INA vergibt erstmalig überraschend Günter-Wallraff-Preis

 

Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) hat zum ersten Mal den „Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik” vergeben. Ausgezeichnet wurde das Online-Projekt „Floskelwolke“ der Journalisten Sebastian Pertsch und Udo Stiehl, das auf Unzulänglichkeiten, Fehler und Manipulationen in der Nachrichtensprache aufmerksam macht.

Der Preis soll Personen oder Institutionen auszeichnen, die sich „auf originelle und ausgewogene Weise kritisch mit dem Journalismus als der 4. Gewalt‘ in der Demokratie auseinandersetzen“. Die 6.000 Euro Preisgeld wurden vom Namensgeber Günter Wallraff, RTL und der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde, Beuger, Solmecke gestiftet.
Die Initiative Nachrichtenaufklärung ist vor allem durch die von ihr jedes Jahr vorgenommene Wahl der „Top Ten der Vernachlässigten Nachrichten“ bekannt. Doch an der Art und Weise wie die INA den medienethischen Preis vergab, regt sich nun Kritik. Mehrere Mitglieder der INA-Jury erklären jetzt, dass sie im Vorfeld weder über den beabsichtigten Preisträger noch über die Auslobung des Preises selbst informiert wurden.
Das INA-Jury-Mitglied Miriam Bunjes sagt: „Ich habe vom Günter-Wallraff-Preis zum ersten Mal durch Zufall im Internet gehört “. Bunjes weiter: „Ich finde, dass wir das alle hätten wissen und diskutieren müssen“. Ein langjähriges Mitglied der INA-Jury, das namentlich nicht genannt werden möchte, findet einen „Medienethik-Preis ohne Ausschreibung ungwöhnlich“. Die „ganze Vorgehensweise“ sei „fragwürdig“. Auch Horst Pöttker, Journalistikprofessor in Dortmund und Hamburg, erklärt: „Mir wäre es lieber, man hätte das transparenter gemacht und wir wären da eingebunden gewesen“. Andere Journalismus-Preise legten ihre Vergabekriterien offen. „Ich bin immer für Transparenz und finde, dass eine medienkritische Initiative das auch auf sich selbst anwenden sollte. Ich nehme an, dass das in Zukunft bei der INA auch geschieht“, so das Ehrenmitglied der INA-Jury.
Wie aus der Pressemitteilung der INA zur Preisvergabe hervorgeht, wurde der Preis denn auch nicht von der gesamten INA vergeben. „Der Günter-Wallraff-Preis ist eine Auszeichnung des INA-Vorstandes. Der Vorstand hat über die Vergabe in einer Vorstandssitzung beraten und diese einstimmig beschlossen“, bestätigt INA-Vorstandsmitglied Rita Vock.
Der Günter-Wallraff-Preis wurde im Rahmen des „1. Kölner Forums für Journalismuskritik” am 8.Juni 2015 im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks überreicht. Wie der Sender anschließend mitteilte, wurde der Preis „mit Udo Stiehl an einen freien Mitarbeiter des Deutschlandfunks verliehen“. INA-Vorstand Rita Vock, Nachrichtenredakteurin beim Deutschlandfunk, erklärte dazu auf Anfrage: „Es handelt sich nicht um einen Preis des Deutschlandfunks. Deshalb gab es keinen Grund, Journalisten auszuschließen, die als Freiberufler (auch) für den Deutschlandfunk tätig sind“.

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