Kaum Anerkennung

Unterstützung für geflüchtete Journalisten in Deutschland

Das Nothilfe-Referat von „Reporter ohne Grenzen” hilft sowohl JournalistInnen, die in ihren Herkunftsländern bedroht sind, als auch solchen, die ins Exil gehen müssen, weil ihnen mangels Pressefreiheit die Ausübung des Journalistenberufs verwehrt wird. Im Jahr 2015 wurden bislang rund 60 exilierte KollegInnen registriert, von denen die meisten heute in Deutschland leben. Sie kommen überwiegend aus Syrien, Afghanistan, Iran oder auch Somalia.

Rundfunkjournalistin Sharmila Hashimi, die vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kam Foto: ROG
Rundfunkjournalistin Sharmila Hashimi, die vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kam
Foto: ROG

Zunächst hilft das Nothilfe-Referat bei elementaren Dingen, gibt Unterstützung bei Asylverfahren und Stipendienanträgen. Schwieriger gestaltet sich die Hilfestellung in beruflichen Angelegenheiten. „Eine direkte journalistische Schulung können wir nicht leisten, damit wären wir überfordert”, bedauert Jens-Uwe Thomas von „Reporter ohne Grenzen”. Die Chancen, ihre journalistische Karriere im Exil fortzusetzen, seien für die meisten Neuankömmlinge gering. Das liege zum einen an der Sprachbarriere. Zudem werden die Betroffenen von deutschen Medien hauptsächlich als Opfer wahrgenommen. Dennoch finde, wenn auch sehr langsam, in den Redaktionen allmählich ein Umdenken statt. Im Kontext der Flüchtlingsdebatte gelinge es vereinzelt, zumindest Praktika zu vermitteln. „Oft erschöpft sich das Interesse der Medien leider in Interviews über das individuelle Schicksal einzelner Betroffener”, berichtet Thomas. Eine längerfristige Beschäftigung komme nur in Ausnahmefällen zustande. Diese Erfahrung machte zum Beispiel die Rundfunkjournalistin Sharmila Hashimi, die bereits vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kam. In den Redaktionen dominieren Zweifel, ob die exilierten KollegInnen das journalistische Handwerk „nach westlichen Wertvorstellungen” beherrschten. Hashimi versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. Gemeinsam mit drei Landsleuten plant sie jetzt ein Magazin für die afghanische Community in Berlin und Deutschland. Denn: „Journalismus ist my life, meine Karriere.”

Emin Milli, Meydan TV, eine der wenigen kritischen Stimmen, die über Aserbeidschan berichten Foto: DW / Eric Bridiers
Emin Milli, Meydan TV, eine der wenigen kritischen Stimmen, die über Aserbeidschan berichten
Foto: DW / Eric Bridiers

Diesen Weg haben andere bereits erfolgreich beschritten. Etwa Meydan TV, eine der wenigen kritischen Stimmen, die über Aserbeidschan berichten – aus dem Berliner Exil. Seit zwei Jahren betreibt der regimekritische Journalist Emin Milli den Online-Sender aus einem zum TV-Studio umfunktionierten Berliner Keller. Meydan TV liefert Infos nicht nur für die aserbeidschanische Community in Deutschland, sondern versucht auch, Einfluss zu nehmen auf die Entwicklung in der Heimat. Und steht daher mit seinen Mitarbeitern permanent unter Beobachtung des Regimes.
Wer im Exilland journalistisch nicht Fuß fassen kann, für den ist das – neben einem kompletten Berufswechsel – immerhin eine Option: die Gründung eines Medienprojekts „für die eigenen Leute”, sagt Thomas. Bei der Jahreskonferenz der „Neuen Deutschen Medienmacher” (NDM) stellte auch Monis Bukhari, Journalist und Blogger aus Syrien sein spezielles Projekt vor. Nachdem ein Jobangebot der Deutschen Welle, für die er auf Arabisch und Englisch arbeiten sollte, platzte, griff er zur Selbsthilfe. Bis Ende vergangenen Jahres betrieb er zunächst den syrischen Exilsender „Radio Baladna”. Mit einigen anderen ebenfalls geflüchteten Kollegen plant er derzeit ein Internet-Portal mit Infos und Audios für die syrische Community in Deutschland. Was den Vorteil hat, in der eigenen Sprache für das eigene Publikum arbeiten zu können. Schwierig gestaltet sich noch die Finanzierung: einstweilen fahndet Bukhari nach Möglichkeiten, für sein Projekt Stiftungsgelder aufzutreiben.

Monis Bukhari, Journalist und Blogger aus Syrien Foto: NDM / Mosjkan Ehrari
Monis Bukhari, Journalist und Blogger aus Syrien
Foto: NDM / Mosjkan Ehrari

Keine berufliche Anerkennung.

Rebecca Sumy Roth von den „Neuen Deutschen Medienmachern” verweist auf die spezifische Problematik: „Die Erfahrung, ein anerkannter und respektierter Journalist oder Journalistin gewesen zu sein und plötzlich hier vor dem Nichts zu stehen und auch keinerlei Anerkennung zu bekommen als Journalist in Deutschland, ist natürlich schwierig.” Viele Betroffene sind zudem durch die Erlebnisse auf der Flucht traumatisiert.
Die NDM planen daher, ihr bereits bestehendes Mentoring-Programm für geflüchtete JournalistInnen zu erweitern. Geplant ist ein Seminarblock, in dem Basiswissen vermittelt wird: Kenntnisse über das deutsche Mediensystem, Presserecht und Pressekodex, Grundlagen des hiesigen Journalismus. Zugleich soll versucht werden, die ExilkollegInnen an Publikationen oder Portale zu vermitteln: als Beratende, als Konzipierende oder im günstigsten Fall auch als Schreibende. In Kooperation mit „Hostwriter” wollen NDM die Exilierten auch mit KollegInnen bekannt machen, die über Themen in den jeweiligen Herkunftsländern recherchieren. Ein Deal zum gegenseitigen Nutzen. Viele der Geflüchteten sind eindrucksvoll vernetzt, haben fünf- bis sechstellige Followerzahlen auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Es liegt nahe, dieses Ressourcen produktiv für die Probleme der Flüchtlingsbewegung bzw. die Einwanderungsgesellschaft allgemein nutzbar zu machen.

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