Filmtipp: Good News

Was kommt dabei heraus, wenn die große Story einfach nicht auftauchen will? Bild: Good News, Jost Hering Filme

In „Good News“ beschäftigt sich Regisseur Hannes Schilling mit der schwierigen Arbeit von Auslandskorrespondent*innen in gefährlichen Gebieten. Es ist eine so turbulente wie traurige Geschichte über Tätigkeiten fernab der Redaktionen und sie erinnert nicht ganz zufällig auch an wahre Begebenheiten. Der Film ist Schillings Spilefilmdebüt.

Journalist Theo (Ilja Stahl), Hauptfigur in Hannes Schillings Spielfilm „Good News“, steht unter Druck. Der Auslandskorrespondent einer nicht näher beschriebenen Redaktion ist in Thailand unterwegs und müsste langsam mal einen Coup landen. Mit Hilfe seines ortsansässigen Freundes Mawar (Sabree Matming) möchte er in das Gebiet der Rebellen im Süden des Landes reisen, von dort eine Reportage schreiben und groß rauskommen. Damit könnte er sich endlich einen Namen machen, zudem seine finanziellen Probleme lösen und wieder zur kleinen Tochter zurückkehren. Mit deren Mutter liegt er schon unrettbar im Streit, weil er immer unterwegs ist und sich um nichts kümmern kann.

Unterschiedliche Risiken

Das ganz dicke Ding! Die Titelseite! Wir machen deine Geschichte ganz groß auf! Das würde Theo gern von den Redakteuren hören. Diejenigen, die nicht mitspielen, sind die Rebellen. Seit zwei Jahrzehnten kämpfen militante Gruppen für die Abspaltung der mehrheitlich von Muslimen bewohnte Südprovinz Pattani. Die Reise ist für Theo und noch viel mehr für Mawar, der die Kontakte machen soll, risikoreich und nicht zuletzt ein Streitpunkt zwischen den beiden. „Du gehst dann nach Hause zurück, ich bleibe hier“, sagt Mawar, der sich auch um seine Familie sorgt.

Ein ums andere Mal verspricht Theo dem Freund Arbeit und Existenz in Deutschland und das Blaue vom Himmel. Mawar dagegen fürchtet Konsequenzen, wenn er Fremde ins Rebellengebiet schleust. Denn die sind alles andere als auskunftsfreudig gegenüber der Presse und haben nervöse Finger am Abzug.

Eine Geschichte muss her

Was tun? Theo macht sich dennoch ans Werk – und erfindet einfach eine Reportage. Schreiben kann er, keine Frage. In der Redaktion ist man hocherfreut. Womit Theo nicht rechnet – man schickt ihm einen Fotografen. Denn was wäre die tolle Räuberpistole ohne die Bilder von Bewaffneten. Theo wäre sicher auch ohne ausgekommen. Dieser Turn dürfte etwas unglaubwürdig sein, aber das etwas holprige Drehbuch tut der Spannung ansonsten keinen Abbruch.

Der Fotograf Julian (Dennis Scheuermann) wiederum sieht seine Bildproduzentenarbeit auch als Resozialisierungsmaßnahme – das Knipsen gab es als Ergotherapie im Jugendknast, wo er wegen verschiedener Delikte einsaß. Der junge Fotokünstler kann durchaus ein wenig aufbrausend werden, vor allem, wenn ihm das Fotomotiv vorenthalten wird. Denn auch er will groß rauskommen. Da Theo nie mit den Kämpfern Kontakt hatte, fällt es ihm nun schwer, Julian zur Arbeit zu bringen. Aber Theo bleibt einfallsreich.

Man möchte eventuell gar nicht wissen, wie es weitergeht. Spannung ist garantiert, mit Szenen, die beim Zuschauen durchaus wehtun. Mit Recht fühlt man sich an den Fall von Claas Relotius erinnert, der für den Spiegel Reportagen erfand, gern ebenfalls vom entgegengesetzten Ende der Welt.
„Good News“ ist ein Kaleidoskop mit dem Auslandsreporter im Zentrum. Nicht zynisch, sondern manchmal eher traurig, wenn man Theo dabei zuschaut, wie er isoliert von den Redaktionskolleg*innen versucht, fernab zu arbeiten, Erfolg zu haben. Darüber hinaus erzählt der Film von den immensen Gefahren, in die sich Journalist*innen bei der Berichterstattung begeben.


„Good News“. D 2025. Regie: Hannes Schilling, mit Sabree Matming, Ilja Stahl, Dennis Scheuermann. Kinostart: 22. Mai 2025

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