Alles von Relevanz statt Kessel Buntes

Radiomensch mit Kopfhörer

Was bringt die geplante Reform des Deutschlandfunks?Foto: 123rf/M

Das Programmschema des Radiosenders Deutschlandfunk (DLF) soll zum 30. November 2026 grundlegend reformiert werden. Die Fachmagazine zu Religion, Europa, Umwelt, Literatur, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Medien sollen wegfallen. Eine Petition wendet sich gegen die geplante Programmreform des Deutschlandfunk. Auch freie Mitarbeiter*innen üben Kritik.

Schon zum 30. November 2026 soll das Deutschlandfunk-Programmschema grundlegend umgestellt werden. Die halbstündigen Sendungen zu Religion, Europa, Umwelt, Literatur, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Medien sollen dann wegfallen und stattdessen die Mitmachsendungen verlängert werden. Täglich sollen drei halbstündige „Hintergründe“ im Podcast-Stil einer monothematischen Leitfrage nachgehen. Ebenfalls sollen Sendungen, bei denen Hörer*innen anrufen können, auf zwei Stunden verlängern werden. Unter dem Titel „Drive Time“ soll künftig eine 90-minütige Sendung im DLF gezielt für Menschen angeboten werden, die um diese Zeit von der Arbeit nach Hause fahren.

Die angekündigten Pläne finden jedoch nicht bei allen DLF-Hörer*innen Zustimmung. Eine Petition unter dem Titel „Die Programmreform des Deutschlandfunk stoppen“ haben bisher fast 7000 Personen unterzeichnet. Initiiert hat die Petition Michael G. Gromotka. Der promovierte Kunsthistoriker und Lehrer für Kunst und Geschichte ist langjähriger DLF-Hörer: „Den Deutschlandfunk habe ich mit der Wiedervereinigung entdeckt. Da war ich um die elf Jahre alt. Seitdem begleitet er mich durch den Tag“, begründet Gromotka sein Engagement für den Erhalt der bisherigen Programmstruktur des DLF. In der an den Intendanten Stefan Raue gerichteten Petition wird nicht nur der Verzicht auf die Reform der Programmstruktur gefordert. Die Fachsendungen sollen beibehalten werden – nach dem Motto „Alles von Relevanz statt Ein Kessel Buntes“, heißt es in der Petition. Dort wird kritisiert, dass das Programm des DLF als letzter Informationssender durch die geplanten Änderungen verwässert werde. Es drohe ein „Mainstream-Sender“ mit Beiträgen, wie sie bereits auf anderen Frequenzen zu hören seien.

Freie befürchten Verluste

Zudem solle die inhaltliche Qualität der Sendungen durch Beibehaltung der Fachredaktionen und der ihnen zuarbeitenden Freien Mitarbeiter*innen garantiert werden. Tatsächlich führt die Ankündigung der Programmreform zu Unruhe bei vielen freien Mitarbeiter*innen des DLF. Obwohl die Programmdirektion betont, dass das Honorarvolumen nicht sinken solle, fürchten sie, dass ihnen ihr Geschäftsmodell genommen wird und sie ihre Fachexpertise nicht mehr einbringen können. Diese Perspektive der Beschäftigten kommt auch bei der Petition zu kurz.

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