Fair Radio

Wer das Radio einschaltet, glaubt Authentisches zu hören. Mitunter klafft jedoch eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Oft wird etwas vorgegaukelt! Die Fair Radio Initiative sammelt Beispiele.

Ein Privatsender berichtet über die Möglichkeiten, Energie zu sparen. Journalistische Information? Fehlanzeige. Der Beitrag stammt von einer Agentur, bezahlt hat den Beitrag ein großes Versandhaus! Dessen Experte erklärt im Beitrag, wie man sich beim Versandhaus zum Energiesparen schlau machen kann. Im Anschluss weist der Moderator gerne auf die Kaufhaus-Internetseite hin. Zusätzlich verlinkt der Sender das Unternehmen im Netz. Der Hörer will seriöse Information und glaubt, dass er die auch bekommt. In Wahrheit aber hat er einen Werbespot gehört. Nur weiß er es nicht. In den meisten Fällen wird weder während der Sendung noch im Internet darauf hingewiesen, dass die gesendeten Beiträge gekaufte Werbebeiträge sind. Ein klarer Verstoß gegen die Richtlinien der Landesmedienanstalten und den Rundfunkstaatsvertrag. Es gilt das Gebot der Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten. Bei vielen öffentlich- rechtlichen Sendern sieht das leider nicht anders aus. Stichwort: Medienpartnerschaften ! Eigentlich müssten Privat-Unternehmen für Werbung im Rundfunk viel Geld bezahlen, Informationen über z.B. Rock- und andere Musikveranstaltungen strikt von der Werbung getrennt sein.
Die Realität? Auch öffentlich-rechtliche Sender preisen sich nahezu täglich als Veranstaltungspräsentatoren an, werben im Programm mit Karten-Gewinnspielen, mit VIP Aufenthalten und Promi-Treffs. Es geht allein um die Quote. Das Problem: Wie sieht eine unabhängige Berichterstattung über „die eigene Veranstaltung“ aus, wenn das Konzert nicht den Erwartungen entspricht? Sind die Zeiten der Qualitätsinformation und der strikten Trennung von Werbung und Programm wirklich längst vorbei?
Es geht auch anders. Ein süddeutscher ARD- Sender forderte die Vereine in seinem Sender-Bundesland auf, sich für „soziale Baumaßnahmen“ zu bewerben. So baut z.B. ein Angelsportverein den Hofladen eines Bauernhofes für behinderte Jugendliche! Den Anglern winken 5.000 Euro Prämie für eigene Vereinsvorhaben. Frage: Erreichen öffentlich-rechtliche Sender mit solchen Aktionen nicht mehr Quote, mehr Hörerbindung und werden viel deutlicher dem öffentlichen – rechtlichen Auftrag gerecht? Wenn es 2010 noch gelingen könnte, dass der Sender zukünftig das Preisgeld aus der eigenen Tasche bezahlt, ohne gleich wieder einen Firmen-Sponsor mit ins Boot zu holen, wäre eine solche Aktion journalistisch perfekt. Also, was hindert die Kollegen daran, es im nächsten Jahr anders zu machen?

Seiwert-Fauti

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