Filmtipp: Call Me Queen

Foto: Filmreederei GmbH

Die Auslandskorrespondentin Anna erlebt in „Call Me Queen“ im Kenia der 1990er Jahre die Berichterstattung als unzureichend. Lange vor den heutigen Haltungsdebatten muss sie Aktivistin werden, um mit ihrem Anliegen gehört zu werden.

Die irische Auslandkorrespondentin Anna (Denise Gough) in Emily Atefs Literaturadaption „Call Me Queen“ – als Vorlage dient Lara Santoros Buch „Mercy“ – ist für ihre engagierten Beiträge bekannt. Man hat sie nach Kenia geschickt. In Nairobi soll sie tolle Berichte aus dem Alltag bringen. „Ich habe Zeitungen zu verkaufen“, sagt Chefredakteur Warren (Dominic West) im Videocall. Anna sagt: „Hier sterben täglich 700 Menschen an AIDS, das ist die Story. Der Chef: „Krieg ich nicht unter, ich habe den mittleren Osten, den Balkan, Indien und Pakistan stehen vor einem Krieg. Mach, was dir gesagt wird.“

Die AIDS-Erkrankung weitet sich Ende der 1990er Jahre zu einer Epidemie in Ostafrika aus. Im Umfeld der alleinerziehenden Mutter Queen (Eliane Umuhire) gibt es erste Fälle. Menschen sterben ohne jede Hilfe. Die Pharmakonzerne haben bereits wirksame Medikamente entwickelt, blockieren aber kostengünstige Generika-Produktion.

Queen braucht Geld für ihre Familie und heuert bei Anna als Haushälterin an. Zunächst sträubt sich Anna, sie möchte nicht, dass jemand ständig im Haus ist. Der Grund: Anna hat massive Alkoholprobleme, „Es ist erst ein Uhr mittags“, entfährt es der entrüsteten Queen, als sich Anna den ersten Whiskey genehmigt.

Annas lange Arbeitstage sind von Hektik-Phasen, schwierigen und frustrierenden Verhandlungen mit Redakteuren und Interviewterminen bestimmt. Dass sie Angehörige hätte, erfährt man nicht. Mit dem Alkohol dimmt sie sich herunter, da dürfte sie nicht die einzige Kollegin sein.

Mit Queen bekommt sie ganz andere und neue Einsichten in das Leben in Kenia und auch in ihre eigene Arbeit. Die junge Frau kennt viele Leute und viele Geschichten. Man fragt sich, wie Anna, deren Selbstbild vom Einzelgängerinnen-Status bestimmt war, vorher ohne sie ausgekommen ist.

Als sich herausstellt, dass Queen selbst an AIDS erkrankt ist, kann Anna ihr über private Kontakte Medikamente besorgen. Nun aber ist sie sehr persönlich in die AIDS-Problematik involviert und baut mit Queen und anderen Betroffenen eine Bürger- und Patienteninitiative auf, hilft Forderungen zu formulieren, protestiert mit ihnen vor dem Gebäude der Welthandelsorganisation in Nairobi. Gemeinsam kämpfen sie nun für eine bessere Gesundheitsversorgung.

Aus der Journalistin ist eine Aktivistin geworden. Atefs Film stellt das Fundament des Journalismus zur Disposition: Ist man nur Beobachter oder soll man mitwirkend eingreifen, wenn man mit Ungerechtigkeit und Missständen konfrontiert ist. In „Call Me Queen“ ist die Frage eindeutig beantwortet.


„Call Me Queen“. D/FGB 2026. Regie: Emily Atef. Mit Denise Gough, Eliane Umuhire. Kinostart: 15. Oktober 2026

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