Vertrauen in Nachrichten stabil

Nachrichten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk spielen weiterhin die wichtigste Rolle - auch im Fernsehen Foto: ARD

59 Prozent der Menschen im Alter ab 18 Jahren, die in Deutschland online sind, schauen mindestens einmal pro Woche auch noch lineare TV-Nachrichten. Das ist eines der Erkenntnisse aus dem kürzlich veröffentlichten Reuters Digital News Report. Insgesamt ist das Vertrauen in Nachrichten in Deutschland mit 46 Prozent stabil.

Die veröffentlichten Ergebnisse basieren auf einer Befragung von knapp 2.000 Menschen in Deutschland im Januar 2026. Allerdings zeigen sie auch: Bei den Nachrichten in ARD und ZDF sitzt zunehmend nur noch die ältere Generation vor dem Fernseher. Für Menschen ab 55 Jahren bleiben die „tagesschau“ oder die „heute“-Sendung mit 77 Prozent die wichtigste Nachrichtenquelle. In der Altersgruppe 18 bis 24 Jahren ist die Bindung mit 32 Prozent deutlich niedriger. Allerdings sind es gerade jüngere Menschen bis 34 Jahre, die öffentlich-rechtliche Nachrichten als positiv einschätzen.

Soziale Medien bei Jüngeren Nummer 1

Jüngere Menschen informieren sich zunehmend über die sozialen Medien. 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen konsumieren Nachrichten über TikTok, Facebook oder YouTube. Noch mehr Anziehungskraft entwickelt in dieser Altersgruppe Instagram. 85 Prozent der der jüngeren Befragten nutzen die Plattform regelmäßig, 52 Prozent zudem speziell, um sich über die Nachrichtenlage zu informieren.

KI-Chatbots als Nachrichtenquelle spielen in Deutschland aktuell keine Rolle. Fünf Prozent gaben bei der Befragung an, KI genutzt zu haben, um sich über Nachrichten zu informieren. Der Einsatz von Chatbots beschränkt sich allerdings eher auf konkrete Nachfragen zu bestimmten Nachrichten. KI wird vielfach genutzt, um sich Zusammenhänge erklären zu lassen oder Quellen einzuordnen.

Auch sogenannte Newsfluencer oder News Creator, also einzelne Personen, die sich vor allem auf YouTube mit Nachrichten beschäftigen, erreichen in Deutschland weniger Menschen als in anderen Ländern. 13 Prozent der Befragten hierzulande gaben an, sich über Nachrichten auf diesem Wege zu informieren. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es knapp 30 Prozent. Allerdings sind Newsfluencer unter den jüngeren Menschen nur eine von vielen verschiedenen Nachrichtenquellen. Jüngere schauen in solche Kanäle rein, weil sie die Aufbereitung der Nachrichten dort als unterhaltsamer empfinden.

Ältere zahlen weniger

Ein bemerkenswertes Ergebnis lieferte die Frage nach der Zahlbereitschaft für Online-Nachrichten. Hier zahlen mit 22 Prozent besonders gern die 25- bis 34-Jährigen. Bei der Befragung im vergangenen Jahr lag die Bereitschaft in dieser Altersgruppe noch bei 15 Prozent. Es ist also nicht die ältere Generation, die eine besonders hohe Zahlungsbereitschaft für Journalismus zeigt. Das ist erstaunlich und sollte Medienmacher anregen, in die tiefere Analyse einzusteigen.

Noch ein Wort zur Nachrichtenvermeidung. 72 Prozent der Befragten gaben an, zumindest gelegentlich Nachrichten zu vermeiden. Das klingt auf den ersten Blick alarmierend. Der Wert deutet allerdings nicht auf ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem Journalismus hin. Viel häufiger meiden Menschen Nachrichten als eine Art Selbstschutz, weil sie bestimmte Nachrichtenlagen überfordern.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmtipp: Staatsschutz

In dem Justizdrama „Staatsschutz“ wird eine junge Staatsanwältin mit koreanischen Wurzeln Opfer eines mutmaßlich rassistisch motivierten Brandanschlags. Als sie erkennen muss, dass ihre Behörde rechtsextremistische Übergriffe systematisch verharmlost und auch die Existenz entsprechender Netzwerke leugnet, ermittelt sie gegen die ausdrückliche Anweisung ihres Vorgesetzten auf eigene Faust.
mehr »

No SLAPP Handbuch: Presserecht

Eine SLAPP-Klage können Sie kaum verhindern. Das Risiko läßt sich aber mindern, wenn Sie alle Regeln des Äußerungsrechts beachten, also „presserechtsfest“ Ihre berechtigte Kritik am potenziellen SLAPP-Kläger äußern. Dazu mehr in Kapitel 2 des No-SLAPP-Handbuchs.
mehr »

ZDF textet nur noch in Ausnahmefällen

Seit Dezember 2025 gilt der Reformstaatsvertrag zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Damit haben die Bundesländer die Vorgaben für die Sender verschärft, ihre Online-Angebote nicht presseähnlich zu gestalten. Eine Textberichterstattung erfordert seitdem, mit wenigen Ausnahmen, einen aktuellen Sendungsbezug. Das ZDF reagierte auf den erhöhten Bewegtbild-Bedarf mit strukturellen Änderungen.
mehr »

Spanien: Strafe für Berichterstattung?

Die spanische Datenschutzbehörde will Zeitungen bestrafen, weil sie illegal in soziale Bewegungen eingeschleuste Polizisten enttarnt oder darüber berichtet hatten. Bislang sind Gerichte nicht tätig. Die Vorgänge drohen zu einem Präzedenzfall zu werden, warnen die betroffenen Medien und Menschenrechtsorganisationen.
mehr »