Mentoring für mehr Vielfalt

Junge Journalist*innen mit Einwanderungsgeschichte stehen noch immer vor vielen großen und kleinen Hürden, die ihnen den Berufseinstieg in den Journalismus erschweren, und für manche sogar unmöglich machen. Genau hier setzt Mentoring@NRW an. Seit 2020 begleitet, vernetzt und fördert das Programm der „Neuen deutschen Medienmacher*innen“ junge Journalist*innen in Nordrhein-Westfalen am Beginn ihrer Karriere.

Anna Kravčíková lebt in Köln und ist Projektleiterin bei Mentoring@NRW. Als Journalistin arbeitet sie vor allem im Audiobereich für Radiosender wie COSMO, 1LIVE und Deutschlandfunk Nova. Sie kommt aus der Slowakei und hat vor zwei Jahren selbst bei Mentoring@NRW teilgenommen. Gerade im Berufseinstieg hatte sie unter anderem mit fehlenden Vorbildern zu kämpfen. Außerdem verweist sie auf die hohen Kosten des oft jahrelangen, steinigen Weges in den Beruf: „Viele Journalist*innen kommen eher aus dem reicheren Elternhaus, weil sie es sich leisten können müssen, teils schon während des Studiums so viele Praktika zu machen, die meist auch unbezahlt sind,“ erzählt die 30-Jährige.

Von Kürzungen betroffen

Seit Projektbeginn vor sechs Jahren hat Mentoring@NRW mehr als 60 Nachwuchsjournalist*innen begleitet, die heute unter anderem bei WDR, Funke Mediengruppe, Deutschlandfunk, SAT.1 NRW, Handelsblatt oder COSMO arbeiten. Jedes Jahr erhielten die Teilnehmenden Unterstützung durch erfahrene Journalist*innen aus der Region, lernten Redaktionen kennen und bauten ein eigenes berufliches Netzwerk auf, das vorher oftmals noch fehlte. „Auf der anderen Seite lernten die Lokalredaktionen und Medienhäuser Menschen kennen, die die journalistische Arbeit vor Ort mit eigenen Perspektiven und transkulturellen Kompetenzen bereichern“, so Kravčíková

Wegen finanzieller Kürzungen konnte die einjährige Begleitung der Teilnehmenden durch Mentor*innen in diesem Jahr nicht durchgeführt werden. Stattdessen bündelt Mentoring@NRW nun seine Aktivitäten in einem Camp-Format. Es richtet sich an 15 Nachwuchsjournalist*innen, im zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. In praxisnahen Workshops lernen die Teilnehmenden von erfahrenen Medienprofis, die ebenfalls Migrationsgeschichte oder Rassismuserfahrung haben, und vernetzen sich untereinander.

Eines der Workshop-Themen ist etwa das Erstellen von journalistischen Pitches, also das knappe, überzeugende Angebot einer Story-Idee, das an Redaktionen via E-Mail gesendet wird. Ein anderes Format soll zum Austausch über Möglichkeiten für Wege in den Journalismus abseits der Königswege Volontariat und der Journalistenschule anregen. Außerdem entsteht ein Raum für Fragen, bei denen viele Menschen zunächst aus Vorsicht zögern, sich an die eigenen Kolleg*innen zu wenden: etwa beim Thema Bezahlung oder Rassismuserfahrungen im Rahmen der journalistischen Arbeit.

Der Schwerpunkt von Mentoring@NRW liegt auf dem Lokal- und Regionaljournalismus. „Häufig bieten die Jobs in diesem Bereich noch Stabilität und Festanstellungen, wie sie sich bei großen, überregionalen Medienhäusern oft nicht mehr finden lassen“, sagt Kravčíková

Gerade die Lokal- und Regionalredaktionen hätten auch in Nordrhein-Westfalen große Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. „Viele Lokalmedien hätten aber ein großes Interesse an einer jungen, diversen Belegschaft – auch weil das Communities anspricht, die sich bislang wenig repräsentiert fühlen und daher kaum Lokalmedien konsumieren,“ so die Projektleiterin. 

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