Mehr Regionalität bei WDR und NDR

Die Hosts von "Studio 16" - Anna Albrecht und Jonathan Doll sollen das neue Format beim NDR voranbringen. Bild: Screenshot NDR Studio 16

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel „NRW“ zusammengelegt werden – sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.

„Wir wollen die regionale Berichterstattung für die Menschen im Land deutlich ausbauen – unter einem Dach und mit unserer geballten journalistischen Kompetenz“, sagte WDR-Intendantin Katrin Vernau zum Vorhaben, die regionale Berichterstattung neu aufzustellen. „Die Tech-Giganten interessieren sich nicht für Wachtendonk oder Tecklenburg. Aber der WDR tut das. Neues aus und für NRW wird es von uns noch schneller und attraktiver auf allen relevanten Kanälen geben. Damit wollen wir für noch mehr Menschen die digitale Heimat im Westen werden“, verspricht Vernau.

Die Prüfung neuer Strukturen im Informationsbereich des WDR dauert schon länger an. Die WDR-Geschäftsführung hatte den Prozess „Infostrategie für den Westen“ aufgesetzt, um die digitalen regionalen Angebote neu aufzustellen und die digitale Reichweite zu erhöhen. Mehrere Arbeitsgruppen loteten aus, wie eine Zusammenarbeit zwischen Newsroom und Regionalstudios auf verschiedenen Ebenen funktionieren kann. Doch auch wenn es künftig nur noch einen Bereich geben soll, will der WDR eigenen Angaben zufolge auf „starke Regionalstudios“ setzen, „die für ihre jeweiligen Berichtsgebiete verantwortlich Inhalte produzieren“. Erklärtes Ziel sei es, „die Menschen in Nordrhein-Westfalen in ihrer Lebenswirklichkeit und ihrem Alltag noch besser mit Informationen zu versorgen, überall und rund um die Uhr“.

Konkret und alltagsnah

Der NDR hat derweil unter dem Titel „Studio 16“ ein neues Format an den Start gebracht, das sich an junge Menschen ab 30 Jahren in Norddeutschland richtet. Dafür will der öffentlich-rechtliche Sender eigenen Angaben zufolge die Kompetenzen seiner 16 Regionalstudios bündeln. Die Redaktion liegt im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein.

Konkret sollen junge Reporterinnen und Reporter aus den Regionalstudios „vielfältige regionale Geschichten“ in den Mittelpunkt stellen – „modern erzählt und verständlich aufbereitet“. Als Studio fungiert dabei „der Norden selbst“. Moderiert wird Studio 16 von Anna Albrecht und Jonathan Doll. Albrecht arbeitet für den NDR als Nachrichtenjournalistin und präsentiert online Nachrichten der „Tagesschau“. Doll wiederum arbeitet neben dem NDR auch für den MDR, wo er seit 2024 bei MDR Jump im Radio zu hören ist. Er hat außerdem zusammen mit den MDR-Redaktionen Gesellschaft und MDR Jump das Dialogformat „2 Welten 1 Tisch“ für die ARD-Mediathek konzipiert und moderiert.

„Studio 16′“ zeige, welche Themen in Norddeutschland für junge Menschen wichtig seien, sagt Andrea Lütke, stellvertretende NDR-Intendantin: „modern erzählt, nah dran und relevant“. Durch die Vernetzung der 16 Regionalstudios entstehe ein vielfältiger Blick auf Themen, „die den Alltag vor Ort prägen und unsere Regionen lebendig machen“. Die erste Folge erschien am 11. Februar auf dem YouTube-Kanal von NDR Info und in der ARD-Mediathek. Inhaltlich geht es um Wohnungsnot und die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr. Die nächste Ausgabe soll am 4. März folgen.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Vorsichtige Rückkehr nach Ecuador

Leonardo Gómez Ponce hat ein halbes Jahr in Berlin mit einem Stipendium von Reporter ohne Grenzen verbracht. Dort hat er gelernt sich digital besser zu schützen. Zurück in Ecuadors Hauptstadt agiert der 41-jährige investigative Journalist vorsichtig, suggeriert in den sozialen Medien, dass er weiterhin im Ausland sei. Das schützt ihn bei der Recherche und in den sozialen Netzen.
mehr »

Neue Aufgaben im Community-Management

In der plattformdominierten Öffentlichkeit sind neue Berufsfelder entstanden – wie das Community-Management, das zwischen Redaktion und Publikum vermitteln soll. Obwohl diese Aufgabe in journalistische Ausbildungspläne integriert ist, prägen mangelnde Wertschätzung und prekäre Arbeitsbedingungen die Praxis in den Medien.
mehr »

Der Arbeitskampf im ÖRR geht weiter

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) setzt ihre Tarifverhandlungen in den Sendern der ARD fort und hält an ihren Forderungen von sieben Prozent Honorar- und Gehaltserhöhungen, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, fest. Dies gelte ausdrücklich auch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen, zuständig für Medien.
mehr »

Zukunftsoffensive für COSMO

Über 500 Organisationen, darunter die dju in ver.di, fordern bundesweite Zukunftsoffensive für ARD-Programm COSMO. Der WDR benennt seine  Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Ein einmaliges Großbündnis warnt die ARD davor, einen großen Teil der migrantischen Bevölkerung zu vernachlässigen.
mehr »