WAZ will Lokalredaktion in Siegen schließen

Vor einem weiteren Abbau journalistischer Vielfalt durch den WAZ-Konzern hat ver.di in NRW gewarnt. Die von dem Verlagsgeschäftsführer der WAZ-Mediengruppe Manfred Braun angekündigte „Lokaloffensive“ entpuppe sich in der ersten konkreten Handlung als pures Kostensenkungsprojekt, erklärte die Gewerkschaft, zu der die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) gehört.

Braun will die aktuell erfolgreichste Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau in Siegen (Siegener Rundschau) schließen, weil der Chefredakteur der ebenfalls zu den WAZ-Zeitungen gehörenden Westfalenpost (WP) Hans Kläsener offenbar angeboten hat, den Lokalteil ohne das in der Lokaloffensive vorgesehene zusätzliche Personal und bei Reduzierung des Honoraretats herzustellen. Die Lokalredaktion der Siegener Rundschau hat bisher den Lokalteil auch für die WP produziert und sich gegenüber der weitaus auflagenstärkeren Siegener Zeitung in einer gesellschaftlich und weltanschaulich deutlich pluralistischen Aufmachung als Alternative am Markt präsentiert.
„Wenn die journalistische Qualität im WAZ-Konzern durch sich überbietende Billigheimer in Verlagshäusern gesteuert wird, bedeutet das einen Abbau von Vielfalt und Meinungsfreudigkeit gerade im lokalen Bereich“, sagte ver.di-Sprecher Günter Isemeyer. Auf diese Weise führe die angekündigte „Lokaloffensive“ letztendlich zum Wegfall lokaler Zeitungsvielfalt und Redaktionen. Darüber hinaus müsse man „einen erschreckenden Umgang mit den betroffenen Redakteuren registrieren“. Diese wüssten bis heute nicht, was mit ihnen passiert. „Wenn die Verlagsgeschäftsführung klug ist, korrigiert sie ihre Fehlentscheidung und lässt die erfolgreiche Mannschaft weiter arbeiten“, erklärte Isemeyer.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Mehr Regionalität bei WDR und NDR

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.
mehr »

Für faire digitale Teilhabe

„Digitale und gesellschaftliche Teilhabe gehören zusammen!“ erklärt die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Gilda-Nancy Horvath auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik in München. Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten über die wachsende Bedeutung digitaler Medien und Künstlicher Intelligenz (KI) für die soziale Teilhabe in der demokratischen Gesellschaft.
mehr »

Spanien droht Musk mit Strafen

Für Elon Musk, Chef der Online-Plattform X ist der spanische Regierungschef ein „Tyrann“ oder ein „Faschist“. Pedro Sanchez will "Tech-Oligarchen" wie Musk persönlich strafrechtlich für Inhalte auf ihren Plattformen und für Manipulationen an Algorithmen verantwortlich machen und ein Social-Media-Verbot für junge Menschen einführen.
mehr »

Mehrsprachig gegen Desinformation

Die Organisation der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) hat einen Forderungskatalog vorgelegt, mit dem Desinformation wirksamer bekämpft werden kann. Schwerpunkt ist dabei unter anderem der Ausbau mehrsprachiger öffentlich-rechtlicher Angebote. Verlässliche Informationen dürften nicht nur auf Deutsch zugänglich sein, so NdM.
mehr »