CDU-Frau mit bewegter Vergangenheit

Der nächste "große Sprung nach vorne" soll China mit der Neuen Seidenstrasse gelingen. Vielen Ländern ist dieses Projekt ein Dorn im Auge. Foto: unsplash

Die CDU-Politikerin Susanne Wetterich aus Baden-Württemberg scheiterte mit dem Versuch, der Kontext-Redaktion die Berichterstattung über ihre kommunistische Vergangenheit und ihren Berufsverbotsfall zu verbieten. Eine Einstweilige Verfügung zog die Politikerin zurück.

Es ist kein Geheimnis, dass einige Menschen, die in ihrer Jugendzeit in linken politischen Gruppierungen aktiv waren, später Karrieren in unterschiedlichen politischen Parteien gemacht haben. Doch wie gehen sie heute mit ihrer politischen Vergangenheit um? Mit dieser Frage musste sich kürzlich die Redaktion der Wochenzeitung Kontext befassen. In der Ausgabe 747 interviewte der Journalist Hermann G. Abmayr den Sprecher des Bundesausschuss gegen Berufsverbote und für die Verteidigung der Grundrechte Werner Siebler. Die Bundespost hatte den damaligen Postbeamten auf Probe 1984 wegen seiner DKP-Mitgliedschaft entlassen. Im Kontext-Interview wurden auch Menschen erwähnt, die bereits in den 1970er Jahren mit Berufsverbotsverfahren konfrontiert waren und heute noch in der Politik von Baden-Württemberg eine Rolle spielen. „Winfried Kretschmann, der wegen seiner Aktivitäten für den KBW zeitweise nicht als Lehrer unterrichten durfte, ging zu den Grünen. Die ebenfalls maoistisch organisierte Susanne Wetterich, auch ein Opfer des Radikalenerlasses in Stuttgart, hat es 2021 über die CDU-Liste kurzfristig sogar bis in den Bundestag geschafft“, nannte Abmayr zwei Beispiele.

Das kam bei Wetterich nicht gut an. Mit der Begründung, sie sei keine Person der Zeitgeschichte und der Rückgriff auf Ereignisse aus den 1970er Jahren würden ihre Persönlichkeitsrechte verletzten, verlangte sie die Löschung ihres Namens aus dem Text. Mit diesem Ansinnen hatte sie 2022 bei der Stuttgarter Zeitung Erfolg. Die Zeitung berichtete über eine bekannte Christdemokratin, die einst in die Mühlen des Radikalenerlasses geraten war. Die Kontext-Redaktion hingegen lehnte Wetterichs Forderung nach Löschung ab. „Sie ist neben Winfried Kretschmann eine bekannte Politikerin aus Baden-Württemberg, die als damals Linke vom Radikalenerlass betroffen war. erklärte Anna Hunger von der Kontext-Redaktion gegenüber M.

Daraufhin wollte Wetterich mittels Einstweiliger Verfügung die Löschung ihres Namens und den Verzicht auf jede „identifizierende Berichterstattung“ juristisch durchsetzen. Doch der Vorsitzende Richter der Pressekammer des Stuttgarter Landgerichts machte in der Verhandlung am 25. September deutlich, dass er ihren Argumenten nicht folgen würde. Die Berichterstattung in Kontext sei weder despektierlich noch irgendwie anprangernd formuliert, betonte er.

Nach einer Prozesspause zog Wetterich die Einstweilige Verfügung gegen Kontext schließlich zurück. Dazu dürfte auch die Aussage, eines Ex-Genossen beigetragen haben, der bezeugte, dass Wetterich damals eng mit der maoistischen Parteizelle der KPD /AO an der Stuttgarter Universität verbunden war, was sie zuvor in einer Eidesstattlichen Versicherung bestritten hatte. Wetterich muss nun für die Kosten der Kontext-Anwält*innen aufkommen.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Schrittmacher für den Lokaljournalismus

Im Lokalen schlägt das Herz des Journalismus, hier ist er für die Menschen besonders gut erlebbar.“ So Netzwerk Recherche, das Lokaljournalist*innen mit einem Fellowship Lokale Recherche und einem Support Desk unterstützt, da sie unter wachsendem Druck Demokratie und mediale Glaubwürdigkeit verteidigen müssen.
mehr »

Sorgerechts-Drama bei der ARD

Mit einem zweiteiligen Fernsehfilm zum Thema Sorgerecht will die ARD ein Tabu brechen. Doch das Projekt verzögert sich – und ist bereits vor dem Dreh heftig umstritten. Es ist bereits die zweite Produktion zum Thema.
mehr »

Streamingdienste brauchen Standards

Anlässlich der heutigen Bundestagsanhörung zum Regierungsentwurf zum Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz (MedienInvestVG) und zur Situation der Filmbranche bekräftigt ver.di ihre Forderung zur Nachbesserung des Gesetzes zur stärkeren Berücksichtigung guter Arbeitsbedingungen in Filmproduktionen.
mehr »

Recherchematerial der „Zeit“ beschlagnahmt

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Beschlagnahme von Recherchematerial der Wochenzeitung „Die Zeit“ aufs Schärfste und fordert dessen sofortige Rückgabe. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hatten am Montag auf Beschluss des Landgerichts Hamburg mit der Durchsuchung der Redaktion und der Wohnung einer Autorin gedroht.
mehr »