Bildjournalismus heute

Bildjournalismus gehört zu den Berufen, bei denen Mythos und Realität seit jeher weit auseinander klaffen. Informationen, die ein realistisches Bild von Chancen und Risiken zeichnen, die Orientierungen, Hilfestellung und Tipps bieten, sind für Berufseinsteiger deshalb besonders wichtig. Ein solches Handbuch für Bildjournalisten, die diesen Beruf anstreben, und solche, die bereits Erfahrungen gesammelt haben, hat Rolf Sachsse vorgelegt.

Das vom Verlag als Standardwerk bezeichnete Kompendium streift auf 298 Seiten so ziemlich alles, was mit der journalistischen Fotografie in Verbindung gebracht werden kann. Von A wie Auftrag und Ausbildung über Berufsethik, Computer, Fototermin, Urheberrecht und Verwertungsgesellschaften bis Z wie Zweitverwertung, fehlt im Grunde nichts, was für das Geschäft mit den Bildern von Interesse sein könnte. So kommt durchaus eine Menge brauchbarer Orientierungshilfen zusammen, die allerdings bei der Vielzahl der Stichworte zwangsläufig auf das Format von Acht-Zeilen-Häppchen geschrumpft sind.

Die Stärken des Buches liegen in seinen dokumentarischen Passagen. So finden sich Kurzbeschreibungen inklusive Adressen einschlägiger Ausbildungseinrichtungen und Studiengänge ebenso wie Hinweise auf Berufsverbände und Gewerkschaften wie DJV, DJU und Freelens, deren Allgemeine Liefer- und Geschäftsbedingungen im Anhang abgedruckt sind. Ein umfangreicher Rechtsteil informiert unter anderem über Vergütungsansprüche der Fotografinnen und Fotografen, über das Recht am eigenen Bild und darüber, was im Umgang mit der Polizei zu beachten ist.

Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie man ins Geschäft kommt. Neben Tipps für ein Vorstellungsgespräch in einer Redaktion werden hier vor allem formale Aspekte behandelt, wie Honorarvereinbarungen, Lieferscheine, Rechnungen und derlei mehr. Unterbelichtet bleibt dagegen die Frage, in welcher Form und auf welchem Wege die Fotos am erfolgreichsten den Weg in die Redaktionen finden. Alle Möglichkeiten vom Schwarz-Weiss-Abzug bis zur Versendung digitaler Bilder mit Hilfe von Leonardo werden zwar kurz erwähnt, deren jeweilige Vor- und Nachteile jedoch leider nicht diskutiert.

Die technischen Kapitel bilden denn auch die Schwachpunkte des Buches. Sie sind zum Teil überflüssig (vor jedem Fototermin Objektive putzen, genügend Ersatzbatterien einstecken) zum Teil veraltet. Wenn Sachsse jungen Bildjournalistinnen und -journalisten allen Ernstes rät: prinzipiell Hände weg vom Autofokus und eine Kamera mit abschaltbarem Motor empfiehlt, wird deutlich, dass der Professor für Fotografie an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld schon lange keinen Pressefotografen mehr bei der Arbeit erlebt hat. Das ist aber nicht so tragisch, weil erfahrungsgemäß angehende Fotografinnen und Fotografen mit der Technik die geringsten Probleme haben. Obwohl das Buch trotz seines stattlichen Umfangs noch etliche Fragen offen lässt, kann die angesprochene Zielgruppe dem Werk viele nützliche Hinweise entnehmen.


Rolf Sachsse
Bildjournalismus heute. Beruf, Ausbildung, Praxis
List Verlag, Reihe Journalistische Praxis
ISBN 3-471-77269-3
20 Euro

 

nach oben

weiterlesen

Der KiKa müsste neue Formate entwickeln

Am 7. März wird die „Sendung mit der Maus“ fünfzig Jahre alt. Armin Maiwald ist einer der „Väter“ des Klassikers im Kinderfernsehen, der Kindern mit Lach- und Sachgeschichten seit 1971 im „Ersten“ die Welt erklärt. Der Maus-Miterfinder ist für die Sachgeschichten zuständig. Sie werden, wie er zum Jubiläum eröffnete, vor der Ausstrahlung keinem einzigen Kind gezeigt. Doch will Maiwald mehr Aufmerksamkeit für ein Fernsehen, das sich wirklich um die Bedürfnisse der Kinder kümmert.
mehr »

Guter Film braucht einen guten Ton

Die Klage ist vermutlich so alt wie das Fernsehen: Viele Zuschauer haben bei Filmen und Serien Probleme, den Dialogen zu folgen. Das hat auch mit dem Alter zu tun; ARD und ZDF bekommen vermutlich mehr solche Beschwerden als zum Beispiel ProSieben. Seit einiger Zeit nun versuchen verschiedene ARD-Sender im Rahmen von Pilotprojekten, die Sprachverständlichkeit des Fernsehens zu verbessern. Die Ursache liegt jedoch tiefer: Der Ton ist seit Jahrzehnten das Stiefkind der Filmproduktion.
mehr »

Buchtipp: Sprache in den Medien

Seit Jahrhunderten wird den Zeitungen eine Verhunzung der deutschen Sprache vorgeworfen. Zeitungsschreiber seien als „Sudler“ für alle nur erdenklichen Sprachverhunzungen verantwortlich. Das Zitat stammt vom 1860 verstorbenen Philosophen Arthur Schopenhauer. Schon 1643 geißelte der Arzt und Dichter Christoph Schorer aus Memmingen die „Sprachverderber“, weil sie so viele französische und lateinische Vokabeln verwendeten.
mehr »

Beschwerde-Rekord beim Deutschen Presserat

Der Deutsche Presserat hatte im vergangenen Jahr ordentlich zu tun: 2020 sind so viele Beschwerden eingegangen wie noch nie. Das lag nicht zuletzt an Massenbeschwerden zu einzelnen Artikeln, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurden. Auch die Zahl der Rügen ist deutlich gestiegen. Insgesamt 53 Mal verhängte die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse ihre schärfste Sanktion.
mehr »