Dazwischen: Der Podcast für Sachsen-Anhalt

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Die Macher*innen des Leipziger Podcast-Radiosenders detektor.fm starteten im März mit DAZWISCHEN ein regionales Nachrichten- und Informationsformat für Sachsen-Anhalt. Es will im Vorfeld der Wahlen „differenziert, nicht nur schablonenhaft, sondern auch in Grautönen über dieses Bundesland berichten“. Wir sprachen mit mit Christian Bollert, Geschäftsführender Gesellschafter von detektor.fm.

Euer Medienprojekt DAZWISCHEN – ein regelmäßiger Podcast mit  Newsletter, aus und über Sachsen-Anhalt – läuft jetzt seit März. Was hat euch, als detektor.fm-Macher*innen, zu diesem Start-up veranlasst?

In Sachsen-Anhalt steht eine wichtige Landtagswahl an und das Land zieht deshalb sehr viel mediale Aufmerksamkeit auf sich. Und voraussichtlich werden hier auch nach der Wahl wichtige Dinge geschehen.

Gleichzeitig hat Sachsen-Anhalt selbst aber nur ein sehr dünnes privates und öffentlich-rechtliches Medienangebot. Das zeigt auch die Site wuestenradar.de. Im Wesentlichen sind das der MDR und der Bauer-Verlag mit der Mitteldeutschen Zeitung und der Magdeburger Volksstimme. 

Da haben wir uns gefragt, ob in dieser besonderen Konstellation nicht ein zusätzliches regionales digitales Angebot Sinn machen könnte. 

Mit dieser Idee sind wir letztes Jahr zum Media Forward Fund gegangen und die fanden unsere Analyse und unsere Projektidee finanzierungswürdig und unterstützen uns mit 500.000 €.

Sachsen-Anhalt hat zwar nur eine kleine Medienlandschaft, wird wegen der Wahl aber sehr intensiv von überregionalen Medien berücksichtigt. Wo ist euer Alleinstellungsmerkmal? Was macht ihr anders?

Zunächst einmal berichten wir aus einer regionalen Sicht – von vor Ort. Und das nicht nur schlaglichtartig zur Wahl.

Debatten, wie die über den Spiegel-Titel mit Siegmund, zeigen, dass große überregionale Medien oft nur zu besonderen Anlässen, wie z.B. Wahlen, aktiv werden. Dann fliegen sie ihren Tross ein, ziehen eine große Wahlberichterstattung auf und verschwinden genauso schnell wieder, wenn alles vorbei ist. Wir dagegen wollen die Ereignisse und die Menschen von hier aus zeigen und so ein differenzierteres Bild zeichnen.

Welches Feedback bekommt ihr auf eure Produktionen?

Das Feedback, das wir bekommen, zeigt, dass wir es schaffen, in die Tiefe zu kommen. Und dass wir mit den Leuten hier wirklich ins Gespräch kommen und dabei differenziert, nicht nur schablonenhaft, sondern auch in Grautönen über dieses Bundesland berichten.

Natürlich reden wir auch über die drohenden Gefahren der aktuellen Entwicklung, aber daneben zeigen wir halt auch zivilgesellschaftliche Aktionen, kleine Dorfläden, Demokratie-Initiativen.

Was wisst ihr über die Abonnent*innen eures Newsletters und die Hörer*innen eures Podcasts?

Beim Podcast wissen wir das leider nichts Genaues. Man kann Hörer*innen zwar auch direkt über den RSS-Feed auf der Homepage erreichen, aber das ist ein recht “armes” oder datensparsames Format und man erfährt wenig über die Empfänger*innen. Glaubt man den IP-Adressen, sind es aber recht viele Menschen aus Sachsen-Anhalt. 

Viel spannender sind unsere Newsletter-Statistiken. Wir sehen ja die Mailadressen und -domains. Unter den Abonnent*innen sind viele Landtagsfraktionen, Journalist*innen, Kulturinstitutionen und Demokratie-Initiativen.

Gerade jetzt vor der Wahl haben wir natürlich noch einmal einen ordentlichen Schub bei den Abonnements bekommen.

Zu eurem ursprünglichen Konzept gehörte es – neben dem Newsletter und dem Podcast – auch Live-Veranstaltungen in der Region anzubieten. Was ist daraus geworden?

Tatsächlich planen wir erst für September und Oktober Veranstaltungen in Halle und Magdeburg. Vor den Wahlen macht das nach unserer Einschät- zung gerade wenig Sinn. 

