Streik in vier großen ARD-Anstalten

Foto: Christoph Boeckheler

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) erhöht deutlich den Druck auf mehrere große ARD-Sender in den laufenden Tarifverhandlungen. Bereits seit Mittwochmorgen finden Streiks im WDR und im SWR statt, von Donnerstag (18. Juni 2026) an auch im BR und im NDR.

„Die Arbeitskämpfe sind die richtige Antwort darauf, dass es die Senderleitungen offenbar vorziehen, die Leistungen ihrer Rundfunkbeschäftigten komplett zu missachten“, sagte Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, am Donnerstag. „Die Beschäftigten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben keinerlei Verständnis mehr für Angebote ihrer Arbeitgeber, die Reallohnverluste bedeuten. Das machen die zeitgleichen Streiks in allen vier aktuell in Tarifverhandlungen stehenden Sendern deutlich. Ich empfehle den Intendanzen dringend, das Signal zu verstehen.“

Senderleitungen auf Irrwegen

Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent Honorar- und Gehaltserhöhungen, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zuletzt hatten die Rundfunkanstalten WDR, BR, SWR und NDR allerdings eine Laufzeit von 35 Monaten vorgeschlagen, mit jährlichen Steigerungen der Tarife zwischen ein und höchstens zwei Prozent. „Ein Angebot mag man das kaum nennen“, sagte Schmitz-Dethlefsen. „Die Senderleitungen sind auf Irrwegen unterwegs.“

Überall in der ARD bleiben die Angebote zu Tariferhöhungen deutlich unter dem vorbildgebenden Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst und schöpfen auch die von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) aufgestellte Steigerung der Personalkosten nicht aus. Die KEF hatte für die ARD-Sender jährliche Steigerungen von rund 2,5 Prozent für 2026 und von je 3,0 Prozent für 2027 und 2028 vorgesehen, erklärte ver.di-Vorstandsmitglied Schmitz-Dethlefsen. Stattdessen bot etwa der BR lediglich Steigerungen von 1,23 Prozent ab Juli 2026 plus einem Prozent ab Juni 2027 und einem weiteren Prozent ab April 2028 an – und das bei einer um acht Monate längeren Laufzeit als im öffentlichen Dienst.

Kritik an Sparmaßnahmen und Programmeinschränkungen

„Das macht unterm Strich weniger als die Hälfte dieses Vergleichsabschlusses aus“, kritisierte Schmitz-Dethlefsen: „Das ist komplett inakzeptabel.“ Der Gewerkschafter kritisierte darüber hinaus die jüngsten Sparmaßnahmen und Programmeinschränkungen zu Lasten der Rundfunkschaffenden und des Publikums und nannte es unverständlich, warum die Intendanzen über das Thema Personalversetzung innerhalb der ARD nicht gemeinsam mit ver.di sprechen wollten – obwohl es zu einer einheitlichen Lösung kommen soll.


Die nächsten Verhandlungstermine sind im NDR am 26 Juni, im SWR am 30. Juni und im WDR am 1. Juli.

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