Wenn Redakteurinnen streiken

Foto: ver.di

Am 10. März blieben bei den Tageszeitungen Taz und nd – der Tag einige Seiten weiß. In beiden Redaktionen hatten sich Journalistinnen aber auch Lektorinnen und andere Mitarbeiterinnen am 9. März am  FLINTA* -Streik beteiligt und die Arbeit niedergelegt.

Der Initiative zum sogenannten Streik kam von mehreren feministischen Initiativen. Sie riefen dazu auf, im Anschluss an den Internationalen Frauentag, den 8. März, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel,  am Folgetag die Arbeit niederzulegen.

FLINTA*

steht für Frauen, Lesben, Inter Menschen, Nichtbinäre Menschen, Trans Menschen und Agender Menschen. Die Abkürzung existiert in verschiedenen Varianten.

Sowohl Lohn- als auch Care-Arbeit sollten am 9. März Männer übernehmen. „Die kollektive Verweigerung soll auf noch immer bestehende Ungleichheiten in Lohn, Rechten und vielen weiteren Aspekten aufmerksam machen“, schrieb das Streikkomitee der Taz. Statt Texte zu schreiben oder zu redigieren, trafen sich die Streikenden am 9. März in der Taz-Kantine zur Diskussion.

Dort wurde auch an den erfolgreichen Streik der Taz-Frauen 1980 erinnert, mit der sie eine Frauenquote in der Redaktion der damaligen Zeitung der Alternativbewegung durchsetzen und damit Geschichte schrieben. Erst viele Jahre später wurde auch bei Parteien und Gewerkschaften  über die Frauenquote diskutiert. Am Montag stellten die Streikenden in der Taz einen Katalog mit unterschiedlichen Forderungen auf. Dazu gehört mehr Lohntransparenz. Andere forderten, transfeindliche Inhalte in der Zeitung  zu unterbinden. Die Frage, ob es auch in der Taz-Redaktion männerdominierte Machtstrukturen, eine sogenannte  Bro-Culture,  gibt, wurde auf dem Streikplenum durchaus kontrovers debattiert. Die Leser*innen können die Debatte in der Taz vom 10. März digital nachlesen.

In der aktuellen Ausgabe gibt es nur wenige weiße Stellen. Dort steht dann der kämpferische Hinweis: „Hier steht heute alles still. Wir sind beim FLINTA*Streik“. Doch in vielen Beträgen setzen sich auch die männlichen Redakteure differenziert und meistens solidarisch mit den Forderungen und der Kritik ihrer Kolleg*innen auseinander

Hier streikt eine Redakteurin

Auch in der Ausgabe von nd-der Tag vom 10. März findet man auf mehreren  Seiten weiße Flächen mit dem Hinwies. „Hier streikt eine Redakteurin“. Auf der ersten Seite wird in einem Kommentar betont: „Das ist kein neuer Layout-Trend, dem wir hier hinterherhecheln, sondern politischer Kampf in Reinkultur. Zur Solidarität gehört, offen zu zeigen, was dem »nd« ohne seine Frauen fehlt.“ Der Streik und seine Thematisierung in den den Zeitungen hat auch zu einer lebhaften Debatte in den sozialen Netzwerken geführt. Es überwiegen dabei die positiven Reaktionen, die in dem Streik einen wichtigen Beitrag zur Thematisierung patriarchaler Strukturen auch in den Redaktionen  sehen. Es wird die Hoffnung geäußert, dass sie auch nach dem 8. und 9. März weitergeht.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Leben ohne Thüringer Lokalzeitung 

Ostthüringen ist im Jahr 2023 von der Funke-Mediengruppe zur „Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums“ erklärt worden. Der Verlag stellte die Zustellung der Printausgabe der Ostthüringer Zeitung in elf Gemeinden rund um Greiz ein. Thomas Schnedler und Malte Werner vom Netzwerk Recherche haben die Folgen untersucht. Die Ergebnisse finden sich im Abschlussbericht „Lückenfüller –Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »

Weltweite Solidarität mit der Deutschen Welle

Journalistengewerkschaften und -verbände aus der ganzen Welt haben beim Jubiläumskongress der International Federation of Journalists (IFJ) in Paris ihre Solidarität mit den Beschäftigten der Deutschen Welle erklärt und Bundeskanzler Merz, Kulturstaatsminister Weimer, den Deutschen Bundestag und den Rundfunkrat der DW aufgefordert das Sparprogramm zu stoppen.
mehr »

Berichten wo es ungemütlich ist

In autoritär regierten Staaten geraten auch ausländische Medienschaffende zunehmend unter Druck: Einreiseverbote, die Verweigerung von Visa und andere Repressionen erschweren die Arbeit von Korrespondent*innen. In vielen Fällen bleibt ihnen nur noch die Berichterstattung aus dem Ausland ohne direkten Zugang zum Land selbst.
mehr »