Beruf Szenenbildner: Jürgen Weiß

Jürgen Weiß, Szenenbildner beim WDR in Köln Foto: Jürgen Seidel

Von der Technik begeistert

Damit WDR-Wahlmoderator Jörg Schönenborn nicht blass wirkt, wenn er im Brennpunkt Wahlergebnisse analysiert, wird er niemals in roter Kulisse auftreten. Damit „Frau tv“ mit Journalistin Lisa Ortgies warm und zugewandt wahrgenommen wird, wird die Kulisse auf klare Lin­ien und Edelstahl verzichten. Für das und noch viel mehr ist Jürgen Weiß verantwortlich. Doch während er früher echte Modelle für eine Kulisse baute, entwirft er heute alles am Rechner als Szenenbildner beim WDR.

Er ist begeistert von der Technik, weil sie dabei behilflich ist, Fehler zu minimieren. „Ich kann die Lichtverhältnisse und die Kameraposition bei der Planung berücksichtigen. Der Rechner sagt mir, was die Kamera sehen wird, und dementsprechend muss die Kulisse gebaut werden“, erläutert er den nachvollziehbaren Vorteil. „Früher habe ich etliche Teile von Kulissen gebaut, um später im echten Einsatz festzustellen, dass die Perspektive nicht stimmte oder die Ausleuchtung nicht funktionieren konnte“, sagt Weiß. Auf diese herkömmliche Weise produziere man viel Ausschuss.

Jürgen Weiß ist 58 Jahre alt und inzwischen seit 30 Jahre in seinem Beruf beim WDR tätig. Während der Beruf des Szenenbildners (Bühnenbild und Szenenbild) in einem Studium gelehrt wird und beim WDR Volontäre genau für dieses Fachgebiet ausgebildet werden, kam Jürgen Weiß eher durch Zufall zu seiner Profession. Denn eigentlich wollte der Kölner Bauingenieur werden und studierte auch kräftig.

Für sein Studium musste er ein halbjähriges Praktikum nachweisen. Die WDR-Werkstätten in Köln-Bocklemünd – zuständig für die Ausstattung aller Studios samt Kulissen – boten sich an, weil hier alle Gewerke vorhanden waren. Vom Maurer bis zum Schreiner. Vom Maler bis zum technischen Zeichner. Jürgen Weiß bekam den Zuschlag für ein Praktikum, „wohl auch, weil ich Bauzeichnungen anfertigen konnte“, sagt er. Denn schon kurz nach Beginn seines Praktikums waren genau diese Fertigkeiten gefragt. Der junge Praktikant, der gerade Pause machte vom Studium, wurde zu Rat gezogen, als es um das Szenenbild für die Kindersendung „Ferien in der Fabrik“ ging. Nicht nur, dass Jürgen Weiß ein Modell der Fabrikhalle baute. Auch seine Zeichnungen für Elemente der Spielshow waren gefragt. Und so wurde aus dem Praktikanten der Szenenbildner.

Jürgen Weiß blieb beim WDR. Er stattete Szenenbilder für Spielfilme aus, richtete Räume ein. Baute Kulissen aus Pappmaché. Und irgendwann hielt die Technik Einzug. „Das ist schleichend passiert“, berichtet der Mann, dessen Arbeitsplatz ein normales Büro mit drei Monitoren, Tastaturen und Trackpads ist. Jürgen Weiß war und ist immer noch technikbegeistert. Er fand die Möglichkeit, 3-D-Modelle am Rechner entstehen zu lassen, spannend. Er blieb dabei und hat den Schritt in die digitalisierte Variante seiner Arbeit nie bedauert. „Im Gegenteil.“

Heute entwirft Jürgen Weiß vor allem virtuelle Kulissen. Also jene, die nur der Zuschauer am Bildschirm wahrnimmt. Die Formate im WDR wie „Servicezeit“, „Markt“ oder den ARD „Brennpunkt“ entstammen seinem Können am Rechner und seinem Gespür für Ästhetik. Das Besondere an diesen virtuellen Studios ist, dass alles nur auf dem Rechner existiert, während der Moderator, zum Beispiel der des Brennpunktes, lediglich an einem Pult steht in einer sogenannten Blue-Box bzw. in einem neutralen Raum.

