Zukunftsoffensive für COSMO

Foto: pexels deb

Über 500 Organisationen, darunter die dju in ver.di, fordern bundesweite Zukunftsoffensive für ARD-Programm COSMO. Der WDR benennt seine  Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Ein einmaliges Großbündnis warnt die ARD davor, einen großen Teil der migrantischen Bevölkerung zu vernachlässigen.

Mehr als 500 migrantische Organisationen sowie weitere Unterstützende aus Kultur, Wissenschaft und Politik wollen das faktische Aus des einzigen interkulturellen und mehrsprachigen ARD-Radioprogramms COSMO zum 1. April 2027 nicht akzeptieren. In einem am 11. Juni veröffentlichten offenen Brief an alle Intendantinnen und Intendanten der ARD fordert die Allianz den sofortigen Stopp der Streichpläne. Das von den Neuen deutschen Medienmacher*innen initiierte Bündnis fordert statt einer Abwicklung eine bundesweite Zukunftsoffensive: COSMO soll zum starken, bundesweiten ARD-Gemeinschaftsprogramm ausgebaut werden.

Es ist ein historischer Moment: Noch nie hat sich die deutsche Einwanderungsgesellschaft in dieser Breite und Geschlossenheit für medienpolitische Forderungen zusammengeschlossen. Mehr als ein Viertel der Menschen in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Der offene Brief vereint große bundesweite Dachverbände wie die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO), Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst), den Bundesverband russischsprachiger Eltern, die neuen deutschen Organisationen (ndo) und die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD).

Flankiert wird das Bündnis von einer enormen gesellschaftlichen Breite: Von der Initiative 19. Februar, der Bildungsinitiative Ferhat Unvar, der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) über den Bundesverband der Deutsch-Polnischen Gesellschaften, kurdische Initiativen, Verbände der Sinti und Roma bis hin zu italienischen Comites. Auch Stimmen aus Medien, Kultur, Wissenschaft und Politik, darunter die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, das Grimme Institut und der Deutsche Musikrat, unterstützen den Appell.

COSMO: Ein unersetzbarer Raum gegen gesellschaftliche Polarisierung

In Zeiten eines erstarkenden Rechtsextremismus fehlt die ARD dort, wo sie gebraucht wird. Fällt COSMO weg, schrumpft der einzige interkulturelle, mehrsprachige Raum für diverse Perspektiven und ein unverzichtbarer Schutzschild gegen Desinformation.

Drei Kernforderungen an die ARD

Das Bündnis fordert transparente Antworten auf strategische Kernfragen:

  1. Ausbau statt Abwicklung: COSMO muss als ARD-Kooperationsprogramm mit bundesweiter Reichweite weiterentwickelt werden – als modernes crossmediales Angebot für eine vielfältige Gesellschaft. Dazu gehört auch, dass muttersprachliche Angebote im öffentlich-rechtlichen Radio weiterhin sichtbar und hörbar bleiben.

  2. Transparenz bei der Reichweite: Die ARD muss zeitnah darlegen, wie sie feststellt, ob und wie sie im Sinne ihres Auftrags die Bevölkerung mit Migrationsgeschichte erreicht und wie sie dies evaluiert.

  3. Strukturelle Verankerung: Die ARD muss erklären, welche Rolle die plurale Einwanderungsgesellschaft in ihrer Gesamtstrategie hat.


Mehr zum Thema Rundfunkreform und Radio

Cover M Testbild
Reform des ÖRR M4/2024
nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

ver.di übt Kritik an ZDF-Intendant

Der Vorgang der Ausladung der Musiker Igor Levit und Danger Dan aus der 100. Ausgabe des Satire-Magazins „Die Anstalt“ (Sendetermin am 21. Juli 2026) wirft große Wellen. Der Auftritt wurde durch eine kurzfristige Entscheidung des ZDF-Intendanten Norbert Himmler verhindert. Daran übt auch der ver.di-Bundesvorstand starke Kritik.
mehr »

Politische Ausladung: ZDF sagt Auftritt ab

Ein neues Lied von Igor Levit und Danger Dan heißt "Keine Angst" und erscheint zum 17. Juli 2026. Es handelt vom möglichen Widerstand gegen eine zunehmende politische und gesellschaftliche Faschisisierung, wie sie weltweit und auch in Deutschland zu beobachten ist. Ein Auftritt der Künstler mit dem Song sollte ebenfalls für die 100. Sendung von "Die Anstalt" aufgezeichnet werden, die am 21. Juli 2026 erscheint. Dann lud das ZDF Danger Dan und Igor Levit kurzfristig aus.
mehr »

RSF: Kritik an Reform der Nachrichtendienste

Die Bundesregierung möchte dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) deutlich mehr Befugnisse einräumen, das hat sie am 14. Juli 2026 in einer 700-seitigen Stellungnahme dargelegt. Der Schutz von Journalist*innen und ihren Quellen wird darin systematisch abgebaut, kritisiert Reporter ohne Grenzen (RSF). Und das ist nur ein Kritikpunkt an der Reform, die an anderer Stelle als "unanständig" kritisiert wurde.
mehr »

Österreichs „Standard“ in Deutschland

Kann eine österreichische Tageszeitung im zehnmal größeren deutschen Markt bestehen? Während viele Medienhäuser bei Expansionsversuchen viel Geld investierten und scheiterten, verfolgt der Wiener „Standard“ seit Jahren einen anderen Weg. Die deutsche Website derstandard.de ist weniger Angriff auf etablierte Anbieter als vielmehr ein strategisches Versuchslabor. Dort testet der Verlag Technologien, Geschäftsmodelle und digitale Strategien – mit erstaunlichen Erkenntnissen.
mehr »