Journalistentag: Aus der Diskussion

– Nachgefragt, ergänzt und widersprochen

Tarik Ahmia, Berlin | Bei der von Herrn Leyendecker erwähnten Barschel-Geschichte bin ich zusammengezuckt. Die in der Welt am Sonntag jetzt veröffentlichte mehrseitige Geschichte ist für mich auch von investigativer Recherche getragen. Die Autoren bemühen sich um eine andere Sichtweise.

Stefan Müller, Frankfurt / Main | Man sollte vorsichtig sein, was man am Arbeitsplatz bei der Computerrecherche macht. Einiges beschränkt der Arbeitgeber im hausinternen Netzwerk. Ist das Nutzen von Anonymisierungsdiensten nicht auch eine Frage für den Betriebsrat? Einige Themen recherchiert man wohl besser von zu Hause aus.

Norbert Freund, Saarbrücken | Unsere saarländische Beauftragte für das Informationsfreiheitsgesetz vertritt die Meinung, dass alle die Akten einsehen dürfen, nur Journalisten nicht. Wie sollen wir da das IFG nutzen? Das bedarf der Klarstellung. Journalistengewerkschaften sollten die Erweiterung des IFG beantragen, damit man leichter Informationen über gerichtlich bereits abgeschlossene Sachen bekommt, die weiterhin von gesellschaftlichem Interesse sind.

Bernhard Lucht, Hamburg | Wer Fotos auf facebook hochlädt, sollte sich darüber klar sein, dass er damit jegliches eigenes Recht an seinem Werk aufgibt.

Sami Atwa, Hannover | Brauchen wir ähnlich wie beim Rundfunk nicht eine öffentlich-rechtliche Agentur, die Qualitätsjournalismus sichern kann?

Sigurd Schulze, Berlin | Sind auch Stiftungen zur Auskunft verpflichtet, wenn sie überwiegend mit öffentlichen Mitteln gespeist werden wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und andere?

Kersten Artus, Hamburg | Was ist Journalismus? Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Als Journalistinnen und Journalisten müssen wir einen eigenen Anspruch an uns entwickeln. Finde ich Mitstreiter, die mich unterstützen? In der Regel geht es ums Sparen, Kürzen das ist das Einzige, was Arbeitgebern einfällt. Aber es gibt auch einen Wandel in unserem Unternehmen (Bauer-Verlag). Der Konzern hat sich entschieden, bestimmte erfundene Geschichten nicht mehr zu bringen, sich zu einer gewissen Wahrhaftigkeit durchgerungen. Es sollen keine Märchen mehr in den Bauer-Erzeugnissen veröffentlicht werden – obwohl das andere natürlich weiterhin machen.

Thomas Klatt, Berlin |
Große investigative Recherchen kann man nur mit langem Atem machen. Als alleinarbeitender Autor schaffst du das nicht.

Klaus Schrage, Nürnberg | Qualitätsjournalismus? Wer bekommt die Journalistenpreise? Leute aus den Häusern, die das Geld dafür haben.

Roswitha Schäfer, Berlin | Sie sprechen vom goldenen Zeitalter, Herr Weichert, das für Journalisten anbrechen wird. Dagegen melde ich Protest an. Es gibt schon keine Aufträge mehr für freie Kolleginnen und Kollegen über 40, die können glatt verhungern. Und es gibt zu wenig Solidarität von festangestellten Leuten.

Violetta Pasierb, Berlin | Es gibt verdammt wenig junge Redakteurinnen und Redakteure, die fest angestellt sind. Viele gute Leute werden ausgebremst. Das wird so existenziell, dass auch sie befürchten dürfen, vor dem 40. Lebensjahr zu verhungern. Damit verliert jeder die Leidenschaft für diesen Beruf.

Doris Banzhaf, Freiburg |
In Frankreich wird die Presse staatlich gefördert. Wäre eine solche gesetzliche Regelung auch für Deutschland denkbar? Ich habe als Freie die Seiten gewechselt, arbeite jetzt für Unternehmen, weil das besser bezahlt wird und man Wertschätzung erfährt – all das gilt nicht mehr für den klassischen Journalismus, für den ich mal gebrannt habe.

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Der KiKa müsste neue Formate entwickeln

Am 7. März wird die „Sendung mit der Maus“ fünfzig Jahre alt. Armin Maiwald ist einer der „Väter“ des Klassikers im Kinderfernsehen, der Kindern mit Lach- und Sachgeschichten seit 1971 im „Ersten“ die Welt erklärt. Der Maus-Miterfinder ist für die Sachgeschichten zuständig. Sie werden, wie er zum Jubiläum eröffnete, vor der Ausstrahlung keinem einzigen Kind gezeigt. Doch will Maiwald mehr Aufmerksamkeit für ein Fernsehen, das sich wirklich um die Bedürfnisse der Kinder kümmert.
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Beschwerde-Rekord beim Deutschen Presserat

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Zum Jahrestag des rassisch motivierten Anschlags in Hanau hatten Interkultureller Mediendialog und dju in ver.di Hessen eingeladen, über Diskursverschiebungen in der Berichterstattung zu diskutieren. Es gebe zwar mehr Sensibilität, aber „in bestimmten Redaktionen ist der Groschen noch nicht gefallen, weil es sie nicht betrifft“, konstatierte Hadija Haruna-Oelker vom Hessischen Rundfunk.  Veränderungen habe es vor allem durch den Druck von Angehörigeninitiativen der neun Opfer gegeben, so Gregor Haschnik von der „Frankfurter Rundschau“.
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