

 

 

 

nach oben

weiterlesen

Mehr Sichtbarkeit für Frauen beim SWR

Der Südwestrundfunk (SWR) will den Frauenanteil in Radio, Fernsehen und Internet erhöhen und Frauen in allen Programmen sichtbarer machen. Daher stellt sich der Sender als erste Landesrundfunkanstalt der ARD der sogenannten 50:50-Challenge. Nach dem Vorbild der britischen BBC sollen alle Redaktionen ein Jahr lang freiwillig auf ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihrem Programm achten. Das Mitmachen in den Redaktionen ist freiwillig.
mehr »

Sie haben Post! – Ein neuer Newsletter

Altbacken, langweilig und viel zu viele: Newsletter galten lange Zeit als überholt. Doch das hat sich geändert. Aus den USA kommt der Trend, dass auch einzelne Journalistinnen und Journalisten ihre Inhalte im Abo direkt an ihre zahlende Leserschaft ausschließlich mailen. Sie stehen weder im Netz noch in gedruckten Medien. Wer Insider-Infos für zahlungsbereite Kundschaft liefert, kann damit sogar Geld verdienen. Einfach ist das allerdings nicht.
mehr »

Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende

Nach fünfmonatigen Verhandlungen gibt es einen Tarifabschluss für die rund 25.000 Filmschaffenden in Deutschland, der ab September gilt. Die ver.di FilmUnion erreichte gemeinsam mit der Schauspielgewerkschaft BFFS in Verhandlungen mit der Produzentenallianz Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Freizeitphasen während der Dreharbeiten, Zuschlägen am Wochenende und bessere Bedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen. Außerdem soll ab September über die Erhöhung der Gagen verhandelt werden.
mehr »

Filmtipp: Hinter den Schlagzeilen

Am 5. Mai 2021 startet das 36. DokFest München mit „Hinter den Schlagzeilen“, einem Film über die Arbeit zweier Investigativ-Journalisten der Süddeutschen Zeitung (SZ). Ihnen wurde 2019 das „Ibiza-Video“ zugespielt, das nach seiner Veröffentlichung den österreichischen FPÖ-Vizekanzler zu Fall brachte. Daniel Sagers Dokumentarfilm fängt die aufwändigen Recherchen in der SZ-Redaktion ein und macht so deutlich, wie wichtig seriöser Journalismus in Zeiten von Fake News und Social Media ist.
mehr »