ROG: Mit Minecraft für Pressefreiheit

Es muss nicht immer Horror sein, wenn Computerspiele Realität werden: Blick in die "Unzensierte Bibliothek" von Minecraft und jetzt danke Reporter ohne Grenzen auch unzensierter Artikel. Bild: ROG/ Minecraft

Das Computerspiel Minecraft ist das meistverkaufte Computerspiel aller Zeiten. Reporter ohne Grenzen (ROG) nutzt die sich darin befindliche „Uncensored Library“, eine virtuelle Bibliothek, seit 2020, um zensierte Artikel von Journalist*innen in deren Heimatländern zu verbreiten. Jetzt wurde dort ein neuer Raum eröffnet und es wurden zahlreiche neue Artikel platziert.

Noch, schreibt ROG anlässlich des Tages der Internetzensur am 12. März, gibt es in den USA keine systematische staatliche Zensur. Doch die Regierung unter Donald Trump geht seit ihrem Amtsantritt im Januar 2025 gezielt gegen unabhängige Medien und kritische Berichterstattung vor. Journalist*innen wurden festgenommen, ihre Wohnungen durchsucht. Der Zugang zu öffentlichen Informationen wird erschwert, Regierungswebseiten gelöscht, Medien werden selektiv von Pressekonferenzen ausgeschlossen. Das zunehmend feindselige Klima gegenüber Journalist*innen untergrabe Transparenz und begünstige Selbstzensur, so ROG.

Dokumentation der Regierungszensur

Aus diesem Grund wurde nun in der „Uncensored Library“ ein neuer Raum eröffnet: der USA-Raum. Er soll mit seinen Inhalten den wachsenden Druck auf die Presse- und Informationsfreiheit in den Vereinigten Staaten in den Blick nehmen. Der USA-Raum dokumentiert unter anderem von US-Behörden entfernte Regierungsseiten, bietet journalistische Einordnungen zur Lage der Pressefreiheit und beleuchtet strukturelle Entwicklungen, etwa rund um die Medienaufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC), die Medienunternehmen zunehmend unter Druck setzt, sowie gerichtliche Schritte von Präsident Donald Trump gegen Medienhäuser.

Die Spieler*innen können in dem Raum außerdem einen politischen Cartoon der Pulitzer-Preisträgerin Ann Telnaes sehen, den die Washington Post nicht abdrucken wollte – ein Vorgang, der eine Debatte über die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung auslöste. Der Cartoon zeigt unter anderem Washington-Post-Eigentümer Jeff Bezos, der vor Donald Trump niederkniet.

Neben dem USA-Raum gibt es zudem seit dem 12. März 2026 neue Inhalte in den Räumen zu Ägypten, Belarus, Russland und Iran. Letzterer wurde um einen Text der Journalistin Elaheh Mohammadi ergänzt, die eine der bekanntesten Stimmen im iranischen Journalismus ist. Mohammadi war die Einzige, die über die Beerdigung von Jina Mahsa Amini berichtete, der jungen Kurdin, die im September 2022 in den Händen der iranischen Sittenpolizei ums Leben kam. Für ihre Berichterstattung wurde die Journalistin vom Regime inhaftiert. Die Besucher*innen der „Uncensored Library“ können einen Text von ihr lesen, in dem sie die Bedingungen ihrer Haft im berüchtigten Evin-Gefängnis beschreibt.

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