Aktion für Janbolat Mamai, Kasachstan

Bewährungsstrafe für Regierungskritik

Den 10. April 2023 wird Janbolat Mamai (auch: Zhanbolat Mamay geschrieben) nicht vergessen. An diesem Tag verurteilten Richter in Kasachstan den Journalisten und Regierungskritiker zu einer sechsjährigen Bewährungsstrafe. Die ge­gen ihn erhobenen Vorwürfe, für die er schuldig gesprochen wurde, dienen alle dazu, ihn mundtot zu machen. Sie lauten auf „Beleidigung eines Regierungsvertreters“, „Verbreitung falscher Informationen“ und das “Organisieren von Massenunruhen“.

Über die Bewährungsstrafe hinaus werden durch Auflagen meh­rere grundlegende Rechte von Janbolat Mamai eingeschränkt. So sind ihm jede journalistische Tätigkeit sowie das Bloggen und die Nutzung von sozialen Medien untersagt worden, offensichtlich mit dem Ziel, seine politischen Meinungen zu unterdrücken. Auch darf er sich weder politisch noch gemeinnützig betätigen, was auf seine Position als Vorsitzender der – offiziell nicht registrierten – Demokratischen Partei Kasachstans zielt. Darüber hinaus wurde seine Bewegungsfreiheit beschränkt. Sollte Janbolat Mamai ge­gen die Auflagen verstoßen, droht ihm eine Haftstrafe.

Mamai war Chefredakteur der mittlerweile eingestellten Zeitung „Tribuna“. Im Februar 2022 wurde er festgenommen, einerseits we­gen Veröffentlichungen aus dem Jahr 2021, andererseits wegen der Organisation einer Mahnwache zur Erinnerung an die Opfer von Unruhen im Januar 2022, die nach der Erhöhung von Treib­stoffpreisen aufgekommen waren. Mamai hat erklärt, dass seine Teilnahme an den Protesten friedlich war und dass er keine fal­schen Informationen verbreitet oder jemanden beleidigt habe. Im Zuge der Unruhen wurden zu Jahresbeginn 2022 Journalist*innen festgenommen, das Internet blockiert und digitale Kommunikationswege abgeschaltet. Amnesty International ist der Überzeugung, dass Janbolat Mamai lediglich wegen der Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung angeklagt und verur­teilt wurde.

Was können Sie tun? Schreiben Sie an den kasachischen Präsi­denten und fordern Sie, dass sichergestellt wird, dass der Jour­nalist Janbolat Mamai (Zhanbolat Mamay) seine journalistische und politische Tätigkeit ungehindert ausüben kann. Dringen Sie darauf, dass alle Auflagen gegen ihn bedingungslos fallengelas­sen werden.

Schreiben Sie auf Russisch, Englisch oder deutsch an:

President

Kassym-Jomart Tokayew

Government House

Mangilik Yel St, 6

Astana

KASACHSTAN

Fax: 00 7 – 71 72 74 56 31,

E-Mail: udp@udp-rk.kz

Senden Sie eine Kopie an:

S.E. Herrn Nurlan Onzhanov

Nordendstraße 14–17

13156 Berlin

Fax: (030) 47 007 125

E-Mail: berlin@mfa.kz

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Gaza: Anhaltende Kritik am Zugangsverbot

Für die Internationale Journalisten-Föderation (IJF) ist das seit Oktober 2023 geltende Zugangsverbot für internationale Journalist*innen zum Gazastreifen ein Gegenstand anhaltender Kritik. Auch deutsche Medien sind auf zensierte Informationen des israelischen Militärs und auf Zuarbeit vor Ort lebender Kolleg*innen angewiesen. Diese leben mit ihren Familien unter ständiger Lebensgefahr.
mehr »

EU will Urheberrecht besser schützen

Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments hat den sogenannten Voss-Bericht „Urheberrecht und generative künstliche Intelligenz – Chancen und Herausforderungen“ vorgelegt. Er sei, erklärt die IT-Rechts-Anwältin Lina Böcker bei urheber.info, eine „Zeitenwende für das Urheberrecht“.
mehr »

Portugiesen publizieren in Eigenregie

Aufgeben ist keine Option. „Als der Verlag bankrott ging, machten wir weiter“, erklärt Rui Tavares. „Wir“ das sind neben dem 64-jährigen Chefredakteur der politischen Wochenzeitschrift in Portugal - Visão - 11 weitere Redakteure.
mehr »

Als deutsche Reporterin im Iran

Die ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ist zuständig für die Berichterstattung aus der Türkei und dem Iran. Sie ist eine der wenigen westlichen Journalisten, die im Iran vor Ort ist. Mit M sprach sie über die Proteste im Iran und wie sie darüber berichtet.
mehr »