Medientage München: Own it!

Foto: Medientage München 2026

Die Medientage München 2026 setzten die Debatten des Vorjahres über Künstliche Intelligenz, ihren Einsatz in den Medien sowie eine Regulierung der großen digitalen Plattformen fort – unter dem Motto „Own it!“. Bei der Eröffnung sprach die Philosophie-Professorin Annette Zimmermann über KI und wie sie die Gesellschaft zum einseitigen Vorteil der großen Anbieter verändert.

Die Regulierung der KI dürfe daher nicht den Unternehmen überlassen werden. Diese Diskussion wurde während der Medientage auch auf anderen Podien geführt, auch hinsichtlich der Social-Media-Plattformen.

AI Summit über Plattformregulierung und europäische Lösungen

Beim „AI Summit: Wem gehört die KI?“ hielt Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) einen Impulsvortrag. Er überraschte mit der Forderung nach einer Digitalsteuer oder Plattformabgabe von 10 % – er möchte nicht, dass Medien nur „Zulieferer der Player in Übersee sind“. Es gehe jetzt auch um die Verteilung von Macht und Wohlstand. Eine derartige Steuer wird aber derzeit von Markus Söder blockiert.

In der folgenden Diskussion warnte Jörg Bienert vom Center for Sovereign AI, dass die Open-Source-Nutzung chinesischer KI irgendwann enden werde. Er leitet das Projekt Soofi, in dem Forschungseinrichtungen gemeinsam quellenoffene Modelle trainieren.

Die EU-Parlamentarierin Alexandra Geese (Grüne) kritisierte die Social-Media-Plattformen: Die Reichweite eines Beitrags hänge von der Interaktion ab. Das begünstige solche Beiträge, die Empörung und Wut auslösten: „Fast alle arbeiten nach diesem System – das müssen wir ändern. Menschen müssen über ihre Timeline selbst bestimmen!“ Das würde auch die Medien retten, während im jetzigen System die Desinformation gewinne.

Lutz Mache von Google wies darauf hin, dass ein im Vorjahr heiß diskutiertes Problem mittlerweile gelöst sei: Verlage könnten jetzt ein Opt Out für KI-Ergebnisse wählen, ohne dass es das Google-Ranking beeinflusse. Zudem sei Google immer ansprechbar – es gebe viele Vereinbarungen mit Medienhäusern auf der Basis des Leistungsschutzrechts.

Sinkende Reichweiten mit Personenmarken kompensieren?

Auf dem Podium „Demokratie unter Druck“ sagte WDR-Intendantin Katrin Vernau, es werde schwerer, das Publikum zu erreichen, Mediatheken und Audiotheken der Sender glichen die Verluste im linearen Programm nicht aus: Youtube hat hohe Marktanteile bei kostenlosen Videoangeboten. Doch immerhin steige unter jungen Leuten die Wertschätzung des öffentlichen Rundfunks.

Beim Journalism Summit fragte Marie Exner von Publix: “Wie kritisch sind wir in der Berichterstattung gegenüber Technologien, von denen wir abhängig sind? Wir könnten besser über KI informieren!“ Immerhin sammeln Plattformen unsere Daten – “eine Art Überwachungssystem”.

Auf die Frage, ob Medienhäuser nun Personal Brands für die Reichweite bräuchten, meinte Melanie Amann, Chefredakteurin Digital bei der Funke Mediengruppe, es müsse zur Person passen: „Gibt es Menschen im Team, denen das liegt?“ Aber nicht jeder müsse eine Marke werden. „Was ist mit Introvertierten, die Wissenschaftsjournalismus machen wollen?“

KI-Nutzung in der Medienbranche

Der Status Quo beim KI-Einsatz in deutschen Medienhäusern (siehe auch Report): Sie nutzen im Schnitt fast vier verschiedene KI-Anbieter, dabei machen europäische und chinesische Anbieter einen geringen Anteil aus. Die Herangehensweise beim KI-Einsatz ist derzeit eher improvisiert als strategisch.

Lajla Fetic vom appliedAI Institute for Europe klärt über KI auf und forscht derzeit mit der Bundesagentur für Arbeit. Ihr Appell an die Medienbranche: „Schützen Sie die Einstiegsjobs, verändern Sie sie, um auch in Zukunft handlungsfähig zu sein!“ Der komplexe Einsatz agentischer KI sei eine organisatorische Frage: Wer definiert den ganzen Prozess, wer ist verantwortlich, und welche Fehlerquote ist akzeptabel? Das könnten nur Menschen mit Erfahrung lösen.

Weitere Studien und Analysen auf den Medientagen

Die „Video Trends 2026“ beruhen auf einer repräsentativen Befragung der Medienanstalten. Aus den Ergebnissen: Das Vertrauen der Menschen in Bewegtbild sinkt, 91 Prozent sind für eine Kennzeichnung von KI-Videos, besonders bei Nachrichten und Wissen.

In der Diskussion dazu sagte Sven Pietsch, Chefredakteur bei ProSiebenSat.1, über den redaktionellen Umgang mit KI-Videos, die Veränderung sei unfassbar schnell, also müssten auch Prüftools und Schulungen schnell sein. In seiner Redaktion gehe „nichts raus, was nicht von Menschen geprüft ist“. Man würde intuitiv ein Gefühl entwickeln, worauf man dabei achten muss – „im Zweifel senden wir es nicht“.

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt stellte auf den Medientagen ihre qualitative Studie über Communities vor: „Wie Medienhäuser Netzwerke aufbauen und gestalten“ (siehe Link). Engagement der Redaktionen habe das Vertrauen in die betreffenden Medien gestärkt, fasste Prof. Klaus Meier die Ergebnisse zusammen. In der Diskussionsrunde war Meike Schmid dabei, die seit einem halben Jahr Digitalmanagerin bei der Mainpost ist. Die unterfränkische Lokalzeitung organisierte Veranstaltungen zu Wahlen, auch an kleinen Orten – diese zogen laut Schmid jeweils hunderte Besucher an. Außerdem gibt es ein Kneipenquiz und auch größere Aktionen mit Sponsoren. Solche Formate seien zusätzliche Arbeit, brächten aber auch Feedback für die Redaktion. Schmids Ziel für 2027 sind 50 Veranstaltungen.

Auch die Diskussion über „Radio Weiterdenken. Aber wie?“ präsentierte Beispiele – ein Radioprogramm des Schweizer Medienkonzerns CH Media organisiert gelegentlich kleine Konzerte und nutzt diese wiederum dafür, Inhalte für Social Media zu produzieren.


Links zum Weiterlesen:

Report Status quo: KI in den Medien
https://www.media-lab.de/de/research/status-quo-ki-in-den-medien/

Studie: Community first – Wie Medienhäuser Netzwerke aufbauen und gestalten
https://www.xplr-media.com/xplr-magazin/reports/studie-community-first-wie-medienhaeuser-netzwerke-aufbauen-und-gestalten/

Video Trends 2026
https://faktenimpulse.de/2026/10/22/video-tre

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