Presse-Versorgung: Gutes noch verbessern

Foto: Hermann Haubrich

Einer der Gründungsväter moderner Presse-Versorgung ist der Verleger Dietrich Oppenberg, dessen Geburtstag sich am 29. Juli zum 100. Mal jährt. Seit Jahrzehnten  kann das Versorgungswerk auf positive Bilanzen zurückschauen und auch aktuell wird die Nettoverzinsung für 2016 mit fünf Prozent ausgewiesen. Die guten Zahlen schlagen sich auch bei den Abschlüssen nieder.

Im vergangenen Jahr steigerte das Versorgungswerk der Presse als Spezialist für die Alters-, Pflege- und Berufsunfähigkeit-Vorsorge in der Medienbranche seine Neuabschlüsse auf 5020. Insgesamt verwaltet die Presse-Versorgung rund 160.000 Versicherungsverträge mit einem Bestand von ca. 10 Milliarden Euro. Da die Gesellschafter seit jeher auf Dividende verzichten, kommen alle Überschüsse den Versicherten zugute. Mehr als 500 Medienunternehmen, so die Bilanz, hätten sich mittlerweile für die Presse-Versorgung und die seit 2015 eingeführte „Branchenlösung Medien“ entschieden. Der positive Trend halte an, heißt es aus Stuttgart. Auch für das laufende Jahr ist eine Verzinsung bis zu vier Prozent angekündigt. Damit bestätige das Versorgungswerk in der anhaltenden Niedrigzinsphase seine „Marktführerschaft in der Altersvorsorge“.

In der sogenannten Pflichtversicherung schafft die Presse-Versorgung eine sprichwörtliche Win-Win-Situation: Die seit zwei Jahren praktizierte „Branchenlösung Medien“ als betriebliche Altersvorsorge für alle Beschäftigten in den Medien kann den Unternehmen durch ihre Beiträge zugleich Lohnnebenkosten sparen. Den Beschäftigten sichert die Presse-Direktversicherung ihre Rente „zum halben Preis“, da staatliche Förderung durch Steuer- und Sozialabgabenfreiheit etwa 50 Prozent der Beiträge decken. Als betriebliche Altersvorsorge im tariflichen Bereich fungiert die Presse-Versorgung inzwischen für alle Beschäftigten von Medienunternehmen, also zum Beispiel auch für Verlagsangestellte und nicht mehr nur für Journalist_innen. Zudem gilt der Grundsatz „einmal Presse, immer Presse“, die Sonderkonditionen gehen den Versicherten auch bei einem Berufswechsel nicht verloren. All das sieht man auch in der aktuellen Debatte um die Bedeutung betrieblicher Altersvorsorge als Beleg für die „zukunftsweisende Ausrichtung der Presse-Versorgung“.

Dafür ließe sich künftig freilich noch mehr tun. Die Beteiligung von Redaktionen sowie den Verlegern als Auftraggebern an einer gemeinsamen Einrichtung ist eine Idee, die historisch recht weit zurückreicht, um Journalist_innen und Schriftsteller_innen besser abzusichern und unabhängige Berichterstattung zu ermöglichen. Unter dieser Prämisse wurde 1926 mit der „Versorgungsanstalt der Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse“ die Vorläuferorganisation des heutigen Versorgungswerkes geschaffen. Sie stand bereits auf tarifrechtlicher Basis. Gesellschafter waren der Reichsverband der deutschen Presse auf Journalistenseite und der Arbeitgeberverband des deutschen Zeitungsgewerbes. Nach 1945 musste eine Altersversorgung für Journalist_innen neu organisiert werden, die Alliierten hatten die Guthaben der Versorgungsanstalt beschlagnahmt. Der Verleger Dietrich Oppenberg war maßgeblich am Aufbau einer modernen Presseversorgung beteiligt. „Oppenberg ging es immer um das Gemeinsame“, würdigt ihn Gerhard Manthey, langjähriger ver.di-Vertreter im Presseversorgungswerk. Diese Linie habe Oppenberg über Jahrzehnte als Vorsitzender des Verwaltungsrates, als Vorsitzender der Finanzkommission und der Versorgungskasse durchgehalten: „Der Verleger ist dazu da, den Gewinn im Verlag zu organisieren. Der Journalist ist dafür da, unabhängig und frei für die Presse zu schreiben. Wir garantieren ihm seine Unabhängigkeit – auch finanziell“, sei Oppenbergs Auffassung der Arbeitsteilung in den Medienhäusern gewesen. Der Beitragszahlungsgrundsatz „zwei Teile Verleger, ein Teil Redakteur“ trage dem Rechnung. Manthey würdigt den „großen sozialen Charakter“ Oppenbergs, der immer auch für notwendige Reformen des Versorgungswerkes offen gewesen sei. Angesichts der aktuellen sozialen Situation vieler freier Journalist_innen frage er sich deshalb: „Wo ist der Nachfolger von Verleger Oppenberg, der im Jahre 2017 eine Pflichtversicherung unter Beteiligung der Verleger für freie Journalisten in allen Medien einführt?“

