Die Programmstruktur des Deutschlandfunks soll sich ab Dezember 2027 tiefgreifend verändern. Dagegen regt sich Widerstand. Der Verein „Informationsqualität“ klagt nun dagegen. Man kann nur hoffen, dass das Verwaltungsgericht Köln im Sinne der Kläger eine einstweilige Verfügung erlässt und damit die für den 30. November angekündigte Programmrefom des Deutschlandfunks stoppt.
Denn alle Gegenargumente haben bisher nichts bewirkt: nicht die der festen und freien Mitarbeitenden des Senders, nicht die von Mitgliedern des zuständigen Hörfunkrats, von Medienjournalist*innen, zahlreichen Organisationen oder mehr als 7.500 Hörerinnen und Hörern, die inzwischen eine Petition gegen die Reform unterzeichnet haben.
Die Geschäftsführung des Deutschlandfunks hat sich eingemauert. Sie will ihre Reformpläne unter Ausschluss des betroffenen Publikums durchdrücken. Das kann sich heute keine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mehr leisten, zumal – und darauf verweisen die Kläger zurecht – der Medienstaatsvertrag vor grundlegenden Programmveränderungen einen „kontinuierlichen und zielgruppengerechten Dialog mit der Bevölkerung“ verlangt.
Wer wollte bestreiten, dass der Wegfall von sieben etablierten Fachsendungen eine gravierende Veränderung ist? Betroffen sind unter anderen „Europa heute“, „Umwelt und Verbraucher“, Büchermarkt“, „Forschung aktuell“ und alle täglichen Wirtschaftssendungen.
Dialog verweigert
Doch der geforderte Dialog findet nicht statt. Er wird verweigert. Bis heute hat niemand aus der Geschäftsführung die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Initiator oder den Unterzeichnern der Petition gesucht. Es herrscht Funkstille! Dabei soll die Reform angeblich die Partizipation des Publikums stärken. Wie wäre es, sich zunächst mit jenen auseinanderzusetzen, die sich in Tausenden klugen Kommentaren für ihren DLF stark gemacht haben?
Aus diesen Kommentaren spricht die Sorge, dass die Reform den Hörerinnen und Hörern das nimmt, was sie am Deutschlandfunk schätzen und sonst nirgends finden: Täglich zu festen Zeiten informieren Fachjournalist*innen über Religion, Wissenschaft, Bildungspolitik und vieles mehr – vielfältig, präzise und objektiv. Sie wählen die Themen selbst aus und präsentieren sie selbst. Das ist ein Gegengewicht zum Häppchenjournalismus einer immer oberflächlicheren, durchmagazinierten Medienwelt.
Das Prinzip „Fachredakteur*in am Mikrofon“ ist einzigartig. Es schafft nicht nur Akzeptanz beim Publikum, sondern auch Identifikation mit dem eigenen Produkt und hohe Arbeitszufriedenheit. Schließlich haben die meisten Hörfunkjournalist*innen ihren Beruf ergriffen, weil sie gehört werden wollen.
Mit ihren hochwertigen Angeboten erreichen sie täglich 2,5 Millionen Menschen und belegen damit Platz sechs unter den meistgehörten Radioprogrammen Deutschlands.
Die Geschäftsleitung will mit der Programmreform die Zukunft des Senders sichern: Das Publikum müsse jünger, das Angebot digitaler werden. Dass lineares und digitales Angebot des DLF besser verzahnt werden müssen, bezweifelt niemand. Aber ob die „Verpodcastung“ des Programms auf Kosten erfolgreicher linearer Sendestrecken wirklich jüngere Hörerinnen und Hörer bringt, ist fraglich. Ebenso fraglich ist die These, Unter-40jährige seien künftig nur noch digital erreichbar.
Das lineare Radio wurde schon oft vorschnell totgesagt. Aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen, ist sicher keine gute Strategie.
Der Autor ist ehemaliger Personalratsvorsitzender, Redakteur, Moderator und Korrespondent im Deutschlandradio

