Happyend für Babelsberg?

90 Jahre Filmpark – eigentlich ein Grund zum Feiern

Querelen in der Geschäftsführung, die schlechte wirtschaftliche Situation und die Furcht vor dem Ausstieg von Vivendi trübten das Fest. Der Mythos bröckelt.

Der blaue Brief kam sechs Tage vor der Jubiläumsfeier. In dürren Worten teilte Vivendi-Repräsentant Thierry Potok darin seiner Geschäftsführerin Gabriela Bacher die fristlose Kündigung mit. Den Medien sagte er später, ein brutales Ereignis“ habe das „Vertrauensverhältnis zerstört“. Auf der Konferenz „Babelsberg 2002“ in Potsdam suchte Potok die Gemüter zu beruhigen. Die Entlassung Bachers, so Potok, habe nichts mit der Strategie von Vivendi Deutschland zu tun. Vor allem tangiere sie in keiner Weise die Bereitschaft der französischen Mutter Vivendi Universal, in Babelsberg zu investieren. Zweifel sind angebracht.

Seit 1992 ist der französische Mischkonzern Vivendi Universal Eigentümer von Studio Babelsberg. Mit einer rundum erneuerten Infrastruktur sollten Gelände und Studios zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit gepusht werden. Doch trotz Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro schreibt das Studio nach wie vor rote Zahlen. Es mangelt an Produktionsaufträgen. Daran ändern auch vereinzelte Großproduktionen nichts. Filme wie das Stalingrad-Epos „Enemy at the gates“ von Jean-Jacques Annaud oder Roman Polanskis historisches Drama „Der Pianist“ blieben Eintagsfliegen.

Geschäftsführerin Gabriela Bacher, erst vor elf Monaten eingesetzt, agierte getreu der Strategie von Vivendi, auf Eigen- oder Koproduktionen zu verzichten. Statt dessen setzte man auf die Verpachtung der Einrichtungen an finanzstarke Produzenten. Doch das Konzept eines Full-Service-Studios ging nicht auf. Spektakuläre Aufträge blieben weiter aus. Auch die Hollywood-Kontakte Bachers brachten nichts ein.

Entlassungen – Überstunden

Entsprechend trist präsentiert sich gegenwärtig das verzweigte Studiogelände. Die meisten Hallen stehen leer, größere Projekte sind derzeit nicht in Sicht. Auch in der Belegschaft könnte die Stimmung besser sein. Gerade mal 180 Studio-Mitarbeiter sind übrig geblieben. Seit Jahresbeginn wurden bereits 76 Stellen gestrichen. Der Abbau betraf die Betriebsfeuerwehr, den Wachschutz, die Verwaltung, aber auch Handwerker. Doch trotz der Entlassungen werden „überdimensional Überstunden geschrubbt“, klagt Ulf Wachholz, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Gleichzeitig jobben derzeit noch 38 zusätzliche freie Mitarbeiter mit Zeitaufträgen. Ein vernünftiges Arbeitszeitmodell vermag der Betriebsrat nicht zu erkennen. Nach der Entlassung von Bacher fragt er sich, wer sich nun um die Akquise von Filmaufträgen kümmert.

Die Perspektive von Babelsberg erscheint auch aufgrund der unübersichtlichen Situation bei Vivendi düster. Derzeit berät die Konzernführung des hochverschuldeten Medienriesen in Paris über die künftige Geschäftsstrategie. Ende des Jahres läuft die zehnjährige Bestandsgarantie der Franzosen für Babelsberg aus. Dann stehen auch die restlichen Jobs auf der Kippe. Presseberichten zufolge rangiert Babelsberg neben der Musikfirma Universal ganz oben auf der Verkaufsliste des Unternehmens. Was passiert, wenn Vivendi aussteigt? Ulf Wachholz hofft auf einen neuen Investor. Er kann sich „nicht vorstellen, dass die das Studio total krachen lassen“. Wo der herkommen soll, vermag er auch nicht zu sagen. Schlange stehen die Interessenten jedenfalls nicht.

Wie kann Babelsberg geholfen werden? Kann es sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen wie dereinst Hans Albers im Ufa-Klassiker „Münchhausen“? Wohl kaum. Branchenkenner beurteilen die Zukunft der Institution als reines Dienstleistungs- und Full-Service-Studio in Anbetracht der starken Konkurrenz als schwierig. Für den Londoner Produzenten Michael Kuhn hat Babelsberg nur eine Chance, wenn es gelingt, „Zugang zur Verwertungskette zu bekommen und eigene Vertriebsstrukturen aufzubauen“. Nach der Devise: „Raise the money, get the distribution, make a hit.“ Regisseur Volker Schlöndorff, bis 1997 fünf Jahre Geschäftsführer von Studio Babelsberg, setzt für den Fall des Ausstiegs von Vivendi auf eine nationale Lösung und eine Anbindung an den deutschen Fernsehmarkt. Das Studio könne nur existieren, „wenn ein deutscher Medienkonzern, der selbst mit großen Eigenproduktionen herkommt, sich hier engagiert“. An welchen deutschen Konzern er da denke? Schlöndorff: „Da wäre wirklich jeder willkommen.“ Außerdem: „So viele Medienkonzerne gibt es ja nicht.“

Zu den wenigen TV-Produktionen, die derzeit in Babelsberg hergestellt werden, gehört neben „Vera am Mittag“ und „Schloss Einstein“ auch die Daily Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Und die kommt bekanntlich aus dem Hause RTL / Bertelsmann.

 

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