Politische Ausladung: ZDF sagt Auftritt ab

Die Musiker Igor Levit und Danger Dan vor dem Münchner ZDF-Gebäude. Bild: Facebook

Ein neues Lied von Igor Levit und Danger Dan heißt „Keine Angst“ und erscheint zum 17. Juli 2026. Es handelt vom möglichen Widerstand gegen eine zunehmende politische und gesellschaftliche Faschisisierung, wie sie weltweit und auch in Deutschland zu beobachten ist. Ein Auftritt der Künstler mit dem Song sollte ebenfalls für die 100. Sendung von „Die Anstalt“ aufgezeichnet werden, die am 21. Juli 2026 erscheint. Dann lud das ZDF Danger Dan und Igor Levit kurzfristig aus.

Vom ZDF heißt es, die beiden Musiker seien für die 100. Ausgabe von „Die Anstalt“ eingeladen gewesen, Diese setze sich „mit dem Themenkomplex der wachsenden politischen Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie“ auseinander. Es sei auch eine „diskursive Befassung damit geplant“ gewesen.

Aber es kam anders. Da der Text des Liedes „als Aufruf zu Gewalt verstanden werden“ könne, heißt es in der ZDF-Erklärung, die am 16. Juli 2026 veröffentlicht wurde, und dies im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF stünde, habe „die intensive redaktionelle Bewertung, in die auch die Geschäftsleitung des ZDF involviert war“ ergeben, „dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht aufzulösen“ gewesen sei. Man habe sich „dazu entschieden, sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten“. Der Auftritt in „Die Anstalt“: abgesagt.

Politische Ausladung

Die Musiker Igor Levit und Danger Dan erklärten dazu am Nachmittag des 15. Juli 2026, man habe sie kurz vor dem Auftritt ausgeladen, dabei habe das Lied dem ZDF schon seit Wochen vorgelegen. „Auch der hauseigene Justiziar hatte unseren Informationen nach schon grünes Licht gegeben“. Man wisse, dass die Macher*innen der Sendung selbst gegen die Ausladung protestiert haben.

Der Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit sei skandalös, heißt es weiter. „Dass nicht alle das Lied, das wir spielen wollten, mögen würden, war uns klar“, aber Diskussionen und Debatten seien eben Teil von Demokratie, schreiben die Musiker. Für sie ist der Vorgang gerade angesichts der aktuellen politischen Situation und den Umfragewerten für die rechtsextreme AfD bedeutungsvoll: „Dass wir jetzt aber schon an dem Punkt angekommen sind, an dem eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert, das erschüttert uns und das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt.“

Auch wenn das Lied „Keine Angst“ heiße, löse dies sehr wohl Angst aus, „vor dem, was kommt.“ Gleichzeitig unterstreiche die Zensur die Notwendigkeit, antifaschistische Lieder zu schreiben und auf dem Klavier zu spielen: „Lieder, die wehtun, Lieder, die aufrütteln, Lieder, die Ärger machen, Lieder, für die man dann eben auch Ärger bekommt.“ Die Musiker kündigen an, sich den Song keinesfalls verbieten zu lassen, sondern ihn am kommenden Dienstag zum Sendetermin von „Die Anstalt“ in Berlin zusammen zu spielen.

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