Buchtipp: Gründen Medienfrauen anders?

In Deutschland sind rund ein Drittel aller Selbstständigen Frauen, ihre Anzahl an den Gründern steigt seit Jahren kontinuierlich. Doch welchen Widerständen und Hürden begegnen angehende Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen? Und: Gründen Frauen eigentlich anders als Männer – und wenn ja, warum? Antwort auf diese Fragen will die Untersuchung „Female Founders in der Games- und Medienbranche“ der Medienwissenschaftlerin Dr. Sabine Hahn liefern.

Buchcover

Aufgrund ihres wissenschaftlichen Werdegangs hat sich die Autorin entschieden, mit qualitativen Forschungsmethoden zu arbeiten, die nicht auf objektives Faktenwissen zielen, sondern auf der Kommunikation zwischen Autorin und den ausgewählten Personen beruhen. Dafür hat Hahn in ihrem Buch sechs Expertinnen und Experten aus dem Games- und Medienbereich, fünf Gründerinnen aus der Games-Branche sowie fünf Gründerinnen aus der Medienbranche interviewt. Die Ergebnisse fasst sie im Anschluss in einer vergleichenden Betrachtung zusammen.

Anspruch der Untersuchung ist es demnach nicht, repräsentative und quantitative Aussagen zu treffen, zumal eine ursprünglich geplante qualitative Online-Befragung zur Ermittlung repräsentativer Daten der Gründerinnen aufgrund von Ressourcenmangel nicht umgesetzt werden konnte. Vielmehr will die Autorin anhand der exemplarischen Gründungsgeschichten sowie der Perspektive der Experten herausarbeiten, ob und wenn ja, welche Unterschiede es zwischen Gründerinnen und Gründern innerhalb der Games- und Medienbranche gibt.

Und das gelingt ihr durchaus. In den Expert*innengesprächen unter anderem mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Mediengründerzentrum NRW oder dem Cologne Game Lab kristallisieren sich neben sehr differenzierten Meinungen auch zahlreiche Einschätzungen heraus, die von fast allen geteilt werden. Darunter insbesondere, dass Frauen weniger gründeten, es in Deutschland nach wie vor an ausreichenden Förderstrukturen fehle, dass Frauen oft als Solo-Selbstständige sowie langsamer, nachhaltiger und damit langfristig erfolgreicher gründeten als Männer.

Die meisten dieser Aussagen bestätigen sich auch in den Interviews mit den Gründerinnen selbst. Vor allem der fehlende oder zumindest andere „Zugang zu Kapital“ sowie – was die „Gründerpersönlichkeit“ betrifft – höhere Risikoaversion, doch dafür die Fähigkeit, besser als Männer langfristig und nachhaltig planen zu können, werden von den meisten Frauen ebenfalls genannt. Gefragt nach den Rahmenbedingungen, die sich ändern müssten, um mehr Frauen zur Selbstständigkeit zu ermutigen, wünschen sich die meisten der interviewten Gründerinnen mehr weibliche Vorbilder, mehr Selbstbewusstsein der Frauen selbst und außerdem konkrete Maßnahmen wie Mentoring- und Förderprogramme sowie bessere Förderstrukturen.

Leider leidet das Buch unter seinem schlechten Lektorat. Viele zum Teil sinnentstellende oder gar -verfälschende Fehler stören den Lesefluss erheblich. So spricht die Autorin im Vorwort von einem seit Jahren stagnierenden Anteil gründender Frauen, um nur wenige Seiten danach in der Einleitung anhand von Quellen darzulegen, dass die Anzahl von Frauen unter den Gründern seit rund 15 Jahren steigt. An nicht wenigen Stellen finden sich Sätze wie: „Dies hängt die Tatsache zusammen, dass Gründungen innerhalb der Games-Branche zumeist eine substantielle finanzielle Förderung benötigen…“. Stilistisch gewöhnungsbedürftig aufgrund zahlreicher Redundanzen und Doppelungen sowie fehlender Kausalzusammenhänge ist zudem vor allem das dritte Kapitel über die Grundlagen von Unternehmensgründung und Unternehmensführung in der Games- und Medienbranche.

Wer sich davon nicht beirren lässt, kann trotzdem Erkenntnisse gewinnen. Die persönlichen Erfahrungen und das Expertenwissen der im Buch zu Wort kommenden Gesprächspartner*innen dürften vor allem für Frauen interessant sein, die sich selbst mit dem Gedanken tragen, ein Unternehmen zu gründen oder sich selbstständig zu machen. Und so sieht es wohl auch die Autorin, die in der Einleitung betont: „Insofern sind die hier exemplarisch skizzierten Gründungsgeschichten auch als Orientierungsrahmen zu verstehen – und eventuell sogar auch als Impuls für die eigene Gründung.“


Sabine Hahn, Female Founders in der Games- und Medienbranche, Experteninterviews und Erfolgsgeschichten: Gründerinnen berichten über ihren Weg, ISBN 978-3-662-57832-2

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