dju: Journalistischen Schutz verteidigen

Die Bundesregierung versucht Redaktionsgeheimnis und Quellenschutz auszuhöhlen. Journalistische Berufsverbände wehren sich. Bild: pixabay/lacarabeis

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert den am heutigen Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedeten Entwurf zur Reform des Nachrichtendienstrechts. Der Entwurf senkt die Hürden für die Überwachung journalistischer Kommunikation und schwächt zugleich die Kontrolle der Nachrichtendienste.

„Der BND soll künftig leichter im Inland operieren können, ohne sich dabei denselben Kontrollmechanismen stellen zu müssen, wie etwa die Polizei“, sagt Lars Hansen, dju-Co Vorsitzender. „Journalist*innen sind Berufsgeheimnisträger*innen. Vertrauliche Kommunikation und ein wirksamer Quellenschutz sind unverzichtbare Voraussetzungen für investigative Recherchen. Wenn diese Schutzrechte ausgehöhlt werden, ist das eine unmittelbare Gefährdung der Pressefreiheit“, erklärt der Gewerkschafter.

Die dju ver.di hat als Teil eines breiten Medienbündnisses eine Stellungnahme zum Gesetzentwurf eingereicht. Diese fordert klare Grenzen und eine unabhängige Kontrolle der Nachrichtendienste. Journalist*innen, ihre Kommunikation und ihre Quellen müssten wirksam geschützt bleiben.

Das Bündnis beruft sich auf klare verfassungsrechtliche Vorgaben betreffend diesen Schutz sowie den des Redaktionsgeheimnisses. Journalist*innen dürfen demnach nicht anders als andere Grundrechtsträger behandelt beziehungsweise stärkerer Überwachung ausgesetzt werden. Auch Redaktionen und Verlage beziehungsweise Medienhäuser als Institutionen sowie die digitalen Publikations- und Rechercheinfrastrukturen müssen in diesen Schutz einbegriffen sein.

„Journalist*innen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur demokratischen Kontrolle staatlichen Handelns. Wer die Überwachung ausweitet und gleichzeitig die Kontrolle der Nachrichtendienste schwächt, gefährdet diese Funktion. Das ist nicht hinnehmbar“, sagt Hansen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmtipp: Vaterland

Der optisch wie inhaltlich gleichermaßen faszinierende polnisch-deutsche Film „Vaterland“ erzählt von Thomas Manns erstmaliger Rückkehr in die einstige Heimat nach 16 Jahren im amerikanischen Exil. Mit Hanns Zischler ist die Hauptrolle perfekt besetzt. Sandra Hüller bestätigt als Tochter Erika einmal mehr ihre Ausnahmestellung unter den deutschen Schauspielerinnen.
mehr »

Eine pressefeindliche Partei

Einschüchterung, Schikane und körperliche Gewalt: Die dju in ver.di dokumentiert einen massiven Anstieg von Angriffen und Behinderung von Journalist*innen im AfD-Wahlkampf Sachsen-Anhalt. Dort gab es allein in den vergangenen drei Wochen 25 pressefeindliche Vorfälle. ver.di kritisiert auch das Verhalten der Polizei.
mehr »

Propaganda: Die Macht der Beeinflussung

Das kommunikative Verwirrspiel von Populisten ist weltweit in vollem Gange. Sie sehen sich als alleinige Vertreter des „Volkswillens“ und versuchen, ihre politischen Gegner als verschwörerischen Feind zu diskreditieren, indem sie ihm die hinterlistige Manipulation der gesamten Bevölkerung unterstellen. Mit rationalen Argumenten lässt sich dagegen in der Regel nicht ankommen.
mehr »

Bundesregierung muss Pressefreiheit respektieren

Zum bevorstehenden Start der Sitzungszeit des Bundestags nach der Sommerpause appelliert die Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (dju in ver.di) an die Parlamentarier*innen, Presse- und Medienfreiheit engagiert zu stärken.
mehr »