RBB-Freie: „Ohne uns wird‘s langweilig“

Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RBB demonstrieren am 1. Mai in Berlin vor dem Sendezentrum gegen Streichungen im Programm Foto: Ulli Winkler

Am Tag der Arbeit demonstrierten mehr als 300 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Masurenallee vor dem Sendezentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Denn sie wollen ihre Arbeit behalten, sie wollen Bestandsschutz, faire Honorare und Respekt für ihren qualifizierten Beitrag zum Programm der Zwei-Länder-Anstalt, die mal wieder den Rotstift ansetzt. Ganze Sendeformate sollen wegfallen. 75 Freien der Sendung „ZiBB“ wurde bereits das Ende ihrer Mitarbeit angekündigt.

„Was schauen Sie denn so, … wenn wir nicht da sind?“ Diese Frage schwebte auf einem Protestplakat über der bunten Menge am Vormittag des 1. Mai gegenüber der Berliner Messe wie die Parole „Ohne Freie kein Programm“, die nicht nur Thomas Klatt, freier Autor, vom ver.di-Senderverband, der Moderator der Demo, immer wieder skandierte. Über 450 Freie haben sich bereits für die Aktion „Frei im Mai“  (#wirsindnichtda) angemeldet: Sie werden ihre Arbeitskraft in den ersten Maitagen zurückhalten, um zu zeigen, wie wichtig die insgesamt 1500 Freien für das Programm des RBB sind. „Wir sollten mal Abstand halten, und zwar nicht nur bei dieser Demo, sondern auch zum Arbeitgeber“, wird gefordert. Denn: „Ohne uns wird’s langweilig“, warnt ein Plakat, und das vor einem Sender, der sein Motto „Bloß nicht langweilen“ direkt über der Eingangstür präsentiert.

Freie im RBB demonstrieren am 1. Mai für sichere Arbeitsbedingungen
Foto: Ulli Winkler

Sparzwang, Programmumbau, Arbeitsverdichtung auf Kosten der Qualität, auch durch neue Ausspielkanäle, all das werde auf den Rücken der freien Mitarbeiter*innen in Technik und Redaktionen ausgetragen, fürchten die Freien. Das ist sowohl im Publikum zu hören wie auch von den Freiensprecher*innen von „ZiBB“, „Abendschau“, „Brandenburg aktuell“, Inforadio oder Kulturradio auf dem zur Bühne umgewandelten Laster von ver.di. Die Freien, die ihre Flexibilität und Kompetenz über viele Jahre immer bewiesen haben, die das Programm des RBB neben den besser bezahlten Festangestellten mit Engagement und Qualifikation mitgestaltet haben, fühlen sich jetzt ausgemustert. Sie sehen sich respektlos an den Rand gedrängt und haben wenig Vertrauen in die tröstenden Worte von Sendeleitungen und Intendanz, dass für sie neue Aufgaben gefunden würden. Sie wollen eine echte Perspektive und auch im RBB endlich die Forderung „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ umgesetzt sehen.

Monique Hofmann, dju-Bundesgeschäftsführerin in ver.di Foto: Ulli Winkler

„Wir sind heute hier, weil es nicht egal ist, wie mit den Freien umgegangen wird“, erklärte Monique Hofmann, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, vor den Demonstrant*innen. Dieses Zeichen der Solidarität und Stärke solle den RBB daran erinnern, seiner Verpflichtung als sozialer Arbeitgeber gerecht zu werden. Von den Bundesländern Berlin und Brandenburg forderte sie, den Staatsvertrag endlich zu erneuern und die Vertretung der Freien im Personalrat des Senders damit endlich angemessen zu ermöglichen.

Steffen Grimberg, Berliner Landesvorsitzender des DJV Berlin-Brandenburg Foto: Ulli Winkler

Den SWR bezeichnete Steffen Grimberg, Berliner Landesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbands (DJV) Berlin-Brandenburg, als Vorbild für den Bestandsschutz für Freie und ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten. Der propagierte Aufbruch des RBB dürfe nicht zum Abbruch werden. Wenn der Job für Freie unattraktiv werde, gehe es dem Publikum beim Programm schnell ähnlich. Die öffentlich-rechtlichen Sender befänden sich immer häufiger in Konkurrenz zu anderen, neuen Medienunternehmen und seien „nicht mehr das Maß aller Dinge“.

Die Zuschauer*innen und Hörer*innen müssten erfahren, „dass es beim RBB klemmt und brennt“, forderte ver.di-Landesbezirksleiter Frank Wolf.

Stephanie Hajdamowicz, freie Journalistin beim WDR und Vorstandsmitglied im ARD-Freienrat
Foto: Ulli Winkler

„Wir sind die Gesichter für die Zuschauer, aber wir arbeiten zweiter Klasse“, empörte sich Stephanie Hajdamowicz, freie Journalistin beim WDR und engagiert im ARD-Freienrat, der gerade online tagte und bundesweit 18.000 Freie vertritt. „Wir sind von jetzt auf gleich weg“, wenn Sparrunden eingeläutet werden, so ihre Erfahrung. Deshalb sei das Ziel Bestandsschutz und Rücknahme der Kündigungen: „Wir kämpfen für eure Rechte“, versprach sie den Berliner und Brandenburger Kolleg*innen im Namen des ARD-Freienrats. Und für einen RBB als „starke Stimme“ (Hofmann) und ein „Gutes Programm für die RBB-Regionen“ (Plakat).

 

 

 


Aktualisierung 05.05.2021:

Programmausfälle beim RBB wegen Protesten

Die Kampagne der Freien Mitarbeiter*innen im RBB #wirsindnichtda zeigt Wirkung. Am Montag und Dienstag konnte wegen der Arbeitsniederlegung das Magazin „zibb“ nicht wie geplant gezeigt werden. Stattdessen sendete der RBB bereits aufgezeichnete Gespräche. Auch für die kommenden Tage rechnet der Sender nicht mit einer regulären Ausgabe des Magazins. Nach den Protesten gegen die Kürzungen am erstem Mai hieß es nun aus dem Sender man sei zu Gesprächen mit den Betroffenen bereit.

 

 

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