Auch Nora bleibt!

Kino-Arbeitgeber scheiterte mit Bagatellkündigung

Erneut hatte ein Arbeitgeber im Fall der Kino-Mitarbeiterin „Nora“ vergebens versucht, eine Gewerkschafterin durch eine Bagatellkündigung loszuwerden. Das Arbeitsgericht in Darmstadt sah die Vorwürfe der Geschäftleitung des Darmstädter CinemaxX-Kinos jedoch als unbegründet an. Das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen.

Seitens der Geschäftsleitung hätte man besser vom Beispiel der Supermarkt-Kassiererin Emmely lernen sollen. Im Fall der Mitarbeiterin Nora des Kinos CinemaxX in Darmstadt habe dessen Geschäftsleitung vergebens versucht, eine gewerkschaftlich aktive Kollegin mit einer haltlosen Kündigung abzustrafen, so Anja Willmann vom ver.di-Fachbereich Medien in Frankfurt am Main nach gewonnenem Arbeitsgerichtsverfahren. Einzig um Peanuts sei es gegangen. Die Kino-Mitarbeiterin hatte man kündigen wollen, weil sie angeblich Getränke verschenkt oder Popcorn nicht richtig abgerechnet haben soll. Doch das Arbeitsgericht in Darmstadt machte mit seinem Urteil am 30. November deutlich: Das Arbeitsverhältnis wird nicht aufgelöst! Kolleginnen und Kollegen hatten vor Gericht bezeugt, dass sie Nora weder Getränke noch Popcorn unbezahlt über den Tisch hatten reichen sehen. Anders lautende Aussagen der Zeugen der Arbeitgeberseite, des Betriebsleiters und seines Stellvertreters, hätten das Gericht hingegen offenbar nicht überzeugt, meint die ver.di-Rechtsschutzsekretärin, Monika Hettwer.
Nora ist happy – ebenso wie die fast 40 Kolleginnen und Kollegen, die unter anderem aus dem CinemaxX Darmstadt und einem Viernheimer Kino, zur Gerichtsverhandlung erschienen waren. Die Geschäftsleitung habe der engagierten Gewerkschafterin nach deren Beteiligung im Wahlvorstand bei der Betriebsratswahl gekündigt, berichtet Anja Willmann, direkt nach Ablauf des besonderen Kündigungsschutzes von sechs Monaten. Deshalb habe der Verdacht nahe gelegen, dass man eine unliebsame Mitarbeiterin habe loswerden wollen, so Monika Hettwer. Die habe sich jedoch nichts zuschulden kommen lassen, sei eine starke Persönlichkeit, dem Arbeitgeber wohl nur zu aufmüpfig gewesen. Das Urteil werde die Beschäftigten der Kinos selbstbewusster machen, freut sich Anja Willmann. Bereits im Vorfeld hatte sich die ver.di-Jugend hinter Nora gestellt und das Cinemaxx Darmstadt aufgefordert, die Kündigung zurückzunehmen. Nach Willmanns Auffassung hatte die Geschäftsleitung versucht, „Druck auf Beschäftigte auszuüben und ein Exempel zu statuieren“ – habe jedoch lernen müssen, dass „mit einem an den Haaren herbeigezogenen Betrugsversuch kein Gericht zu überzeugen ist“.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Die SPD will eine Digitalsteuer

Digitale Plattformen sollen zahlen. Das fordert nun auch die SPD. Das Präsidium der Partei beschloss am Montag eine medienpolitische Grundsatzvorlage, die die Einführung einer Digitalsteuer vorsieht. Der Beschluss trifft bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf Zustimmung. Die Gewerkschaft erwartet von der SPD, dass die Initiative bald zum Gesetz wird.
mehr »

Meta ignoriert Transparenzvorgaben

Leicht wahrnehmbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar: So müssen etwa Social-Media-Plattformen offenlegen, nach welchen Kriterien sie Inhalte auswählen, anzeigen und sortieren. Auch der Einsatz von Algorithmen muss verständlich erklärt werden. Das schreibt der Medienstaatsvertrag vor. Weil Facebook sich nicht daran hielt, griff die Medienaufsicht ein. Doch gegen die Beanstandung klagt der Meta-Konzern. Vor Gericht geht es um grundsätzliche Rechtsfragen.
mehr »

Arbeit und Ausbeutung im Dokumentarfilm

Am Anfang des Symposiums der Dokumentarfilminitiative dfi im Filmbüro NW stand die Frage nach Begrifflichkeiten: Was gilt als Arbeit, wie prägt sie Leben und Alltag? Wer bestimmt, was produktiv ist? In einem Programm aus Vorträgen, Panels, Screenings und Filmgesprächen wurde unter verschiedenen Schwerpunktsetzungen diskutiert. Parallel ging es darum, wie der Dokumentarfilm Arbeit abbildet, verhandelt und dadurch erst sichtbar macht.
mehr »

Gehaltserhöhung bei dpa gefordert

Für die Nachrichtenagentur dpa, ihre Landesbüros und die dpa-Tochterunternehmen im zentralen Newsroom in Berlin haben die Tarifverhandlungen am 15. Januar begonnen. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert in den zusammen mit dem DJV aufgenommen Verhandlungen eine einheitliche Erhöhung aller Gehälter um einen Festbetrag von 350 Euro im Monat.
mehr »