AfD-Einstufung zwingt Rundfunkgremien zum Handeln

Foto: picture alliance/dpa | Martin Schutt

Das zunächst unter Verschluss gehaltene Gutachten des Verfassungsschutzes, welches zur Einstufung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) als „gesichert rechtsextremistische Partei“ führte, wurde nunmehr durch Medien veröffentlicht. Innenminister Dobrindt ließ zunächst offen, inwiefern juristische Schritte gegen die Veröffentlichung geplant seien. Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständiges Mitglied im Bundesvorstand von ver.di, begrüßt, dass nun öffentlich über das Zustandekommen der Einstufung diskutiert werden kann.

„Eine Partei mit hohen Zustimmungswerten als rechtsextrem zu klassifizieren, ist von enormem öffentlichem Interesse. Wie die Einstufung zustande kommt, muss deshalb transparent gemacht werden. Das Innenministerium hat mit seiner Geheimhaltung Raum für Skepsis an der Analyse des Verfassungsschutzes eröffnet. Dass die Entscheidung der Behörde nun in aller Offenheit nachvollzogen werden kann, ist demokratisch geboten. Selbstverständlich muss die Veröffentlichung im Rahmen journalistischer Berichterstattung straffrei bleiben“, so Schmitz-Dethlefsen.

Mit Blick auf den nun in der Diskussion stehenden medialen Umgang mit der neu klassifizierten Partei regt Schmitz-Dethlefsen eine Debatte auch in den Gremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten an: „Die Öffentlich-Rechtlichen haben den Auftrag, den freiheitlich-demokratischen Rechtstaat und seine Institutionen zu stärken. Doch die Themen und Positionen der verfassungsfeindlichen AfD bekommen im Programm viel Raum. Wie öffentlich-rechtliche Programmgrundsätze mit AfD-Berichterstattung in Einklang gebracht werden können, muss jetzt neu diskutiert werden. Dafür ist in den Rundfunkgremien Handeln gefragt, um die Interessen der demokratischen Gesellschaft zu wahren.“

 

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Krasse Kürzungen bei ARD und ZDF

  Für 58 Cent bekommt man heutzutage beim Bäcker allenfalls ein Brötchen von gestern. Dennoch haben einige Bundesländer ARD und ZDF eine entsprechende Erhöhung der Rundfunkabgabe auf monatlich 18,94 Euro verweigert. Trotz einer Verfassungsbeschwerde der Sender wird der Beitrag erst 2027 steigen, und dann wohl nur um 28 Cent. Vor allem innerhalb der ARD muss daher noch mehr gespart werden. Das schließt auch einen weiteren Stellenabbau mit ein.
mehr »

Medien-NGOs im Visier der Rechten

In Deutschland nehmen die Angriffe auf zivilgesellschaftliche Organisationen zu – angefeuert von extrem rechten Akteur*innen aus Politik, Medien und PR. Ihre Diffamierungs- und Desinformationskampagnen zielen darauf, vor allem Nichtregierungsorganisationen, finanziell auszutrocknen. Damit gefährden sie auch die Arbeit demokratischer Medienprojekte.
mehr »

Filmtipp: Was haben wir gelacht

Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blickt facettenreich, differenziert und  kurzweilig aus weiblicher Perspektive auf die Rolle der Frau in der Fernsehunterhaltung der Neunziger- und Nullerjahre. Eva Müller und Isabel Schneider dokumentieren mit Hilfe vieler Show-Ausschnitte, wie misogyn und homophob diese Zeit war.
mehr »

KI-Resilienz im Journalismus

In der aktuellen KI-Debatte schenkt sich keiner was. Kaum taucht der Verdacht auf, ein Kollege habe ChatGPT oder Claude zum Schreiben mitgenutzt, beginnt vielerorts bereits die öffentlichkeitswirksame KI-Spurensuche.Die aktuelle KI-Debatte zeigt, warum Redaktionen endlich praxistaugliche Leitlinien für einen souveränen Umgang mit der KI brauchen.
mehr »