Presseförderung mit Journalismus-Check

Wer entscheidet über Presseförderung und mit welchen Qualitätsansprüchen? Bild: Pixabay/Mohamed Hassan

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) unterstützt die Förderung journalistischer Presseangebote. Vorrangig ist dabei die Entwicklung neuer digitaler Angebote. Der Bundesverband der Digitalpublisher (BDZV) verlangte dazu konkrete Zusagen der Bundesregierung sowie bei Gesetzesvorhaben einen „Presse-Check“. Für ver.di ist klar: Wer gefördert wird, muss auch einen Journalismus-Check absolvieren.

„Eine Förderung von journalistischer Arbeit und neuen digitalen Angeboten ist richtig. Aber dann müssen die Verlage auch zeigen, dass sie mehr für den Journalismus tun als derzeit. Wer öffentliches Geld beansprucht, kann nicht gleichzeitig seine Redaktion fortlaufend ausdünnen“, betont Christoph Schmitz-Dethlefsen als für Medien zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand.

Wie schnell der Personalabbau voranschreitet, zeigt sich aktuell bei DuMont in Köln: In den Regionalredaktionen von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau entfallen 57 tarifgebundene Vollzeitstellen. „Der beschleunigte Personalabbau in den Zeitungsredaktionen bereitet uns große Sorge“, so Schmitz-Dethlefsen. „Mit jeder gestrichenen Stelle gehen Erfahrung, Sorgfalt und journalistische Kompetenz verloren.“

Presseförderung muss Journalismus stärken

Leidtragende sind neben den Journalist*innen auch die Leser*innen und die demokratische Gesellschaft. Wo Redaktionen schrumpfen, bleibt weniger Zeit für Recherche, Einordnung und Berichterstattung vor Ort, beispielsweise aus der Kommunalpolitik, in der es um die unmittelbaren Bedürfnisse von Bürger*innen geht. „Presseförderung muss genau den Journalismus stärken, den die Verlage immer weniger bereit sind zu finanzieren. Öffentliches Geld gehört in die Redaktionen. Wir sind bereit, an einer Förderung mitzuarbeiten, die den Journalismus stärkt, den unsere demokratische Gesellschaft dringend braucht. Mit diesem Standpunkt werden wir uns in die Branchendiskussion einbringen“, unterstreicht Christoph Schmitz-Dethlefsen

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Israel vor der Parlamentswahl

Wenn nächste Woche in Israel die Wahllokale öffnen, stimmen rund 7,3 Millionen Wahlberechtige über mehr ab, als nur die Verteilung von 120 Parlamentssitzen. Es ist die erste Wahl nach dem Terrorangriff 2023. Seitdem wurde auch die Pressefreiheit erheblich eingeschränkt.
mehr »

Angriff auf die letzten kritischen Medien

Am Zeitungskiosk in Belgrads Innenstadt scheint mit der großen Auswahl an Magazinen und Zeitungen noch Medienvielfalt zu herrschen. Doch dieser Eindruck täuscht: Die meisten Printprodukte und Fernsehsender stehen Machthaber Aleksandar Vučić nahe. Unabhängiger Journalismus gerät zunehmend unter Druck.
mehr »

Auch Faktenchecker streichen Stellen 

Correctiv ist spätestens seit der Enthüllung zu einem Geheimtreffen von rechtsextremen Akteuren im November 2023 in Potsdam deutschlandweit bekannt. Die Faktenchecker aus Essen und Berlin haben in Folge der Berichterstattung über einen „geheimen Masterplan“, auch „zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“, gegen die es Unterlassungsklagen und Gerichtsurteile gibt, Massenproteste gegen die AfD, Ausgrenzung und Rassismus ausgelöst.
mehr »

ZDF: Mehr Barrierefreiheit dank KI

„Ein ZDF für alle“ – so lautet seit 2022 das Zielbild des öffentlich-rechtlichen Senders. Damit will das ZDF unter anderem auf die veränderte Mediennutzung, die digitale Transformation und eine zunehmend fragmentierte Öffentlichkeit reagieren. Dazu gehört auch, bis 2028 barrierefreie Angebote auszubauen. Dabei will das ZDF nun stärker auf KI setzen.
mehr »