Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.

Das geht Simon Berlin gehörig auf die Nerven. Der Journalist betreibt zusammen mit seinem Kollegen Martin Fehrensen seit mehr als zehn Jahren den Social Media Watchblog und beschäftigt sich unter anderem mit KI-Themen. „Ich bin allerdings kein KI-Hater“, stellt Berlin klar. „KI birgt nicht nur Gefahren, sondern ermöglicht, vereinfacht und beschleunigt bestimmte Prozesse.“

Die Gefahren dürfen seiner Ansicht nach allerdings auch nicht verschwiegen werden. Denn sonst wiederholten sich negative Entwicklungen, die aus dem Bereich Social Media bereits bekannt seien. „Big Tech schafft Fakten, ohne Grenzen zu bekommen. Es gibt keine Instanz, die Verantwortung trägt.“ Wobei es die eine verantwortliche Stelle auch gar nicht geben kann,“ meint Berlin. Politik, Wissenschaft und letztlich alle Menschen, die im Netz unterwegs sind, sind verantwortliche Akteure.

„Die Politik sollte sich die Dinge erst einmal anschauen, um zu verstehen, wo Regeln notwendig und sinnvoll sind“, und sowas benötige eben Zeit, erklärt der Netzexperte. Doch genau diese Zeitdimension verschiebt sich gerade durch KI. Alle paar Monate erblicken neue, leistungsfähigere KI-Modelle das Licht der Welt. Haben Fachleute einige der Gefahren im Ansatz erkannt, fehlt die Zeit, um darüber nachzudenken und zu erforschen, was gerade passiert.

Es gibt reale gesellschaftliche Gefahren durch KI-generierte Fake-Videos oder -Bilder, die beispielsweise zum Zweck der politischen Propaganda generiert werden, den Algorithmus über Social Media füttern und die Emotionen der Menschen in Wallung versetzen. KI hat bereits gezeigt, die Technologie verfügt über ausreichendes Potential, um Hass im Netz zu beschleunigen. Damit normalisiert sich in der Gesellschaft diese hyperemotionale Form der Auseinandersetzung immer mehr.

Menschliche Kreativarbeit kann zum Gütesiegel werden

Als wäre das noch nicht schlimm genug, bedroht KI ganze Berufszweige vor allem im Kreativbereich. „Wir erleben gerade, wie schamlos KI-Betreiber mit den Themen Datenschutz und Urheberrecht umgehen.“ Hier brauche es dringend Lösungen, meint Simon Berlin. Gerade im menschlichen Faktor erkennt der Journalist allerdings auch ein wenig Hoffnung. „Menschliche Kreativarbeit kann sich wegen KI zu einer Art Gütesiegel entwickeln, das halte ich durchaus für ein realistisches Zukunftsszenario“, betont Berlin. Die US-amerikanische Autorengilde klebt bereits entsprechende Sticker auf den Titel von Büchern: „Human authored“, also übersetzt, „Von Menschen verfasst“. Gleichzeitig versuchen Forschende Methoden zu entwickeln, um KI-generierte Inhalte aufzuspüren. Netzexperte Berlin hält das langfristig für keine ausreichende Lösung: „Es gibt keine verlässlichen Detektoren, um KI aufzudecken. Ob es jemals solche Verfahren geben wird, um KI-Inhalte aufzuspüren, bezweifle ich. Selbst digitale Wasserzeichen könnten bereits überlistet werden.

Europas Chancen liegen in KI-Nischen

Bleibt das Problem der Dominanz der US-Tech-Konzerne. Hier scheint Europa auf den ersten Blick keine Lösungen anbieten zu können. Doch wer genauer hinschaut, findet Beispiele wie Mistral, eine europäische KI-Modell-Alternative oder Black Forest Labs, ein KI-Bildgenerator aus dem Schwarzwald.

„Braucht es überhaupt ein europäisches Grundlagenmodell?“, fragt sich Simon Berlin und richtet seinen Blick auf die künftige Rolle europäischer Anbieter im Bereich KI. „Vielleicht können europäische KI-Unternehmen auch in Nischen wachsen und gedeihen, indem sie beispielsweise bestehende KI-Modelle verbessern“, schlägt der Netzexperte vor, um den US-Giganten etwas entgegenzusetzen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Drei Fragen: Altersversorgung von Filmschaffenden

Für alle Beschäftigten vor und hinter der Kamera soll ab Beginn des Jahres 2027 einheitlich die tarifvertragliche betriebliche Altersversorgung gelten. Dafür hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zusammen mit der Produktionsallianz und der Schauspielgewerkschaft BFFS die Allgemeinverbindlichkeit beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) beantragt.
mehr »

Weniger Frauen in Führungspositionen

Der Frauenmachtanteil in den deutschen Leitmedien ist laut Pro Quote Medien erneut gesunken. Das zeigt eine neue Leitmedienzählung. Der gewichtete Frauenmachtquotient liegt aktuell bei  37,3 Prozent – ein weiterer Rückgang um 0,2 Prozentpunkte gegenüber Januar 2026.
mehr »

Altersvorsorge für Filmschaffende

Für jede fiktionale Filmproduktion, die als Kinofilm, Film und Serie im Fernsehen oder in Streamingdiensten erscheint, soll für alle Beschäftigte vor und hinter der Kamera ab Beginn des Jahres 2027 einheitlich die tarifvertragliche betriebliche Altersversorgung für Filmschaffende gelten. Der dazu für die Branche vereinbarte Tarifvertrag besteht bereits seit gut einem Jahr.
mehr »

Journalist weiter in syrischer Haft

Zivilgesellschaftliche Gruppen rufen dazu auf, sich weiter für die Freilassung des kurdischen Journalisten Ahmet Polad einzusetzen. Er war im Januar gemeinsam mit seiner deutschen Kollegin Eva Maria Michelmann  in der nordsyrischen Stadt Raqqa verschwunden. Seit dem 19. Juni 2026 ist Michelmann wieder in Köln. Polad ist weiter in Haft.
mehr »