Das wirklich Schwierige an dieser Arbeit ist es, den Echtheitsgrad so gut wie möglich herzustellen. Wenn die Zuschauer_in einen Parkettboden sehen soll, dann ist das eine Herausforderung. „Da gehst du ja nicht ins Internet und kopierst dir einen Parkettboden. Da musst du dir richtig was einfallen lassen“, sagt Jürgen Weiß. Um das hinzukriegen, ist viel Zeit erforderlich. Und Zeit ist Geld. Doch auch der WDR muss kräftig sparen. „Die Ausstattung eines Sets ist heute zeitlich begrenzt. Das war früher anders“, erinnert Jürgen Weiß, der häufig bis in die späten Abendstunden arbeitet. Geschuldet ist das der Aktualität. Denn wenn „Monitor“ oder „Brennpunkt“ in der ADR aktuell ausgestrahlt werden und kurz vorher noch eine Änderung erwünscht ist, muss Weiß sofort reagieren.

„Mir macht der Job viel Spaß. Auch, wenn Zeit- und Budgetdruck deutlich größer geworden sind“, lautet das positive Fazit des Szenenbildners und ver.di-Mitglieds.

nach oben

weiterlesen

Vogelperspektive für mehr Nachhaltigkeit

„Mir fehlt die Hubschrauberperspektive im Journalismus“, so Dietrich Krauß, Redakteur der ZDF-Sendung „Die Anstalt“, jüngst beim Forum Weitblick in Berlin. In engagierten Diskussionen wurden innovative Ansätze für die Berichterstattung über Nachhaltigkeit ausgelotet – angefangen bei konstruktivem Journalismus, der Lösungen zum Problem bietet, bis zu grundsätzlicher Kritik an ökonomischen Rahmungen der Berichte, die das neoliberale System stützen.
mehr »

DGB-Filmpreis in Emden verliehen

Standing Ovations für einen zerbrechlichen 97 Jahre alten Mann bei der ausverkauften Emder Uraufführung von „Der letze Jolly Boy“ von Hans Erich Viet. Das Publikum honorierte den Film über den Ausschwitz Überlebenden Leon Schwarzbaum beim 29. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit dem diesjährigen DGB Filmpreis, der mit 7000 Euro dotiert ist. Regisseur Viet – ein echter Ostfriese – hat zusammen mit Filmregisseur und Schauspieler Detlev Buck an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studiert und mit ihm seine ersten Kurzfilme gemacht. Er war 2009 schon einmal DGB-Preisträger mit „Deutschland nervt“.
mehr »

Neugierig auf dem Weg in den Journalismus

Bei schönem Wetter fuhr sie ans Meer, zu Geburtstagen reiste sie quer durch Deutschland, zum Studieren stieg sie in Tübingen aus der Bahn: Die Zugnomadin Leonie Müller tauschte 2015 für zwölf Monate ihre Wohnung gegen eine Bahncard 100. Ihr 40-Liter-Rucksack war immer dabei. Auch zur „Fuß Fassen im Journalismus“ – Sondertour von Jugendpresse Hessen und dju in ver.di in Bad Vilbel reiste Leonie Müller mit Rucksack an.
mehr »

Mut zur Kontroverse

In seiner Autobiografie „Mehr Haltung, bitte“ zieht UFA-Chef und Erfolgsproduzent Nico Hofmann eine Bilanz seines bisherigen Berufslebens und fordert die Gesellschaft auf, angesichts des aktuellen Rechtspopulismus weniger nach dem kleinen Konsens zu suchen, sondern Mut zur Kontroverse zu zeigen.
mehr »