VG-Wort: Die fetten Jahre sind vorbei

Münzen in Gläsern

Anders, als die Graphik interpretierbar wäre: die Erlöse der VG Wort sinken. Foto: Pixabay/Montage M

In diesen Tagen bekommen Urheber*innen wieder Post der VG Wort: die Mitteilungen über die zweite jährliche Ausschüttung, der so genannte Mitteilungsbrief. Für Journalist*innen bedeutet das hauptsächlich die Tantiemen für im Internet veröffentlichte Texte, die sogenannte METIS-Ausschüttung.

Der mit der METIS-Ausschüttung ausgezahlte Betrag liegt im Zeitalter der digitalen Nachrichtenverbreitung für viele mittlerweile über den Tantiemen für die klassische Papierverbreitung, die bereits im Sommer ausgezahlt wurden.

Dennoch bleibt die Ausschüttung 2026, die für die im Kalenderjahr 2025 veröffentlichten Texte fällig wird, hinter den Erwartungen. Die Quoten sind erneut gesunken: In der regulären Ausschüttung gibt es 17,93 Euro pro Text (im Vorjahr noch 19,73 Euro), in der Sonderausschüttung, die 2026 zum letzten Mal fällig wird, sind es 8,50 Euro pro Text im Vergleich zu 9,50 im Vorjahr Die Kappungsgrenze der Sonderausschüttung sinkt von 912 auf 816 Euro. Auch die Quote für Agenturtexte sinkt,  von 4,43  Euro auf 3,09 Euro.

Von den 17,93 Euro in der regulären Ausschüttung wird Journalist*innen dann auch noch die Verlagsbeteiligung – 30 Prozent für frei verfügbare, 33 Prozent für Texte hinter Bezahlschranken – abgezogen, sodass Autor*innen 12,55Euro für Texte ohne Paywall und 11,95 Euro für Texte hinter der Paywall verbleiben. Die ganz fetten Jahre, in denen es pro Text über 40 Euro gab, sind also endgültig vorbei.

METIS-Quoten sinken

Dass die METIS-Quoten seit Jahren sinken, liegt unter anderem daran, dass sie unnatürlich hoch waren. Viele Autor*innen von Online-Texten wussten nichts von der VG-Wort oder wollten sich nicht damit beschäftigen. Seit dem Beginn der 2020er-Jahre melden allerdings immer mehr Autor*nnen immer mehr Texte, sodass der Kuchen in immer mehr Stücke geteilt werden muss.

Dieser Trend ist 2025 zum ersten Mal gebrochen: Zwar stieg die Anzahl der meldenden Autor*innen immer noch leicht, die Anzahl der Texte, die die Anforderungen für die reguläre Ausschüttung – mindestens 1800 Anschläge, mindestens 1500 bestätigte Zugriffe – erfüllen, ist jedoch leicht rückläufig.

Die Einnahmen der VG Wort sind ebenfalls leicht gesunken und die Rückstellungen, die in den vergangenen drei Jahren ausgezahlt wurden, sind aufgebraucht. Um im Bild zu bleiben: Zwar müssen weniger Stücke aus dem Kuchen geschnitten werden, aber der Kuchen ist nun kleiner.

Die Rückstellungen, die zuletzt zur Auszahlung kamen, hatte die VG Wort in der Zeit gebildet, als die Beteiligung der Verlage an den Urhebertantiemen strittig war. Über Jahre wurden  Verlage nicht beteiligt. Vorsichtshalber legte die VG Wort Geld beiseite, um eventuelle Nachforderungen der Verlage bedienen zu können, ohne in finanzielle Schieflage zu geraten. Diese Rücklagen waren so vorsichtig berechnet, dass sie den tatsächlichen Betrag, der an die Verlage ausgezahlt werden musste, überstiegen. Die Überschüsse wurden an die Wahrnehmungsberechtigten verteilt, 2025 zum letzten Mal.

Neue Einnahmequellen für die VG-Wort

Da sich die Verbreitung und Nutzung von Inhalten stetig ändert, müssen auch die Vewertungsgesellschaften ihre Einnahmemodelle ständig anpassen und verhandeln darüber auch. Naturgemäß hinken diese Prozesse der technischen Entwicklung immer etwas hinterher. In den nächsten Jahren ist mit Erlösen aus neuen Einnahmequellen der VG Wort zu rechnen. Für Urheber*innen ist zu wünschen, dass diese die Verluste aus den alten Quellen übersteigen.

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