Tschüss Papier, hallo Pixel

Eingang des ND

Foto: Andreas Domma

Ab heute ist die überregionale Tageszeitung nd-Der Tag, nach 80 Jahren, nur noch online zu lesen. Die gedruckte Wochenendausgabe bleibt bestehen. Seit dem 1. Januar 2022 hat die Zeitung die Rechtsform einer Genossenschaft.

Der Schritt war lange angekündigt. Ab 1. April wird die Tageszeitung nd-Der Tag nur noch digital über eine App zu lesen sein. Uwe Sattler vom Vorstand der nd.Genossenschaft benannte in der letzten Printausgabe noch einmal die ökonomischen Zwänge, die  den Schritt ins Digitale unausweichlich machten. „Es sind die gestiegenen Kosten für Papier und Druck und insbesondere die Zustellung Ihres »nd«. In einigen Regionen sind jährliche Preissteigerungen für die Zeitungsbelieferung von 30 Prozent eher die Regel als die Ausnahme“, rechnet Sattler vor. Er erinnert an die Probleme bei der Zustellung, die in den letzten Jahren  massiv zugenommen haben, auch weil Zusteller*innen fehlen.

Schließlich bezogen vor allem die Abonnent*innen noch die Printausgabe von nd.der Tag. Im Zeitschriftenhandel und an Bahnhofkiosken gab es schon seit mehreren Monaten nur noch nd.Die Woche zu kaufen. Die umfangreiche Wochenausgabe bleibt auch weiterhin als Printmedium erhalten und soll sogar noch  ausgebaut werden. Damit  geht das nd den Weg der Tageszeitung taz, die die Digitalisierung ihrer Wochentagsausgaben über Jahre vorbereitet und am  20. Oktober 2025 vollzog. Seitdem kann die Taz von Montag bis Freitag nur noch digital gelesen werden. Am Samstag gibt es die Wochenausgabe sowohl als Printausgabe als auch digital. Dieses Modell wird jetzt vom nd nachvollzogen, nur mit dem Unterschied, dass die ND-Wochenausgabe schon am Freitag erscheint.

Unterstützung bei der Wende

Bei den Leser*innen von  Taz  und ND gab es beträchtliche Vorbehalte gegen den Wechsel vom Papier zum Pixel.  Ein besonderes Problem beim nd liegt im Alter mancher Leser*innen, die digitale Medien kaum nutzen. In einem achtseitigen „Handbuch zur digitalen Zeitung“ wurden sie mit übersichtlichen Zeichnungen und Erklärtexten ohne Fachbegriffe an das digitale Lesen herangeführt.

Mit Gyula Koscis hat die nd.Genossenschaft einen Kollegen eingestellt, der die Leser*innen in die digitale Welt lotst. Neben  telefonischen und digitalen Beratungen sind auch wöchentliche Termine im Lesecafé Babett im FMP1, dem ehemaligen ND-Gebäude am Franz Mehring Platz hinter dem Berliner Ostbahnhof geplant. Dort können Probleme  bei der Nutzung mit der App besprochen und geklärt werde „Wir wollen das, dass so viele Leser*innen wie möglich diesen Schritt gemeinsam gehen und wir wollen niemanden im Stich lassen“, sagt Koscis.

Doch die große Hoffnung ist die Gewinnung von jüngeren Abonnent*innen, für die das digitale Lesen selbstverständlich ist. Schon vor 10 Jahren legte das Nd mit der kecken Parole „Ich bin 70 und fühle mich wie 20“ dafür die Grundlage. Zum 80ten Jahrestag hat sich die Zeitung  vom Ruch des ehemaligen Zentralorgans der SED endgültig verabschiedet und  sich einen Ruf als  linkspluralistisches  Medium geschaffen. Nun muss sich zeigen, ob es genügend  Leser*innen und Abonnent*innen findet

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