Filmtipp: Iván und Hadoum

Ivan&Hadoum

Iván und Hadoum verlieben sich ineinander. Nicht Identitäten stehen ihnen im Weg, sondern die Entscheidung zwischen Arbeitskampf und Aufstiegswille. Das bewegende Liebesdrama erzählt von einem Trans-Mann und einer Saisonarbeiterin in Spanien.

Hier werden Kisten mit dem Gemüse gepackt, das in den schier endlosen Gewächshäusern in Südspanien wächst. Zwischen Fließband und Gabelstapler scheint nicht der Ort für eine „Workplace Romance“ und doch verbindet dieses Trope für den Film passend die Liebe mit dem Arbeitskampf. Iván (Silver Chicón) fällt Madoum (Herminia Loh) schon an ihrem allerersten Arbeitstag auf, als sie sich verletzt, aber die unausgesprochene Erwartung des Firmenchefs sie daran hindert ins Krankenhaus zu gehen.

Ian de la Rosa erzählt diese Liebesgeschichte zart und verspielt und voller Leichtigkeit. Er zeigt die Schönheit von ganz alltäglichen Menschen. Quasi ein: Es ist, was es ist. Weder Iváns trans Identität noch Madoums Migrationsgeschichte stehen dieser Liebe im Weg, selbst, wenn das von Außen hin und wieder befürchtet wird. Bei de la Rosa, der wie Hauptdarsteller Chicón selbst trans ist, wird beides ganz selbstverständlich Teil der Normalität. Zur Berlinale 2026 erhielt „Iván & Hadoum“ den Teddy Award.

Die Identitäten verstärken den Grundkonflikt zwischen Arbeitskampf und Aufstiegswille und der Frage, was der Kampf für ein besseres Leben eigentlich bedeutet. Zwischen Iván und Hadoum herrscht von Anfang an ein feiner Klassenunterschied. Iváns Vater gehörte früher selbst eine Gewächshausanlage, verlor sie aber infolge der Krise 2008. Iván möchte nun im Betrieb des früheren Geschäftspartners aufsteigen, um seiner Mutter und seiner alleinerziehenden Schwester endlich eine größere Wohnung ermöglichen zu können. Als Mann im Haus fühlt er sich dazu besonders verpflichtet, besonders, weil seine Familie die Kosten seiner Transition getragen hat.

Der Druck in der Verpackung lastet eher subtil auf den Arbeiter*innen, die Bezahlung ist schlecht, der Toilettengang reglementiert. Und als Iván den Posten als Schichtleiters auf Probe übernimmt, oder „den kleinen Chef spielt“, wie ihm Madoum vorhält, muss er genau jenen Druck weitergeben. Während Madoum zu Beginn noch fatalistisch feststellt: „Ausgebeutet wirst du eh überall“, beginnt sie sich mit den anderen Arbeiterinnen zu organisieren. Und der Chef erhöht den Druck auf Iván, diese Bestrebungen zu torpedieren und sich zu entscheiden, wem seine Solidarität gilt.

Das große Ganze passiert gleichwohl drum herum, oder wie eine von Hadoums Kolleginnen sagt: „Europa muss endlich mal merken, woher der Salat kommt.“ Der Fokus auf die Liebesgeschichte, die schönen Bilder am Strand, ja selbst im Gewächshaus, machen „Iván und Hadoum“ nicht kleiner, sondern zeigen, dass auch die Liebe politisch ist. Und diese Liebe gönnt man beiden von Herzen.


„Iván & Hadoum“. E/D/B 2026. Regie: Ian de la Rosa. Mit Silver Chicón, Herminia Loh. Kinostart: 5. November 2026

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