Den meisten Freien steht bislang nur die private Altersvorsorge oder Berufsunfähigkeitsversicherung offen. Tatsächlich spielt sie in der Presse-Versorgung eine immer größere Rolle; der Geschäftsbereich ist mittlerweile auf etwa 70 Prozent des Gesamtbestandes gestiegen. Visionen nach dem Vorbild Oppenbergs sind also durchaus gefragt. „Vorbild sucht Nachahmer“, meint Manthey.

 

 

nach oben

weiterlesen

Netflix schüttet erste Zusatzvergütungen aus

Mitwirkende an deutschen Serien-Produktionen von Netflix erhalten auf der Grundlage Gemeinsamer Vergütungsregeln erstmals Zusatzvergütungen. Zudem beteiligt sich das US-amerikanische Medienunternehmen an der Finanzierung der Themis-Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V. Ein Interview mit Rachel C. Schumacher, Senior Counsel, Labour Relations, Netflix, und Bernhard F. Störkmann, Geschäftsführer der Deutschen Schauspielkasse (Deska).
mehr »

In Bezug auf Trump an die eigene Nase fassen

Wenn die Präsidentschaft von Donald Trump am 20. Januar beendet ist, bleiben für Journalist*innen, Medienunternehmen und Social-Media-Plattformen einige Fragen offen: Warum hat man Trump so lange nicht ernst genug genommen, die Wirkung seiner Anschuldigungen und Lügen unterschätzt und ihn ungestraft Regeln brechen lassen? „Bei Trump müssen wir uns an die eigene Nase fassen“, meinte Dorothea Hahn beim Mediensalon.
mehr »

Arbeitszeit beim Film bleibt strittig

In den Tarifverhandlungen zwischen der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen und ver.di ist auch am 14. Januar kein Fortschritt erreicht worden. Für die rund 25.000 Filmschaffenden zeichnet sich damit keine baldige Verbesserung der Arbeitszeitbedingungen durch mehr freie Wochenenden, zusammenhängende freie Tage oder Wochenend-Zuschläge ab. Die Produzentenallianz hat in den bisherigen zwei Verhandlungen den beiden Gewerkschaften BFFS und ver.di noch kein Angebot gemacht, will vielmehr im Jahr 2021 keinerlei Veränderung am Tarifvertrag akzeptieren.
mehr »

Deutschlandradio kündigt Tarifvertrag

Deutschlandradio ist aus dem laufenden Tarifvertrag mit ver.di ausgestiegen. Der Sender begründet den Schritt mit der von Sachsen-Anhalt blockierten Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Dem Sender fehlten dadurch die nötigen Einnahmen für den laufenden Haushalt, vor allem aber würden nötige Investitionen erstmal zurückgestellt. Damit erhalten die Beschäftigten im April nicht wie ursprünglich vereinbart mehr Geld. ver.di fordert Deutschlandradio zu Tarifverhandlungen auf.
mehr »