Peru: Investigativ, kritisch, gefährdet

Foto: ojo piblico

Ojo Público heißt das investigative Online-Magazin aus Lima. Das hat in den letzten zehn Jahren zu einem anerkannten Medium wurde. Die Redaktion ist auf rund 20 Menschen angewachsen und recherchiert nicht nur in Peru, sondern auch in Nachbarländern wie Ecuador.

Das Überleben von Ojo Público ist dank der Finanzierung aus dem NGO-Spektrum möglich. Doch die ist genauso gefährdet wie die unabhängige Berichterstattung. In Peru versucht die Politik unabhängige Organisationen durch ein NGO-Gesetz zu kontrollieren. Ein Risiko für die ohnehin gefährdeten demokratischen Strukturen.

Quecksilber ist in Peru ohne weiteres zu haben. Gleich zwei Unternehmen bieten das hochgiftige Schwermetall frei an, so hat es eine Journalistin von Ojo Público gerade recherchiert. Laytaruma und Triveño Mercury Corporation heißen die beiden Unternehmen, die das Schwermetall, welches das Nervensystem, das Immunsystem und die Nieren massiv angreift, frei verkaufen.

Neues Gesetz trifft auch Medien

Für die Homepage des unabhängigen, investigativen Mediums keine ungewöhnliche Nachricht. Die 20-köpfige Redaktion und das knappe Dutzend freie Mitarbeiter*innen recherchieren immer wieder zum illegalem, semilegalem und ganz legalem Bergbau, der in Peru immens wichtig ist. Je nach Quelle trägt der Bergbau zwischen 9 und 25 Prozent zum Bruttoinlandprodukt (BIP) bei und die Bergbaulobby ist in dem andinen Land extrem gut vernetzt. Sie hat in den Ministerien und im Parlament exzellente Kontakte und das gilt auch für die Repräsentanten halblegaler und illegaler Bergbauorganisationen, die formell oft wie im Amazonasgebiet von Madre de Díos als Genossenschaften eingetragen sind.

Das weiß auch Óscar Castilla, der 2014 zu dem Trio gehörte, welches Ojo Público aus der Taufe hob. Derzeit ist der 45-jährige, der zehn Jahre bei El Comercio, dem konservativen Flaggschiff des peruanischen Journalismus, in der investigativen Abteilung arbeitete, für die strategische Ausrichtung von Ojo Público verantwortlich. Das ist alles andere als einfach, denn das Medium befindet sich wie viele andere Nichtregierungsorganisation unter Druck. „Wir hängen wie die juristische Hilfsorganisation IDL oder wie die Entwicklungsorganisation CoopperAcción an dem Mittelzufluss aus der internationalen Kooperation“, sagt Castilla. Oxfam, Stiftungen zur Förderung der Demokratie aus Norwegen oder Belgien gehören dazu und darüber muss Castilla seit März 2025 en detail Auskunft geben. Das Gesetz mit der Nummer 27692 schreibt ihm das vor und der „peruanischen Agentur für internationale Zusammenarbeit“ (ACPI) ist er beziehungsweise Ojo Público auskunftspflichtig.

Regierung will Zivilgesellschaft kontrollieren

Perus Zentralregierung hat die Befugnis „zu kontrollieren, zu beaufsichtigen und zu überwachen“. Dabei geht es laut dem Gesetz 27692 darum „die korrekte Verwendung der Mittel der Organisationen der Zivilgesellschaft“ zu kontrollieren. „Das ist für Organisationen wie Ojo Público ein Risiko. Es hat sich in Venezuela, Nicaragua oder Cuba gezeigt, was für Effekte derartige Gesetze haben können“, warnt Castilla. Er moniert den zunehmenden Rechts-Ruck, der sich mit den Wahlen am 12. April weiter fortsetzen könnte. Derzeit liegen zwei konservative Kandidaten, die Parteivorsitzende von Fuerza Popular Keiko Fujimori und Rafael López Aliaga der Partei „Renovación Popular“ in den Umfragen vorn. „Beide sehen unsere investigative Arbeit eher als politische Agitation an – das ist ein Problem“.

Sinkende Pressefreiheit in Peru

Anders als früher sieht Castilla die Konzentration der Medien nicht mehr als großes Problem an, da neue digitale Medien entstanden sind und die dominante Rolle der konservativen Tageszeitungs-Gruppe El Comercio etwas zurückgegangen ist. Fakt ist aber, dass Peru in den letzten drei Jahren im Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ nach hinten durchgereicht wurde. 53 Plätze hat Peru verloren, rangiert jetzt auf Platz 130 und das hat unterschiedliche Gründe. Das bereits erwähnte ACPI-Gesetz ist eines, die Erhöhung der Haftstrafen wegen Verleumdung ein anderes. Auch das richtet sich gegen die Medien, setzt die Haftstrafen wegen Verleumdung auf bis zu fünf Jahre hoch und setzt den Medien Fristen von 24 Stunden zur Berichtigung falscher Informationen. Das baut Druck auf, auch die vage definierten Straftatbestände wegen der „Verletzung der Privatsphäre“ könnten dazu führen, dass journalistische Arbeit kriminalisiert wird, mahnen Presseorganisationen wie „Reporter ohne Grenzen“.

Das bestätigt auch Castilla, der auch darauf hinweist, dass es in den letzten zwölf Monaten mehr Gewalt gegenüber Journalist*innen gegeben habe. Das bestätigt auch die  Nationale Journalist*innenvereinigung Perus (ANP). Sie meldete in ihrem jährlichen Bericht die Zahl von 458 Angriffen auf Journalisten. Peru liege in Lateinamerika damit auf dem zweiten Platz hinter Mexiko und erstmals seit 2017 sei es im Jahr 2025 zu insgesamt vier Morden an Journalisten gekommen. Gastón Medina Sotomayor, Direktor von Cadena Sur; Raúl Celis López, Radiomoderator aus Iquitos; Juan Núñez Guevara sowie Mitzar Castillejos Tezanoa aus Auguaytia hießen die Opfer. Die ANP warnt zudem vor weiteren Attacken auf Berichterstatter*innen rund um die Parlamentswahlen am 12. April. Die Gefahr für Journalist*innen wachse, heißt es. Eine Einschätzung, die auch Òscar Castilla teilt.

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