Denn es gibt aktuell ein Überangebot an Vor-Ort-Veranstaltungen. Gefühlt treten gerade alle in Sachsen-Anhalt auf, bis hin zum PEN Berlin. Hinzu kommen noch die Wahlkampfveranstaltungen der Parteien.

Wir wollen uns stattdessen lieber langfristig orientieren, nach den Wahlen genauer hinschauen, die Dinge sortieren – sozusagen eine Wahlbilanz ziehen. Und das zusammen mit möglichst vielen Menschen aus der Zivilgesellschaft.

Zu dem Zeitpunkt wird man hoffentlich bereits mehr über die Sondierungsgespräche und die Zusammensetzung des Landtags wissen.

Welche waren eure erfolgreichsten Ausgaben der letzten Monate?

Die bisher erfolgreichste Podcast-Folge und der erfolgreichste Newsletter waren die zu unserem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten, den wir in der Staatskanzlei getroffen haben. 

Mich hat das etwas überrascht. Als Journalist führt man zwar gerne Interviews mit wichtigen Menschen, ist sich dabei aber immer auch etwas unsicher, ob das noch jemanden interessiert. Offensichtlich war das so – die Episode wurde bisher am häufigsten angeschaut und gehört.

Ähnlich erfolgreich war die Episode zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Land und zur Drohung der Kündigung des Rundfunkstaats- vertrags. Zu dieser Folge haben wir übrigens die meisten E-Mails und Rückmeldungen bekommen, auch in den sozialen Netzwerken. Und die meisten Beteiligungen an der entsprechenden Umfrage im Newsletter.

Die drittplatzierte Folge ist die über den 17-jährigen Aktivisten Max Schneller, die wir auch als Video produziert haben und die deswegen vor allen Dingen als Videopodcast sehr gut funktioniert hat. 

DAZWISCHEN ist eng mit dem Leipziger Podcast-Radiosender detektor.fm verbunden. Wie läuft das personell und organisatorisch ab?

Weil wir DAZWISCHEN und detektor.fm parallel machen, ist es etwas schwierig, das exakt zu bestimmen. 

Verschiedene Kolleg*innen aus der detektor.fm-Audioproduktion beispielsweise arbeiten etwa zwei Tage pro Woche für DAZWISCHEN.  Unsere Marketingchefin Kati kümmert sich um Medienmitteilungen oder unsere Auftritte bei Whatsapp- und Instagram.

Fest im Team sind ein Redakteur für den Podcast und den Newsletter, zwei Hosts und eine Factcheckerin. Ich selbst bin gerade beim Newsletter und bei der Community aktiv. Unterm Strich sind es also fünf Menschen im Kernteam von DAZWISCHEN, die sich ausschließlich oder sehr intensiv mit dem Projekt beschäftigen.

Kommt das Kernteam selbst auch aus Sachsen-Anhalt?

Beide Podcast-Moderatorinnen stammen aus Sachsen-Anhalt. Katja ist hier in Magdeburg geboren und aufgewachsen. Marie stammt aus Dessau. Unser Redakteur Leonard kommt ursprünglich aus Köln, lebt aber bereits seit Langem in Magdeburg.

Wir haben zum Start auch über dieses Thema sehr intensiv diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass es aus unserer Sicht in Ordnung ist, nicht ausschließlich nur in Sachsen-Anhalt Geborene im Team zu haben. Denn das spiegelt ja auch die Realität der Gesellschaft. Viele Menschen hier haben ja selbst im umgedrehten Sinne “rüber gemacht“ und andere wiederum sind hier erst in den letzten Jahren zugezogen.

Unser Redakteur z.B. erlebt mit seiner westdeutschen Biographie bei Reportagen überhaupt keine Berührungsprobleme mit den Interviewpartnern*innen. 

Die Leute sind eher begeistert, dass ein Medienvertreter bei ihnen vorbeikommt, sich Zeit nimmt und ihnen Sichtbarkeit verschafft. Dieses Sichtbarmachen der Menschen vor Ort ist überhaupt einer der größten Effekte unseres Projekts.

Werdet ihr anders aufgenommen als etwa Kolleg*innen von den öffentlich-rechtlichen Sendern?

Ja! Das ist schon so. Wir genießen eine Art von Vertrauensvorschuss, weil wir eben nicht in diese Schablone passen. ÖRR-Vertreter:innen werden hier oft direkt angefeindet – dieses Feindbild existiert tatsächlich. 

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