ZDF: Mehr Barrierefreiheit dank KI

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„Ein ZDF für alle“ – so lautet seit 2022 das Zielbild des öffentlich-rechtlichen Senders. Damit will das ZDF unter anderem auf die veränderte Mediennutzung, die digitale Transformation und eine zunehmend fragmentierte Öffentlichkeit reagieren. Dazu gehört auch, bis 2028 barrierefreie Angebote auszubauen. Dabei will das ZDF nun stärker auf KI setzen.

So steht es im „Entwicklungsplan für die Barrierefreiheit“, den das ZDF kurz „Access 2028“ nennt. Ende September wurde das Strategiepapier, das der Redaktion vorliegt, im ZDF-Fernsehrat beraten und positiv aufgenommen. Ziel des ZDF ist demnach „ein Medienangebot, das für möglichst viele Menschen zugänglich, auffindbar und nutzbar ist – im Fernsehen, im Streaming-Portal, auf Social Media und externen Plattformen“.

Untertitel macht die KI

KI will das ZDF insbesondere bei der Untertitelung von Sendungen einsetzen. Außerdem geht es um Audiodeskriptionen sowie Angebote in Einfacher Sprache und Deutscher Gebärdensprache. Bei der Untertitelung ist der KI-Einsatz am weitesten fortgeschritten. Vorgesehen ist, zunächst die im Streaming-Portal des ZDF bislang nicht untertitelten Formate entsprechend zu bearbeiten. Danach sollen neue Inhalte „unmittelbar im Veröffentlichungsprozess“ KI-gestützt untertitelt werden. Eine vollständige Abdeckung bei neuen Streaming-Inhalten wird im zweiten Halbjahr 2026 angestrebt.

Für 2027 will das ZDF die Untertitelung von Event-Livestreams weiterentwickeln, unter anderem von ZDFheute live und von Sport-Events. Ziel sei es, bis Ende 2027 bei Sport-Großereignissen mehrere parallele Livestreams durch KI mit Text zu versehen. Im vergangenen Sommer habe es bei den „Finals 2026“, der gemeinsamen Austragung von Deutschen Meisterschaften in 24 Sportarten, bereits einen Test gegeben: Täglich sei ein Event live mit KI untertitelt worden. Sobald die entsprechende Technik „in deutscher Sprache stabil und zufriedenstellend“ laufe, werde geprüft, ob es auch Untertitel in anderen Sprachen geben könne, erklärte das ZDF auf Nachfrage.

Audiodeskription will die Fernsehanstalt „gezielt bei starken Marken, geeigneten Genres und relevanten Ereignissen“ ausbauen. Hörbeschreibungen wird es etwa bei neuen Fiktion-Inhalten zusätzlich geben, aber auch bei Dokumentationen gehören sie dazu. Derzeit würden die wöchentlichen ZDF-Formate „Terra X“ und „einfach Mensch“ mit KI-optimierten Stimmen angeboten, was die Produktion der Audiodeskription deutlich beschleunige, heißt es im Strategiepapier: „Aufgrund der hohen Qualität der Stimmprofile ist die Akzeptanz dieses Angebots sehr groß.“ Bis 2028 sollen Audiodeskriptionen „im Doku-Bereich mit Hilfe von KI Voices hergestellt werden“.

Doch die Texte für die Hörbeschreibungen würden „weiterhin überwiegend von Menschen erstellt“, erklärt das ZDF: „KI kommt derzeit lediglich stellenweise bei der Vertonung zum Einsatz.“ Hörtexte zu schreiben, sei sehr komplex, wird im Strategiepapier vermerkt. Nötig dafür seien etwa „die redaktionelle Auswahl, Gewichtung und Komposition derjenigen Bildinformationen, die für das Verständnis wesentlich sind“. Die derzeit verfügbaren Sprachmodelle könnten dies noch nicht umsetzen.

Tools für Einfache Sprache

Daran, Textnachrichten im Netz auf ZDFheute in Einfache Sprache umzuwandeln, arbeitet laut dem Sender die Tochterfirma ZDF Sparks. Seit Anfang 2026 werde ein Tool für Einfache Sprache erprobt. Ziel sei, dass Nutzende einen bereits veröffentlichten Nachrichtentext auf Knopfdruck selbst in eine vereinfachte Fassung umwandeln lassen könnten. Wann diese Funktion verfügbar sein werde, lasse sich noch nicht sagen, erklärt das ZDF auf Nachfrage.

Der KI-Einsatz bei der Deutschen Gebärdensprache (DGS) ist am kompliziertesten. Denn ein DGS-Avatar, „den die Gehörlosen-Communities verstehen und akzeptieren, ist eine anspruchsvolle Entwicklungsaufgabe“, heißt es im ZDF-Strategiepapier. Für komplexe Inhalte aus Nachrichten oder Dokumentationen seien die bisherigen KI-Sprachmodelle nicht geeignet. Das liege auch daran, dass sie das Zusammenspiel von Gestik, Mimik und sprachlicher Struktur der DGS nicht entsprechend abbilden könnten.

Das ZDF will zunächst prüfen, ob sich ein tragfähiges DGS-Sprachmodell konzipieren lässt. Anschließend ginge es darum, einen DGS-Avatar zu entwickeln, unterstützt von der Wissenschaft und der Gehörlosen-Community. Ein Prototyp könnte dem ZDF-Strategiepapier zufolge dann im Zeitraum 2027 bis 2030 entstehen. Unabhängig von der KI-Entwicklung bei der DGS will das ZDF diesen Bereich ausbauen: Ab 2027 gebe es das Talkformat „Markus Lanz“ sowie die beiden Serien „Der Bergdoktor“ und „Die Bergretter“ auch in einer DGS-Fassung.

Qualitätssicherung und Verantwortung

Der steigende KI-Einsatz beim Ausbau der barrierefreien Angebote stellt das ZDF vor die Frage, wie Qualitätssicherung und Verantwortlichkeiten hier geregelt werden. Die publizistische Verantwortung bleibe beim Menschen, sagt das ZDF. Die Regeln für Qualität und Kontrolle würden „für neue Anwendungen jeweils gesondert bewertet und festgelegt“. Im Strategiepapier steht dazu: „Nicht jede einzelne KI-Ausgabe wird vor der Veröffentlichung überprüft. Stattdessen überwachen Mitarbeitende die Qualität des Gesamtsystems, kontrollieren Auffälligkeiten und greifen bei Bedarf korrigierend ein.“ Barrierefreie Angebote, die KI-gestützt sind, kennzeichnet das ZDF nach eigenen Angaben „grundsätzlich transparent und an geeigneter Stelle“.

Bei der Barrierefreiheit bescheinigt ZDF-Fernsehratsmitglied Michael Jörg dem Sender eine breite Aufstellung. Vor allem Untertitelung und Audiodeskription hob er im Newsletter des Fernsehrats vor der jüngsten Sitzung positiv hervor. Jörg, der im Alter von 35 Jahren erblindet ist und im Gremium den Bereich „Inklusive Gesellschaft“ vertritt, sieht allerdings noch Entwicklungspotenzial bei Angeboten in Leichter Sprache. Auch bei der Live-Gebärdensprache solle das ZDF mehr experimentieren.

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