Halbiertes Echo

Darmstädter Regionalblatt reduziert Belegschaft – auch FAZ verkündet Stellenabbau

Entsetzt, schockiert, ratlos. Mit diesen Begriffen beschreibt Thomas Boyny, Betriebsratsvorsitzender der Echo-Mediengruppe, die Stimmung in der Belegschaft. Soeben hat die Geschäftsleitung des Darmstädter Verlags einen drastischen Abbauplan präsentiert: Jeder Zweite der rund 400 Beschäftigten soll gehen, ganze Abteilungen werden geschlossen und fremdvergeben. Ebenfalls radikal abgebaut wird beim großen Nachbarn in Frankfurt am Main: Bei der FAZ sollen bis zu 200 von 900 Beschäftigten ihren Job verlieren.

Foto: ver.di
Foto: ver.di

Die Echo Medien GmbH werde sich künftig auf ihre „Kernaufgaben” konzentrieren, verkündete die Verlagsspitze am 22. September. Hierfür würden „Zentralbereiche des Unternehmens ausgegliedert, die für diese Kernaufgaben nicht unmittelbar relevant sind”. Unter anderem sollen offenbar Callcenter, IT und Rechnungswesen an externe Dienstleister vergeben werden. Doch auch die Redaktion bleibt vom Kahlschlag nicht verschont. Teile des Mantels sollen künftig anderswo zugekauft werden. „Wie das konkret laufen soll, ist noch unklar”, sagt Betriebsrat Boyny. „Ich kann mir das nur schwer vorstellen.” In den anstehenden Gesprächen werde die Beschäftigtenvertretung darauf drängen, Alternativen zum Outsourcing zu prüfen.
Bei den derzeit 120 Vollzeitstellen in den Echo-Redaktionen werde es eine „geringe Abschmelze” geben, so Unternehmenssprecher Hannes Fischer. Hauptsächlich betroffen sind die Verlagsbereiche. Durch die Schrumpfkur will das Unternehmen „mit einer neuen Strategie wieder auf die Erfolgsspur kommen”. Doch von einem zukunftsweisenden Konzept ist wenig zu sehen. „Es bleibt völlig offen, wie man der rückläufigen Anzeigen- und Aboentwicklung begegnen will”, kritisiert Boyny. Das Management fokussiere allein auf Kostenersparnis. Der Belegschaftsvertreter ist deshalb skeptisch, ob die Sanierung auf Dauer trägt. „Ich befürchte, wir könnten in vier, fünf Jahren wieder genau da stehen, wo wir jetzt sind.”
Verleger Hans-Peter Bach rechtfertigt die Kürzungen vor allem damit, dass sich „die Marktbedingungen für Tageszeitungen radikal geändert” haben. Manfred Moos, Leiter des ver.di-Fachbereichs Medien in Hessen, lässt das nur teilweise gelten. „Die Branche hat unzweifelhaft strukturelle Probleme, die sich in sinkenden Auflagen, Anzeigen und Umfängen ausdrücken – das lässt sich nicht wegdiskutieren”, sagt der Gewerkschafter. „Aber zu der katastrophalen Situation beim Darmstädter Echo haben auch Managementfehler entscheidend beigetragen. „So habe die Verlagsleitung die Konkurrenz lokaler Anzeigeblätter lange Zeit ignoriert. Auch eine dringend benötigte Digitalisierungsstrategie sei nicht in Sicht. Zudem sei in den vergangenen 20 Jahren kaum investiert worden, was sich nun räche.
Betriebsrat und Gewerkschaften wollen in den anstehenden Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich alles daransetzen, die Zahl der Entlassungen zu reduzieren und eine soziale Abfederung für die dennoch Betroffenen zu erreichen. Für viele dürfte es allerdings schwer werden, einen gleichwertigen Arbeitsplatz in der Region zu finden. „Mit jedem weiteren Personalabbau verringert sich die Aussicht, einen adäquaten Job in der Branche zu bekommen”, betont Moos. Der Gewerkschafter verweist auf Massenentlassungen und Betriebsschließungen, die die Rhein-Main-Region bereits in den vergangenen Jahren erlebt hat. „Die Schließung von Druckereien in Darmstadt und Mainz, die Insolvenz der Frankfurter Rundschau und der Nachrichtenagentur dapd – ein Stellenabbau in diesen Dimensionen ist kaum zu kompensieren.”

Kündigungen bei der FAZ

Hinzu kommt nun auch noch die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Deren Verlagsleitung kündigte am 16. September an, in den kommenden drei Jahren bis zu 200 Stellen zu streichen – 40 davon in der Redaktion. In den Verlagsbereichen, wo 160 Jobs zur Disposition stehen, seien auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Das Flaggschiff der konservativen Presse müsse seine „Strukturkosten der veränderten Erlössituation anpassen”, erklärte FAZ-Chef Thomas Lindner. Bis 2017 wolle das Unternehmen jährlich mehr als 20 Millionen Euro einsparen.
Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, nennt die Abbaupläne von FAZ und Darmstädter Echo „ein fatales Signal für den Journalismus”. Zeitungen hätten als Träger der Pressefreiheit eine Verantwortung. „Wenn statt in gute Inhalte und zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu investieren, die Axt bei Vielfalt und Qualität angelegt wird, schadet das den Unternehmen, der Branche und der Gesellschaft als Ganzes.”

 

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