RSF: Exilmedien als Quelle

RSF-Bilanz: Die Ukraine wurde nach dem russischen Angriff zum zweitgefährlichsten Land für Medienschaffende.
Foto: Reuters/Carlos Barria

Sie decken Korruption und Unterdrückung auf, wo ausländische Korrespondent*innen keinen Zugang haben: Exilmedien sorgen dafür, dass zuverlässige Informationen aus geschlossenen Diktaturen weiterhin verfügbar bleiben. In Kooperation mit dem JX Fund stellt Reporter ohne Grenzen (RSF) dar, wie wichtig Exiljournalist*innen in der internationalen Berichterstattung sind.

„Exiljournalismus macht sichtbar, was Macht, Gewalt und Zensur verdecken, von Desinformation und Kriegsverbrechen bis zu Umweltzerstörung und Ausbeutung“ erklärt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus anlässlich der Veröffentlichung, die zuerst auf Englisch bei JX Fund erschien. Er sorge für „Zugang zu freier Information und bleibt Voraussetzung demokratischer Mündigkeit und Verantwortung, in Diktaturen wie in Demokratien, über Grenzen hinweg“.

Ohne die Recherchen von Exiljournalist*innen wüsste die Öffentlichkeit heute kaum etwas über russische Propagandanetzwerke, Umweltkatastrophen in asiatischen Metropolen, oder auch über die Aktivitäten eines der international meistgesuchten Kriminellen Deutschlands, ergänzt dazu Maral Jekta, Geschäftsführerin des JX Fund.

Deshalb müssten auch demokratische Regierungen mehr für den Schutz und das nachhaltige Fortbestehen von Exilmedien tun. „Wer Pressefreiheit ernst nimmt, muss auch jene Journalist*innen unterstützen, die sie aus der Ferne verteidigen“, fordert Osterhaus.

Investigative Zuarbeit

Einige Beispiele aus dem Bericht verdeutlichen, wie investigative Recherchen auf die Zuarbeit von Journalist*innen, die innerhalb von autoritären Regimen agieren, angewiesen sind. Der iranische Exiljournalist Omid Rezaee recherchierte für eine NDR-Dokureihe zum Einfluss iranischer Sicherheitskräfte in Europa. Das russische Investigativmedium The Insider wiederum hat in Zusammenarbeit mit dem Spiegel hunderte russische Desinformationswebseiten identifiziert und ebenso aufgedeckt, wie das russische Militär jahrelang afghanische Terrorgruppen finanzierte.

Exil-Reporter*innen, ebenfalls von The Insider, enttarnten, wie der international gefahndete Wirecard-Manager Jan Marsalek unbehelligt in Moskau lebt und für russische Geheimdienste arbeitet. Die Exiljournalistin und Meduza-Reporterin Lilia Japparowa schrieb für die New York Times auf, wie Minderjährige zu Gunsten hybrider Kriegstaktiken sowohl von russischen als auch ukrainischen Sicherheitsbehörden rekrutiert werden. Das belarussische Exilmedium Reform.news berichtete, wie der AfD-Politiker Jörg Dornau politische Gefangene auf seiner Zwiebelfarm in Belarus ausbeutete – mit Billigung der Behörden.

Viele weitere Beispiele, unter anderem aus Afghanistan und Syrien, zeigen, welche Informationen der Öffentlichkeit und im übrigen auch der Politik mithilfe von Exilmedien und Exiljournalist*innen zugänglich gemacht werden. Letztere riskieren bei den Recherchen nicht selten ihr Leben.

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