Deutsche Journalistin in syrischer Isolationshaft

Eva Maria Michelmann und Ahmed PoladFoto: privat

Am 18. Januar war die für kurdische Medien schreibende Journalistin Eva Maria Michelmann verschwunden. Jetzt wurde enthüllt, dass sie in Aleppo inhaftiert ist. Ihre Angehörigen sind jedoch weiterhin besorgt.

Für die Freund*innen und Angehörigen war es ein Augenblick der Erleichterung. Schließlich war sie seit mehr als drei Monaten spurlos verschwunden. Augenzeug*innen hatten berichtet, dass Michelmann mit ihrem kurdischen Kollegen Ahmet Polat am 18. Januar 2026  in der syrischen Stadt Raqqa in ein Militärfahrzeug gebracht wurden, das Verbänden der syrischen Übergangsregierung zugerechnet wurde. Sie hatten das Gebiet der kurdischen Selbstverwaltung besetzt. Bei dieser Offensive waren auch Hunderte anderer Menschen von den Milizen gefangen genommen worden. Michelmann und Polat arbeiten für kurdische Medien. Weil die Kontakte zwischen den von der syrischen Übergangsregierung eroberten Gebieten abgebrochen waren, wurde das Verschwinden der beiden Journalist*innen erst Wochen später bekannt. Angehörige und Freund*innen organisierten eine öffentliche Kampagne, um Auskunft über den Verbleib von Michelmann und Polat zu bekommen. Diesem Engagement ist zu verdanken, dass jetzt der Aufenthaltsort der beiden Journalist*innen bekannt wurde.

Botschaftskontakt zu Michelmann

Freigelassene Kämpfer*innen der kurdischen Selbstverwaltung SDF berichteten, dass sie in Aleppo in gleichen Gefängnis wie Michelmann und Polat inhaftiert waren. Sie sprachen davon, dass sich unter den 40 Frauen, die noch im Gefängnis in Aleppo inhaftiert sind, auch eine deutsche Journalistin befindet. Am 23. April konnte eine Vertreterin der deutschen Botschaft in Damaskus die Inhaftierte im Gefängnis besuchen.

Antonius Michelmann, der Bruder der Journalistin, sagte im Gespräch mit M. „Wir konnten ihren Aufenthaltsort aufklären – trotz menschenrechtswidriger Isolationshaft und Verleugnung durch das syrische Regime.“ Doch Michelmann äußerte auch die Besorgnis, dass seine Schwester und ihr Kollege weiterhin äußerst rigiden Haftbedingungen ausgesetzt sind. „Wir werden die gemeinsamen Bemühungen von Familie und Freund*innen darauf konzentrieren, Kräfte für ihre Freilassung zu mobilisieren“. Michelmann äußerte Kritik an der syrischen aber auch der deutschen Regierung.

„Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass mit so einem Regime eine Hunderte Millionen Euro schwere Zusammenarbeit aus Deutschland und der EU stattfindet und sogar dorthin abgeschoben werden soll“, sagt er. Auch für den Rechtsanwalt Roland Meister, der die Angehörigen von Michelmann vertritt, ist angesichts der vorliegenden Beweise die Schutzbehauptung nicht mehr haltbar, dass die syrische Regierung nichts mit dem Verschwinden der Journalist*innen zu tun habe. Auch für Meister ist klar, dass Michelmann und Polat sofort freigelassen werden müssen. „Schließlich ist Journalismus kein Verbrechen“.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

DW: Mehr Protest gegen Kürzungen

Nun hat auch der Fachbeirat der Deutsche Welle Educational Programs (DW Deutsch lernen) laut dwdl.de in einer Stellungnahme die geplanten Kürzungen im Deutsch-Angebot des Auslandssenders kritisiert und vor massiven Schäden für den Sender gewarnt. Die DW hatte angekündigt, das Budget halbieren zu wollen, was zu großen Protesten geführt hatte.
mehr »

Medien-Appell: „Lasst uns nach Gaza“

In einem offenen Brief an die israelischen Behörden, unterschrieben von etwa 30 Medienvertreter*innen, darunter von „Le Monde“, fordert die International Press Association erneut den Zugang von Journalist*innen zur palästinensischen Enklave, die seit dem 7. Oktober 2023 geschlossen ist, sowie deren Schutz im Gazastreifen.
mehr »

Was bringt der Pressekodex?

Eine Anwältin wird in einer Boulevardzeitung identifizierend an den Pranger gestellt – obwohl sie nichts Unrechtes getan hat. Die Folge: Bedrohungen, eine rechtsextreme Kundgebung vor ihrer Kanzlei, Polizeischutz. Der Deutsche Presserat spricht Monate später eine Rüge aus. Der Schaden ist aber angerichtet.
mehr »

dju kritisiert Verfahrenseinstellung

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Verfahrenseinstellung durch die Staatsanwaltschaft Halle im Zusammenhang mit Angriffen auf Journalist*innen und Begleitschützer. Der Vorfall ereignete sich am Rande der sogenannten Winterakademie des Rechtsextremisten Götz Kubitschek in Schnellroda (Sachsen-Anhalt).
mehr »