Drei Fragen: Zu news aktuell

Foto: Christoph Boeckheler

Seit gestern streiken die Mitarbeitenden der dpa-Tochter news aktuell in Hamburg. Sie fordern einen eigenen Tarifvertrag analog zur Muttergesellschaft. Die Geschäftsführung lehnte Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bisher allerdings ab. Wir sprachen darüber mit Simon Schmitz von der ver.di-Tarifkommission.

Warum hat die dpa einen Tarifvertrag und news aktuell nicht?

Die dpa wurde 1949 gegründet und meines Wissens nach gibt es dort seit den 50er-Jahren einen Tarifvertrag. Das ist also historisch gewachsen und bislang hat der Arbeitgeber auch keine Anstalten gemacht, mit dieser Tradition zu brechen. Wobei es auch dort bei den Verhandlungen in diesem Jahr zum ersten Warnstreik überhaupt kam.

news aktuell ist auf der anderen Seite ein vergleichsweise junges Unternehmen (gegründet 1989) und erst seit 1994, nach dem Zukauf Bestandteil des dpa-Konzerns. Bis vor wenigen Jahren agierte news aktuell auch relativ eigenständig im Konzern. Es entstand eine Art “Start-Up-Kultur”, in der seitens der Geschäftsleitung in Form von großzügigen freiwilligen Gehaltserhöhungen und weiteren Benefits viel für die Mitarbeitenden getan wurde und eine große Zufriedenheit herrschte.

Seit ca. 3 Jahren findet unter einer neuen Geschäftsführung eine schrittweise Annäherung und Verzahnung innerhalb des Konzerns statt und auch die freiwilligen Gehaltserhöhungen fielen sehr dünn aus. Nun fragen sich immer mehr Kolleg*innen, wieso sie von dem hohen Gewinn, den sie für news aktuell erwirtschaften, so wenig abbekommen. Und das wollen wir ändern!

Welche Rolle spielt news aktuell in der Konzernstruktur?

news aktuell ist die Cash-Cow der Unternehmensgruppe. Mit dem reinen Großhandel von Nachrichten verdient man heute nicht mehr genug Geld, um das Kerngeschäft zu refinanzieren. Dafür gibt es eine Reihe von Tochtergesellschaften im dpa-Konzern, von denen wir die umsatzstärkste und mit Abstand profitabelste Tochter sind. Das ist ja per se auch erstmal kein Problem. Viele von uns sind stolz, mit unserer Arbeit den für die Demokratie wichtigen, qualitativ hochwertigen Journalismus der Kolleg*innen bei dpa mitzufinanzieren.

Was allerdings nicht geht: Dass wir vom größer werdenden Kuchen, den wir erwirtschaften, anteilig immer weniger abbekommen. news aktuell macht knapp 11 Millionen Euro Gewinn im Jahr, der an die dpa abgeführt wird. Wie man als Geschäftsführung von news aktuell basierend darauf zur Aussage kommen kann, man könne sich einen Tarifvertrag “nicht leisten”, erschließt sich uns Beschäftigten einfach nicht.

Die GF lehnt Tarifverhandlungen bislang ab. Ändert sich das nun?

Das hoffen wir alle inständig. Wir gehen aber davon aus, dass wir noch einen langen Atem brauchen, da nach den ersten beiden Warnstreiks im September seitens der Geschäftsführung Tarifverhandlungen explizit erneut abgelehnt wurden. 

Mut machen uns allerdings die vielen Neueintritte in die Gewerkschaft über die letzten Wochen. Wir werden von Woche zu Woche mehr und damit natürlich auch immer schlagkräftiger. Und wir sind fest überzeugt: Wenn wir weiterhin solidarisch zusammenstehen, schaffen wir auch einen Tarifabschluss!

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