Raue-Reform im Deutschlandfunk

Foto: Deutschlandradio / Simon Detel

Die Programmstruktur des Deutschlandfunks soll sich ab Dezember 2027 tiefgreifend verändern. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert angesichts der heute vom Deutschlandfunk vorgestellten Programmreform eine Beschäftigungsperspektive für freie Mitarbeiter*innen.

Beim Deutschlandfunk entfallen sämtliche Fachmagazine. Sie werden von längeren, themenübergreifenden Strecken sowie monothematischen Hintergrundsendungen abgelöst. Den Dialogsendungen wird dagegen als Reaktion auf die Vorgaben aus dem siebten Medienänderungsstaatsvertrag weitaus mehr Zeit eingeräumt.

Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, kommentiert die Pläne der Senderleitung: „Das Langzeithoch des Deutschlandfunks mit seiner sehr guten Quote spricht für sich. Die geplante Programmreform wird ein tiefgreifender Einschnitt – für die Hörerinnen und Hörer sowie die Belegschaft. Optimistisch stimmt der Plan, in den Informationsstrecken mehr Platz für Fachthemen einzuplanen. Vorbildlich ist auch das Vorhaben, qualifizierte Partizipation des Publikums zu stärken und digitale Ausspielwege im linearen Programm mitzudenken. Dass jedoch Interviews und exklusive Beiträge um zwei Drittel reduziert werden und Wirtschaftsthemen, Umwelt und Kultur im Programm weniger vorkommen, sind keine guten Aussichten.“

Vielfalt im Deutschlandfunk beibehalten

Insbesondere auch angesichts des fortschreitenden Abbaus der ARD-Radiowellen steige der Bedarf am einzigartigen Informationsprofil des Deutschlandfunks in der Gesellschaft weiter an. „Ziel der Senderstrategie muss sein, bei aller Veränderung die thematische Breite und fachliche Tiefe des Angebots zu erhalten. Das geht nur gemeinsam mit den Beschäftigten.“

Die Senderleitung des Deutschlandradios hatte die Reform unter anderem damit begründet, Kapazitäten aus dem linearen Programm in digitale Produkte umschichten zu wollen. Schmitz-Dethlefsen sagt  : „Es ist richtig, sich digital stärker aufzustellen. Junge Zielgruppen zu erreichen, ist die zentrale Voraussetzung, um den Sender in die Zukunft zu tragen.“

Eine Digitalstrategie habe der Deutschlandfunk dafür bislang allerdings nicht bekannt gegeben – was für Unklarheit über die künftige Auftragslage unter den Freien sorge. „Gut die Hälfte der Beschäftigten im Deutschlandfunk sind freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit der Programmreform ohne Digitalstrategie droht eine Auftragslücke. Die Senderleitung muss Flagge zeigen und den freien Journalistinnen und Journalisten eine klare Beschäftigungsperspektive eröffnen“, fordert der Gewerkschafter.

Weiterbeschäftigung für Freie

Die Weiterbeschäftigung der vielfach langjährig ausschließlich für den Deutschlandfunk frei tätigen Fachleute hänge direkt mit der Programmqualität zusammen. Schmitz-Dethlefsen: „Um einem Verlust an inhaltlicher Tiefe im Programm vorzubeugen, kommt es auf die kontinuierliche Mitarbeit der freien Journalistinnen und Journalisten an. Weiterbildungsangebote für veränderte Einsatzmöglichkeiten sowie Übergangsregelungen, die freien Mitarbeitenden Einkünfte auf gleichbleibendem Niveau garantieren, sind nötig, um diese Expertinnen und Experten im Sender zu halten und ihr Abwandern zu anderen Auftraggebern oder in andere Branchen zu verhindern.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Der WDR halbiert sich selbst

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat heute weitreichende Pläne zur Verknappung des Programmangebots, Stellenstreichungen und Beschäftigungsabbau für freie Mitarbeiter*innen bekanntgegeben. Dies betrifft zunächst 76 noch nicht genannte Programmangebote und bis 2030 eine Halbierung der bisher 600 Programmformate. ver.di kritisiert die massiven Einschnitte.
mehr »

VG-Wort: Die fetten Jahre sind vorbei

In diesen Tagen bekommen Urheber*innen wieder Post der VG Wort: die Mitteilungen über die zweite jährliche Ausschüttung, der so genannte Mitteilungsbrief. Für Journalist*innen bedeutet das hauptsächlich die Tantiemen für im Internet veröffentlichte Texte, die sogenannte METIS-Ausschüttung.
mehr »

Drei Fragen: Zu news aktuell

Seit gestern streiken die Mitarbeitenden der dpa-Tochter news aktuell in Hamburg. Sie fordern einen eigenen Tarifvertrag analog zur Muttergesellschaft. Die Geschäftsführung lehnte Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bisher allerdings ab. Wir sprachen darüber mit Simon Schmitz von der ver.di-Tarifkommission.
mehr »

Gericht kassiert unfaire Klauseln

Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) haben in erster Instanz gegen die Süddeutsche Zeitung GmbH. Das Landgericht München untersagte hat Süddeutschen Zeitung GmbH, mehrere Klauseln aus ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen für freie Journalist*innen zu verwenden.
mehr »