Effekthascherei auf neuestem technischen Stand

Wachsender Bedarf an optischer Illusion

Film und Fernsehen leben von Tricks und Effekten. Die besten „Special Effects“ sind und bleiben die, die Zuschauer vor ein Rätsel stellen oder völlig unbemerkt ablaufen. Seit Einführung der Computeranimation, verbunden mit der vollständigen Digitalisierung des Trägermediums Film, wachsen Bedarf und Umfang an perfekter optischer Illusion mittels spezieller Effekte.

Im vorliegenden Band – Nummer 10 in der Reihe Produktionspraxis im Bleicher-Verlag – geht es um Effekte als integrale Bestandteile einer Filmproduktion, um die Frage, wie Effekte kalkuliert, geplant und in den Produktionsprozess eingeordnet werden sollten. Deshalb sind auch nicht die eigentlichen „Effektezauberer“, sondern Produzenten, Produktions- oder Aufnahmeleiter oder Redakteure die Zielgruppe, an die sich das Heft wendet.

Für sie wurde mit der vorliegenden Publikation erstmals im deutschsprachigen Raum eine zusammenfassende Darstellung von Effekten im Kontext einer Gesamtproduktion geliefert. Freilich wird zunächst eine Definition von Spezialeffekten vorgenommen, wird die fachliche Seite der Produktion von Spezial- und digitalen Effekten einführend erläutert. Wem das zu „techniklastig“, zu einseitig oder zu wenig an praktischen Beispielen verdeutlicht erscheint, der sollte dennoch weiterblättern:

Die eigentliche Perle der Darstellung folgt im Kapitel: Planung und Kalkulation von visuellen Spezialeffekten. „Das Wissen um das, was wirklich machbar und gerade im Hinblick auf deutsche Film- und TV-Produktionsbudgets auch bezahlbar ist, hält sich… (bislang) in Grenzen“, stellen die Autoren fest und gehen mit Energie und Fachkunde daran, Abhilfe zu schaffen.

Thomas Mulack, der als Visual Effects Producer in Potsdam-Babelsberg tätig ist, bricht eine Lanze für den Visual Effects Supervisor, einen hierzulande noch seltenen Spezialisten, der eine Produktion über die gesamte Zeit begleiten und aus Sicht der Effekte betreuen sollte. Seine Funktion beginnt bei der Durchsicht des Drehbuchs und dem Aufspüren nötiger Effekteinstellungen – unterschieden nach sichtbaren und unsichtbaren Effekten. Der Supervisor übernimmt auch eine wichtige Funktion beim Storyboarden sowie bei der Entscheidung, wann klassische oder digitale Effekte zum Einsatz kommen bzw. welche Einstellungen bei welcher Spezialfirma in Auftrag gegeben werden sollten. Diese Planung schließt das Effektdesign ein. Die genannten Teilschritte werden an Fallbeispielen erläutert. Die Beschreibungen gipfeln in beispielhaften Visual Effect Breakdown, einer Art Tabelle, die alle wichtigen Informationen für jede nötige Einstellung auflistet. Auf dieser Basis kann präzise kalkuliert werden.

Die Kalkulation von Effekteinstellungen als Bestandteil der Budgetierung kommt an dem magischen Dreieck schnell – gut – billig nicht vorbei. Auch hier, wie bei den Effektdreharbeiten, bewährt sich der Supervisor. Worauf man beim Effektdreh besonders zu achten hat, wie sich solche Dreharbeiten untergliedern und welch unterschiedliche technische Voraussetzungen dafür nötig sind, wird auch dem verständlich gemacht, der vielleicht nur als Auftraggeber damit in Berührung kommt.

Der „Ausblick“ allerdings dürfte die wenigsten Leser befriedigen. Statt etwa Überlegungen anzustellen, wie sich die Ökonomie der Effektproduktion weiter entwickeln müsste, welche Ausbildungsanforderungen das Berufsbild des Special Effect Supervisors stellt oder welche Wünsche die Praxis momentan sonst noch offen ließe, werden eher abgehobene Sentenzen über die „Traummaschine“ Film geliefert. Entschädigt wird der Leser allerdings durch den informativen Anhang, der von Effektanbietern über Visual-Effects-Fachkräfte bis zu Studiengängen und Messen vieles auflistet, was für Praktiker wichtig sein kann.


Thomas Mulack/ Rolf Giesen:
Special Visual Effects: Planung und Produktion
Bleicher-Verlag Gerlingen 2002,
144 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 3-88350-911-6

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