WAZ will Lokalredaktion in Siegen schließen

Vor einem weiteren Abbau journalistischer Vielfalt durch den WAZ-Konzern hat ver.di in NRW gewarnt. Die von dem Verlagsgeschäftsführer der WAZ-Mediengruppe Manfred Braun angekündigte „Lokaloffensive“ entpuppe sich in der ersten konkreten Handlung als pures Kostensenkungsprojekt, erklärte die Gewerkschaft, zu der die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) gehört.

Braun will die aktuell erfolgreichste Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau in Siegen (Siegener Rundschau) schließen, weil der Chefredakteur der ebenfalls zu den WAZ-Zeitungen gehörenden Westfalenpost (WP) Hans Kläsener offenbar angeboten hat, den Lokalteil ohne das in der Lokaloffensive vorgesehene zusätzliche Personal und bei Reduzierung des Honoraretats herzustellen. Die Lokalredaktion der Siegener Rundschau hat bisher den Lokalteil auch für die WP produziert und sich gegenüber der weitaus auflagenstärkeren Siegener Zeitung in einer gesellschaftlich und weltanschaulich deutlich pluralistischen Aufmachung als Alternative am Markt präsentiert.
„Wenn die journalistische Qualität im WAZ-Konzern durch sich überbietende Billigheimer in Verlagshäusern gesteuert wird, bedeutet das einen Abbau von Vielfalt und Meinungsfreudigkeit gerade im lokalen Bereich“, sagte ver.di-Sprecher Günter Isemeyer. Auf diese Weise führe die angekündigte „Lokaloffensive“ letztendlich zum Wegfall lokaler Zeitungsvielfalt und Redaktionen. Darüber hinaus müsse man „einen erschreckenden Umgang mit den betroffenen Redakteuren registrieren“. Diese wüssten bis heute nicht, was mit ihnen passiert. „Wenn die Verlagsgeschäftsführung klug ist, korrigiert sie ihre Fehlentscheidung und lässt die erfolgreiche Mannschaft weiter arbeiten“, erklärte Isemeyer.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Diese Fernsehsender werden eingestellt

Zum Jahresende werden die Sender Tagesschau24, One und ARD-alpha eingestellt, das verkündeten heute ARD und ZDF. Anlass ist der seit Dezember geltende Reformstaatsvertrag, der den Sendern unter anderem auftrug, zwei der linearen Informationssender und einen ihrer Sender für junge Zielgruppen zu streichen.
mehr »

Eine Debatte jenseits von Plattformen

Damit öffentlich-rechtliche Medien auch in einer veränderten medialen Öffentlichkeit als zentraler Ort für journalistische Professionalität wahrgenommen werden, braucht es plattformunabhängige Dialogräume. Das ist eine der zentralen Ideen der Studie „Dialogfunktion von Public Service Media – Impulse einer Zukunftswerkstatt für die Medienpolitik“ im Auftrag der gemeinnützigen Denkfabrik „Agora Digitale Transformation“.
mehr »

Equal Pay Day zeigt Ungleichheit auf

Die Lücke bleibt und wächst: Eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat zum Equal Pay Day am 27. Februar den Stand der Gleichstellung in Deutschland analysiert. Die Autor*innen stellen nach wie vor erhebliche Ungleichheiten fest. Die gelten auf für Frauen in der Kulturbranche und im Journalismus.
mehr »

Anti-SLAPP-Entwurf bleibt zahnlos

Der Bundestag debattiert heute erstmals über den Entwurf für ein Gesetz gegen Einschüchterungsklagen (Anti-SLAPP-Gesetz). Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union fordert die Koalitionsfraktionen auf, das Gesetz in vier zentralen Punkten nachzubessern, um Medienschaffende und andere häufig von SLAPPs Betroffene endlich wirksam vor missbräuchlichen juristischen Maßnahmen zu schützen.
mehr »